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Werkzeug ist 15000 Jahre alt

Steinzeit-Funde in Brammer Werkzeug ist 15000 Jahre alt

Vor gut 90 Jahren lief der 15-jährige Max Beecken in Henstedt-Ulzburg über die Felder und fand einen komischen Stein. Der war, so stellte sich heraus, ein steinzeitliches Beil. So begann die Sammelleidenschaft des jungen Max für Werkzeuge aus alter Vorzeit. Das war 1924. Inzwischen hütet seine jüngste Tochter Ute mit ihrem Mann Max Sievers das Erbe in einem kleinen Museum auf dem Bauernhof in Brammer – in „Max sien Steenstuv“.

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Max Sievers übernahm die Sammel- und Forscherleidenschaft für steinzeitliche Werkzeuge von seinem Schwiegervater Max Beecken.

Quelle: Nora Saric

Brammer. Beile, Messer, Pfeilspitzen und Schlagsteine, Sicheln, Meißel, Dolche, Schaber und diverse Klingen aus Stein finden sich in dem zum Ausstellungsraum umgebauten ehemaligen Stall. Ute und Max Sievers können nur einen ausgewählten Teil des Tausende Stücke umfassenden Fundus zeigen. Das älteste Werkzeug stammt aus der späten Altsteinzeit und ist etwa 15000 Jahre alt. In Vitrinen sind die Stücke gegliedert in die jeweiligen Phasen der Steinzeit präsentiert, sodass ersichtlich wird, wie sich die Techniken im Verlauf der Jahrtausende verfeinert haben – die Entwicklung der Kulturgeschichte sichtbar gemacht.

 Bis ins Rentenalter hinein fand Max Beecken zuhauf die steinzeitlichen Artefakte in den Böden. Zusätzlich brachten ihm andere Leute ihre Fundstücke, damit er sie für die Nachwelt aufbewahrt. Seine Frau Dorothea, mit der er 1937 den Hof in Brammer gekauft hatte, half beim akribischen Sortieren und Beschriften. „Mein Vater hat alles rangeschleppt und meine Mutter hat alles gewaschen“, erzählt Ute Sievers lachend. Schon in ihrer Kindheit, erinnert sich die 65-Jährige, hatten im Wohnzimmer mehrere Schränke voll mit Steinzeit-Werkzeugen gestanden.

 In den 60er und 70er Jahren habe ihr Vater bereits eng mit dem archäologischen Landesamt auf Schloss Gottorf in Schleswig zusammengearbeitet. Der Landläufer und Amtsmitarbeiter Ernst Wilhelm Bötel kam regelmäßig, um Beecken bei der Zuordnung und Dokumentation zu helfen. „So hat sich mein Vater sein Wissen angeeignet“, sagt Ute Sievers. Sie und ihr Mann haben noch heute engen Kontakt „zu Schleswig“, wie Max Sievers zu sagen pflegt. Sein eigenes Interesse an der Archäologie, so der 65-jährige gebürtige Ellerdorfer, habe sein Schwiegervater geweckt. „Ich bin 1968 das erste Mal hier gewesen und habe auf dem Schützenfest Ute kennengelernt. Kurze Zeit später war ich dann hier auf dem Hof zu Besuch und habe die Sammlung in der Wohnung gesehen. Vier Wochen später habe auch ich mein erstes Beil in Ellerdorf gefunden.“

 Rund um die Brammerau habe es sehr viele menschliche Siedlungen gegeben, deshalb sei in den Feldern so viel zu finden gewesen, erzählt Max Sievers weiter. „Hier entstand das Urstromtal als vor 8000 bis 10000 Jahren die Gletscher langsam abtauten.“ Laut „Schleswig“ sei der Schmelzwasserstrom etwa hundert Meter breit gewesen. „Dort siedelten sich die Menschen natürlich an“, fährt seine Frau fort. „Sie brauchten das Wasser zum Leben. Sie führten Handel und nutzten das Wasser vielleicht auch schon für den Transport.“

 Die beiden gehen immer noch mit Schaufel und Kelle auf Streifzüge in der Umgebung. „Man könnte immer noch etwas finden“, meint Max Sievers. „Aber durch die modernen Maschinen in der Landwirtschaft wird vieles zerstört und in den Boden eingearbeitet. Der Regen schwemmt einfach nicht mehr so viel frei. Früher waren die Handarbeiter auf dem Feld mit der Nase viel näher am Boden dran.“

 Vor zehn Jahren, als die Sievers ihre Landwirtschaft aufgegeben hatten, gründeten sie das Museum, um die archäologische Sammlung nicht verstauben zu lassen. Vor fünf Jahren kam sogar ein Taiwanese auf Weltreise zufällig vorbei. Er war mit dem Fahrrad unterwegs.

 Ute und Max Sievers freuen sich über jeden Besuch auf ihrem Hof, Brammerau 2, und zeigen gerne Schulklassen, Erwachsenengruppen oder Einzelpersonen die archäologische Sammlung. Eine telefonische Absprache, Tel. 04392/4712, ist ratsam. Wer unangekündigt kommt, kann auf gut Glück am Museum klingeln. Ein Besuch der Steenstuv bietet sich auch als Rast während einer Fahrradtour an. Der Bauernhof bietet nämlich auch eine schöne Wiese mit Spielgeräten für Kinder. Wer mag, kann noch einen Spaziergang durch den Wald und das Gebiet der Au dranhängen.

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