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Pauken für die deutsche Sprache

Ehrenamtliche Hilfe Pauken für die deutsche Sprache

Noch einmal ganz von vorn anfangen – ohne finanzielle Mittel, ohne soziale Kontakte und ohne Sprachkenntnisse. So sieht die Herausforderung für Flüchtlinge aus. Mohammed K. (Name von der Redaktion geändert) aus Rendsburg verließ seine Heimat in Syrien vor über zwei Jahren. Sein Traum: ein Elektrotechnik-Studium an der Fachhochschule in Kiel. Ein steiniger Weg.

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Mohammed K. (28) lernt mit Henriette Ebsen (28) für seine Deutsch-Prüfung.

Quelle: cwu

Rendsburg. „Fremdsein ist eine der anstrengendsten Situationen auf der Welt“, sagt Aenne Thode, die als pädagogische Mitarbeiterin den Fachbereich Deutsch als Fremdsprache an der Volkshochschule (VHS) in Rendsburg leitet. Hier gibt es Deutschkurse auf unterschiedlichen Niveaustufen. 600 Stunden umfassen der Basis- und der Aufbausprachkurs, erklärt die Pädagogin.

 Das Problem: Flüchtlinge haben im Asylverfahren noch keine Aufenthaltserlaubnis. Der Staat zahlt ihnen keine Aufbausprachkurse. Eine Lerneinheit à 100 Stunden koste 294 Euro. „Das können sich die meisten Menschen nicht leisten.“ Eine eigene Finanzierung ist ohne Job so gut wie unmöglich. Ein Job ohne Deutschkenntnisse jedoch auch. Ein Teufelskreis.

 Auch für Mohammed K. ist die Finanzierung nicht machbar. Doch er hat Glück: Henriette Ebsen (28) paukt ehrenamtlich mit dem Syrer. Die Biologin kam durch eine Arbeitskollegin auf die Idee, Flüchtlingen beim Deutsch lernen zu helfen. Mit ihrer Unterstützung soll Mohammed auch ohne Aufbausprachkurs die Prüfung bestehen, die ihn seinem Traum vom Studium ein Stück näher bringt.

 In seiner Heimat machte Mohammed eine handwerkliche Ausbildung. Einen Ausbildungsplatz als Elektrotechniker in Deutschland bekam er nicht. „Keine Chance“, sagt er. Er habe jedoch nicht aufgeben, sondern weitermachen wollen. So entstand der Plan, an die Uni zu gehen.

 Wenn Henriette Ebsen und ihr Nachhilfe-Schüler bis zu dreimal in der Woche für zwei Stunden zusammensitzen, steht nicht nur Grammatik auf dem Plan. Die beiden lernen auch voneinander und sehen den anderen als Bereicherung. Sie nutzen die gleichen Lehrbücher, die auch im Kurs verwendet werden. Darin gehe es viel um kulturelle Themen wie das Zuhause. „Das macht großen Spaß“, findet Mohammed. Henriette würde von ihm auch gerne Arabisch lernen.

 Aenne Thode hätte gerne mehr ehrenamtliche Helfer zur Hand. Anfragen habe sie schon einige bekommen, doch die Anforderungen an die Sozialkompetenz seien hoch. „Flüchtlinge sind keine unbelasteten Menschen“, sagt sie. Die Begegnung mit ihnen müsse stets auf Augenhöhe stattfinden. Kein Flüchtling soll sich entmündigt oder bedrängt fühlen. Daher wolle sie die potenziellen Helfer erst einmal kennenlernen, wofür ihr schlicht die Zeit fehle. So habe sie schon einige Leute vergrault, befürchtet sie.

 Mohammed hofft nicht nur auf sein Studium. Seit über zwei Jahren hat er seine Frau nicht gesehen. Sie ist noch in Syrien. So bald wie möglich will sie zu ihrem Mann nach Deutschland kommen und ebenfalls studieren. Dafür hat sie ihren Sprachkurs bereits gemacht.

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