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„Flint-Bags“ sind „in“

Flintbek „Flint-Bags“ sind „in“

Während im Kätnerskamp 6 im Erdgeschoss in der Gemeindebücherei Flintbek still gearbeitet oder nach Büchern gesucht wird, rattert es umso lauter, je höher man das Treppenhaus erklimmt. Im Dachgeschoss wird schnell deutlich, woher der Lärm kommt: Dort laufen die Nähmaschinen auf vollen Touren, wenn sich mittwochs die Mitglieder der Nähwerkstatt treffen.

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Barbara Asmus gehört zu den Organisatoren der Nähwerkstatt. Sie ist froh, gute Schneider wie Adnan Shikho in der Gruppe zu haben.

Quelle: Sorka Eixmann

Flintbek. Adnan Shikho guckt kurz hoch und lächelt, danach näht er konzentriert weiter. Der 43-Jährige stammt aus Damaskus und ist gelernter Schneider. „Seine Arbeiten sind klasse, zusätzlich kann er wunderbar anleiten“, sagt Barbara Asmus. Gemeinsam mit Renate Claasen und Heike Neubauer hat sie im vergangenen Sommer die Nähwerkstatt ins Leben gerufen. Die Idee war als Treffpunkt für Flüchtlinge gedacht. „Dazu wollten wir etwas Kreatives schaffen“, erinnert sich Heike Neubauer.

 Unter dem Motto „Plastik vermeiden, Taschen nähen“ entstand die Idee der „Flint-Bag“. Es habe viele Stoffspenden aus der Bevölkerung gegeben, auch mehrere Nähmaschinen haben die drei Frauen bekommen. Und so wurde aus der Idee ein wöchentliches Treffen: Immer mittwochs wird genäht.

 „Wir haben uns mit dem Firmen vor Ort zusammen getan und versuchen so, die Flint-Bags zu verkaufen“, erklärt Neubauer. Eine Abnehmerin ist Jutta Goullon von der Flintbeker Bücherstube am Rosenberg. „Das ist toll, denn dort haben wir schon viele Taschen verkaufen können.“ Auch beim Basar der Kirche in der Adventszeit war die Nähwerkstatt vertreten und konnte mehr als 50 der Taschen veräußern. Mit dem Erlös werde Stoffe oder hochwertige Schneiderscheren gekauft, einen kleinen Obulos gibt es auch für die fleißigen Näher.

 Inzwischen hat Heike Neubauer auch ein Label erstellt. Jede Tasche wird mit einem solchen versehen, bevor sie in den Verkauf geht. „Zusätzlich bringen wir noch kleine Anhänger an, auf denen genau steht, wer die Tasche genäht hat“, erzählt sie. Doch es werden nicht nur Taschen produziert. „Jeder darf hier für sich nähen, was er möchte“, betont Asmus.

 Bis zu sieben Flüchtlinge nehmen regelmäßig an den Werkstunden teil, neben Adnan Shikho ist auch Perwin Ali dabei. Sie flüchtete aus Syrien und ist gelernte Textillehrerin. „Auch Perwin gehört zu unseren Lehrern, dabei spricht sie auch schon sehr gutes Deutsch.“ Denn neben dem Nähen und Erstellen von Taschen oder Kissen, geht es bei der Nähwerkstatt auch um soziale Kontakte und das Lernen der deutschen Sprache.

 „Was die Flüchtlinge morgens im Unterricht lernen, können sie nachmittags bereits anwenden. Genau das macht uns auch am meisten Spaß: Der Kontakt mit den Flüchtlingen ist sehr interessant“, so Neubauer. Während die Flüchtlinge nähen, haben Claasen, Asmus und Neubauer viel mit der Organisation zu tun. „Wir müssen für genügend Stoffe sorgen, und wir versuchen noch weitere Einzelhändler zu überzeugen, unsere Taschen in ihr Sortiment zu nehmen“, erklärt Heike Neubauer.

 Dennoch helfen sie auch aktiv während der Werkstatt-Stunden: Renate Claasen bügelt die von Adnan Shikho genähten Taschen. „So schnell wie Adnan näht hier keiner“, stellt sie anerkennend fest. Narges Sarawi ist neu im Kreis und lässt sich die Funktionen der Nähmaschine erklären. Und dann wird auch ihre Maschine rattern im Obergeschoss vom Kätnerskamp 6.

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Ein Artikel von
Sorka Susann Eixmann
Holsteiner Zeitung

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