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Museumsräucherei in trockenen Tüchern

Mitglieder stimmten Erwerb der Liegenschaft für 400000 Euro zu Museumsräucherei in trockenen Tüchern

Es ist eine mutige Entscheidung. Es ist aber auch eine Entscheidung, die großen Idealismus und eine enge Verbundenheit zur Tradition und Geschichte der Stadt dokumentiert: Der Förderverein Alte Fischräucherei Eckernförde will die Liegenschaft der ehemaligen Räucherei Hopp in der Gudewerdtstraße erwerben, um auf dem Areal eine Museumsräucherei entstehen zu lassen. Ein entsprechender Beschluss wurde von der Mitgliederversammlung am Dienstagabend ohne Gegenstimme gefasst.

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Der Förderverein kauft die alte Fischräucherei Hopp in der Gudewerdtstraße und will daraus ein Museum machen.

Quelle: Foto Archiv

Eckernförde. „Wir sind frohen Mutes, denn wir haben kompetente Leute im Vorstand“, gab sich der zweite Vorsitzende Hans Jörg Petersen optimistisch. Zuvor hatte Katharina Mahrt als Vorsitzende deutlich gemacht, dass der Verein vor einer „großen Entscheidung“ stehe. Eingehend habe man über Wochen die Frage erörtert, ob man Eigentümer des unter Denkmalschutz stehenden Quartiers im Herzen der Altstadt werden solle. Als bekannt wurde, dass es für die Liegenschaft mehrere Bewerber gab, sei der Entschluss gereift: Wir werden kaufen! Auch weil dies die letzte Chance sei, das Vereinsziel zu erreichen. Das sieht nämlich vor, ein Museum am ursprünglichen Altstadt-Standort und in den originalen Räumen als Ort der Begegnung zu schaffen. Dort soll vor den Augen der Besucher nicht nur geräuchert werden. Traditionelles Netzeknüpfen und Fischkistennageln seien als weitere Aktionen ebenfalls geplant. Außerdem eine große Ausstellung über die Fischerei und das Räuchereiwesen in Eckernförde.

Nach „unglaublich vielen Gesprächen“ sei der Vorstand nach Mahrts Worten zu der Erkenntnis gekommen: „Wir können das schaffen!“ Voraussetzung: Alle müssen mithelfen. Und dieses Signal gaben die knapp 40 anwesenden Mitglieder nun, obgleich der ein oder andere beim Kaufpreis von 400000 Euro kräftig schlucken musste. Die Summe sei leider nicht mehr verhandelbar gewesen, bedauerte die Vorsitzende. Aufgebracht werden soll der Betrag durch eine Kreditzusage der Sparkasse, einen Zuschuss der Stadt und durch eine Reihe zugesagter Spenden. Die Einnahmen von jährlich rund 12000 Euro aus der Vermietung von drei zur Liegenschaft gehörenden Wohnungen sollen unter anderem zur Tilgung des Kredits und zur Zahlung der Zinsen verwendet werden. Außerdem sei man bemüht, Zuschüsse einzuwerben.

Bürgermeister Jörg Sibbel machte dem Verein diesbezüglich Hoffnungen. Es seien erhebliche Fördergelder zu erwarten, zum einen aus Mitteln der EU, andererseits aus einem Topf für europäische Fischereimaßnahmen. Der Verwaltungschef geht zudem davon aus, dass die örtliche Politik einer Bezuschussung ebenfalls positiv gegenübersteht. Das sei bereits mehrfach signalisiert worden. Eine Entscheidung darüber soll in der Ratssitzung am 25. April erfolgen.

Wie Vorstandsmitglied Hartwig Deimel erläuterte, steht die Sanierung des Schornsteines (geschätzte Kosten: 40000 Euro) auf der Prioritätenliste geplanter Maßnahmen ganz weit vorn. Nicht minder wichtig seien die Erneuerung des Sanitärtrakts (39000 Euro), die Dacherneuerung (60000 Euro), Maßnahmen der Wärmedämmung (24500 Euro) sowie Einrichtungsgegenstände wie Vitrinen und Beleuchtung (25000 Euro). Für die ersten 18 Monate nach Ankauf geht der Vorstand von Sanierungskosten in Höhe von 241000 Euro aus. Einen Großteil davon übernimmt die Stadt durch Zuschüsse. Um die Kosten so weit wie möglich zu reduzieren, sollen ganz erhebliche Bereiche der Sanierung in Eigenleistung erbracht werden. Und so appellierte Hans Jörg Petersen nicht von ungefähr an die Mitglieder: „Wir brauchen alle Hände!“

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Ein Artikel von
Uwe Rutzen
Ressortleiter Eckernförder Nachrichten

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