7 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Neue Ölbohrung vor Schwedeneck?

Förderung soll sich wieder lohnen Neue Ölbohrung vor Schwedeneck?

13 Jahre nach Einstellung der Förderung könnte im Feld Schwedeneck-See wieder nach Erdöl gebohrt werden. RWE-DEA prüft derzeit die Wirtschaftlichkeit. Die Bohrung soll horizontal von der Schwedenecker Küste aus erfolgen. Auf einem Info-Abend am Mittwoch im „Tannenhof“ hatten die Besucher vor allem Fragen zu möglichen Beeinträchtigungen von Umwelt und Touristik.

Voriger Artikel
Ein Jahr alt und schnell wie der Wind
Nächster Artikel
Rat entscheidet über Eiderkaserne

Von Schwedeneck bis vor Damp erstreckt sich das Ölfeld Schwedeneck-See. Im Mittelteil werden noch 400 000 Tonnen Öl vermutet.

Quelle: hfr

Schwedeneck. Die Fachleute anhören, bevor die Wellen hoch schlagen – das war die Absicht von Bürgermeister Gustav Otto Jonas, der zur Gesprächsrunde eingeladen hatte. Markus Hirschfeld, zuständiger Referatsleiter im Kieler Umweltministerium, erläuterte den aktuellen Stand. Demnach hat das Landesamt für Bergbau im März eine bis 2017 geltende Bewilligung erteilt, dass die RWE/DEA die Grundlagen für die Ölförderung erarbeiten kann. Das bedeute „Schreibtischarbeit“, so Hirschfeld. Eine Genehmigung für eine Bohrung werde erst im Rahmen eines noch folgenden Betriebsplan-Verfahrens erteilt. Dabei würden naturschutz-, wasser- und bodenrechtliche Aspekte geprüft. Dies könne auch zu einer Ablehnung führen.

 Laut Hirschfeld hat die Oberste Naturschutzbehörde aufgrund möglicher Schallbelastungen für Schweinswale während der Bohrung und eventuellen Schadstoffbelastungen Bedenken angemeldet. „Hier muss die RWE/DEA noch Lösungen entwickeln.“ Denn im Bereich des Ölfeldes lägen geschützte FFH-Gebiete (Flora/Fauna/Habitat). Fazit: Derzeit hat der Energie-Konzern zwar einen „Claim abgesteckt“, eine Bohrung ist aber noch nicht genehmigt. „Und schon gar kein Fracking“, beruhigte Hirschfeld. Beim Fracking werden unter hohem Druck und dem Einsatz giftiger Chemikalien Gesteinsschichten aufgebrochen, um Gas zu fördern. In Schleswig-Holstein sei das politisch nicht gewollt und gebe es auch keine geologischen Potenziale, so der Referatsleiter.

 Auch die RWE/DEA schließt eine solche Fördertechnik für Schwedeneck-See „kategorisch aus“. Das Erdöl fließe hier von allein zu den Förderungen, sagte Ingenieur Heiko Oppermann. Die Sandsteine seien porös genug für eine konventionelle Erschließung. Von 1984 bis 2000 war das Feld Schwedeneck-See ausgebeutet worden – über zwei Offshore-Bohrplattformen vor Damp im Norden und mit Pferdekopfpumpen an Land über Schwedeneck im Süden. 3,5 Millionen Tonnen Öl und 31,5 Millionen Kubikmeter Erdölgas wurden in den 16 Jahren gefördert. „Störungsfrei“, betont Derek Mösche, Pressesprecher von RWE/DEA. Als der Verwässerungsgrad des Öls auf 90 Prozent stieg, wurde die Förderung eingestellt.

 Zwei Aspekte machen Schwedeneck-See für den Energie-Konzern jetzt wieder interessant. Der gestiegene Ölpreis (seit damals mehr als verzehnfacht) und neue Bohrtechniken, die von Land aus horizontal bis zu zehn Kilometer weit vorangetrieben werden können. In der Mitte des Ölfelds, die seinerzeit nicht erreicht werden konnte, vermutet die RWE/DEA noch ein Potenzial von 400000 Tonnen. Läuft das Genehmigungsverfahren ohne Hindernisse durch, soll die Bohrung nach bisheriger Planung „nicht vor 2015“ erfolgen. Angepeilter Förderungsstart wäre dann März 2016.

 Mögliche Gefahren für das Grundwasser und den Tourismus (Stichwort: Bohrturm) sorgten die rund 25 Schwedenecker Bürger, die zu dem Info-Abend gekommen waren. Laut Oppermann sei das Bohrverfahren sehr sicher. Die Bohrung werde über ineinander zementierte Stahlrohre ausgeführt. Darin befinde sich noch einmal eine extra Förderleitung. Die Wasserschutzbehörden würden das Verfahren vor Ort überprüfen.

 Für die Bohrung ist ein etwa 45 Meter hoher Bohrturm erforderlich. Die „schallgedämmte Anlage“ soll nach Angaben von Oppermann nach dem mehrere Monate dauernden Bohrprozess wieder rückgebaut und in die Landschaft eingepasst werden. Während der Förderung, die „einige Jahre“ andauern kann, wird das Öl über eine unterirdische Pipeline zu einem weiter im Landesinneren gelegenen Betriebsplatz gepumpt, der ähnliche Dimensionen wie ein Klärwerk hätte. Wo Bohrturm und Betriebsplatz im Falle der Förderung lägen, ist in diesem frühen Stadium noch nicht absehbar. Auch für den Abtransport des Öls muss noch ein Entwicklungskonzept erstellt werden. Bei der damaligen Förderung wurden ab Sprenge 1000 Tonnen im Monat per Tankwagen abgeholt.

 Welchen Einfluss hat die Gemeinde? Sie wird im Verfahren angehört. Laut Hirschfeld zählen dabei keine politischen, sondern nur fachliche Argumente, die dann geprüft würden. Vorteile zöge Schwedeneck aus der Erdölförderung nicht – von indirekten durch etwa 20 Arbeitsplätze einmal abgesehen. Die Förderabgabe fließt an das Land (im Ölfeld Mittelplate 120 Millionen Euro in 2012) und wird dem Länderfinanzausgleich angerechnet. Zu dem weiteren Planungsprozess soll es künftig jährlich eine Info-Veranstaltung in Schwedeneck geben.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten