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Wohnen in Lightversion voll im Trend

Nortorfer Land Wohnen in Lightversion voll im Trend

Warder/Bokel/Borgdorf-Seedorf. Klein, fein, mein – kleiner Wohnen ist ein neuer Trend. Vier Familien erzählen, weshalb sie für die Gesundheit, die eigene Überzeugung oder aus Kostengründen großen Immobilien für ein Leben im Eigenheim der Lightversion den Rücken kehrten. Sie bevorzugen nun Mobilheim, Zirkuswagen oder Modulhaus.

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Lebten schon im Bauwagen, bevor es unter dem Begriff Minimalismus zum neuen Wohn-Trend wurde: die Künstlergruppe in Bokel.

Quelle: Beate König

Vom 120 Quadratmeter-Haus in Marlow auf 60 Quadratmeter am Warderaner See: Gerlinde und Klaus Schult brachte der Umzug dichter zu den Kindern und Enkeln. „Der Abstand war von Mecklenburg-Vorpommern zu weit.“ Die Rentner krempelten vor vier Jahren ihr Leben um. Verkauften Möbel und Haus und zogen in eines der Mobilheime, die vor Jahrzehnten auf Rädern ins Wochenendhausgebiet transportiert wurden und jetzt dort fest auf Fundamenten stehen. „Das nennt sich Minimalismus“, erzählt Kurt Schult. Sieglinde Schult holte ihre Mutter nach. Sie lebt im Pflegeheim in Warder. „Ich habe mein Leben lang in Marlow gelebt. Dass ich mal wegziehe, hätte ich nie gedacht.“ Sie schaut sich kurz um. Rasen, Blumen, Büsche, Nachbarn: „Das hätten wir schon viel früher machen sollen.“

Von 92 Quadratmetern in Kiel in ein 40-Quadratmeter großes Modulhaus auf dem Campingplatz am Borgdorfer See: Sigrid Theden hat seit 2015 ein neues Ritual: Morgens erst mal mit einem Kaffee auf die Terrasse und auf den Wald gucken. „Im Winter kommen die Rehe.“ Die Gesundheit ihres Mannes entschied beim neuen Wohnsitz mit. Den Weg in den zweiten Stock ohne Lift schaffte der 71-Jährige nur noch mit Pausen. „Ich habe Asthma“, sagt Jürgen Theden. Die Luft am See lässt ihn atmen, der Weg ins Haus ist jetzt zwei Stufen hoch. Ein Schuppen auf dem Grundstück und eine komplett ausgestattete Küche mit großem Esstisch in einem Zeltanbau zeugen davon, dass Verkleinerung nicht nur bei den Thedens gelingt: Der Stauraum wird ausgelagert. Das Paar hat noch einen Lagerraum in Nortorf. Keine spartanische Askese also. Eine Auswahl von Lieblingsstücken umgibt sie weiterhin. „Meine Kommoden mussten mit“, sagt Sigrid Theden.

Aus der Mietwohnung in Fockbek zum 600-Quadratmeter-Grundstück am Warderaner See: Für Familie Zellmer eine Frage des Geldes. „Für ein Haus zahlt man ein Leben lang ab, für das Mobilheim sieben Jahre“, sagt Karin Zellmer. Auf dem großen Rasen kann Sohn David rennen und toben. „Eigentlich ist alles da“, sagt die 30-Jährige. „Wir haben sechs Zimmer, dazu die Ruhe und das Grün. Es ist wie Urlaub in Dänemark.“ Stauraum? Die Vorbesitzer haben einen Keller ausgehoben.

Statt ins modernisierte Bauernhaus in Bokel zu ziehen, für immer im Zirkuswagen wohnen, der ursprünglich mal als Übergangslösung gedacht war: Ulrich Dücker lebt seit 19 Jahren, lange bevor kleiner Wohnen zum Trend wurde, im von ihm selbst ausgebauten Wagen. Zehn Wagen, in denen Familie und auch Freunde leben, erzählen von seiner Lebenseinstellung: Man entfremdet sich weniger von der Welt, wenn man dicht an und mit der Natur lebt. „Auf Konsum lege ich keinen Wert. Ich möchte den Planeten irgendwann mit so wenig verlassen, wie es geht.“

Wohnen in der Kleinversion hat Konjunktur: In Warder wurden jetzt auf einer seit Jahren im B-Plan ausgewiesenen Fläche Bereiche für kleine Wochenendhäuser abgesteckt. „30 Baugrundstücke sind dort geplant,“ bestätigt Bürgermeister Jürgen Lucht. Bauanträge liegen noch nicht vor.

Neben dem Modulhaus der Thedens am Borgdorfer See warten 24 Flächen auf Pächter. Der nächste Nachbar baut im September. Sigrid Theden macht Zweiflern Mut. Ihre Skepsis erwies sich als unbegründet. „Ich habe den Umzug keinen Tag bereut.“

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