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Radel gegen die Krankheiten der Armen

Pedale 2017 Radel gegen die Krankheiten der Armen

Es sind die Krankheiten der Armen zwischen Pakistan und Brasilien: Lepra und Tuberkulose. Unbehandelt führen sie zu schlimmer Verstümmelung oder sogar zum Tod. Marlene Fröhlich aus Melsdorf trommelt seit Jahren mit der Benefiz-Radtour Pedale für Unterstützung. Am Sonnabend war Start in Kronshagen.

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Radeln gegen die Krankheiten der Armut: Die erste Gruppe startete am Sonnabend vom Rathaus Kronshagen.

Quelle: Torsten Müller

Kronshagen. Als Leiterin der Kieler Aktionsgemeinschaft der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) lud Marlene Fröhlich bereits zum 16. Mal zur Pedale ein.

Dunkle Wolken am Himmel über dem Rathaus. Rainer Böttcher aus Kronshagen kann das nicht schrecken. „An Fahrten bei schönem Wetter erinnert man sich doch kaum. Regen schweißt zusammen wie vor zwei Jahren, als wir bei einem Bauern in Achterwehr Unterschlupf fanden.“ Für ihn hat die 20 bis 60 Kilometer lange Radtour, bei der für jeden Kilometer ein Euro gespendet wird, noch eine andere Dimension: „Afrika darf nicht der verlorene Kontinent sein. Uns geht’s schließlich gut.“

Nicht weit vom Startpunkt entfernt, im Hasselkamp, war die heutige Kieler Aktionsgruppe vor fast 40 Jahren von Dr. Wilhelm Schulze und seiner Frau Gisela gegründet worden. Der Marinearzt hatte nach seiner Pension in Bisidimo acht Jahre lang das erste Lepra-Hospital in Äthiopien geleitet. Die Erfahrungen veranlassten ihn, die Hilfe nach seiner Rückkehr auf andere Art fortzusetzen. 1989 übernahm Marlene Fröhlich seine ehrenamtliche Arbeit.

„Die Krankheiten der Armen, von Lepra bis zu Wurmerkrankungen, sind in Europa gar nicht mehr bekannt. Viele fragen sich, gibt es Lepra überhaupt noch? - und stellen die Spenden ein“, sagt die Vorsitzende. Mit den Radtouren hat sie bisher weit über 30000 Euro eingesammelt. Unterstützung gibt es auch vom kirchlichen Birgitta-Thomas-Haus in Kiel-Mettenhof, dem zweiten Start- und Endpunkt der Tour.

Jürgen Belker-van den Heuvel, Referent des DAHW-Bundesverbandes in Münster, sieht keinen Anlass für eine Entwarnung. Im Gegenteil. „Bei der Tuberkulose gibt es weltweit zehn Millionen Neuerkrankungen im Jahr“, sagt er. Bei der Lepra, die nicht zum Tod, aber zu schweren Verstümmelungen und sozialen Ausgrenzungen führe, seien es allein in Indien 100000 pro Jahr. „Selbst in Brasilien gibt es unter den Armen vor allem in Norden bis zu 30000 Neuerkrankungen, die aber ignoriert werden“, erläutert der Referent. Um Touristen nicht abzuschrecken, habe Lepra in Brasilien den harmlosen Namen Hansenasa erhalten.

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Ein Artikel von
Torsten Müller
Redaktion Holsteiner Zeitung

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