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Der Marder hat das Loch gefunden

Pfusch am Bau Der Marder hat das Loch gefunden

Dachdecker vergaßen vor sechs Jahren zwei Walmglocken am First des neuen Hauses von Inge und Eckhard Behling aus Langwedel. Aufmerksam wurde das Ehepaar darauf, als ein Marder unerwünscht einzog. Weil die Baufirma nicht reagierte, wandten sich die Behlings an die KN-Leseranwältin.

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Als Inge Behling (74) das Haus vor sechs Jahren einzugsfertig übergeben wurde, hatten die Dachdecker vergessen, zwei Walmglocken am First einzubauen. Ein Marder-Kammerjäger entdeckte die Öffnungen, duch die Wasser und Schädlinge ins Haus eindrangen.

Quelle: Beate König

Langwedel. Ein Marder-Kammerjäger machte Inge Behling vor sechs Wochen auf einen Baufehler an ihrem Haus in Langwedel aufmerksam: Zwei Walmglocken am Dachfirst fehlen. Als nach mehrmaligem Nachfragen bei der Owschlager Baufirma keine Reparatur erfolgte, wurde die Hausbesitzerin sauer und wendete sich an Marion Neumann-Neurode, die Leseranwältin der Kieler Nachrichten.

2010 hatten Inge (74) und Eckhard (76) Behling das Walmdachhaus an der Nortorfer Straße neu gebaut. Seitdem könnten durch die Lücke im Dach Schädlinge und Wasser eindringen, erklärte ihnen der Kammerjäger. „Ein Laie kann nicht erkennen, dass die Elemente im Dach fehlen“, so Inge Behling. Die Dachkanten sehen von außen komplett aus.

Der Bauunternehmer aus Owschlag reagierte auf den ersten Telefonanruf seiner Kunden am 2. August: Mitarbeiter machten am 5. August Fotos vom Dach. Er legte den Behlings eine Rechnung des von ihm 2010 beauftragten Dachdeckerunternehmens vor, in der der Einbau der Walmglocken als Posten aufgeführt war. Dann meldete sich das Unternehmen trotz mehrfacher Anrufe der Behlings nicht mehr. Inge Behling beharrt jedoch darauf: „Wir haben für den Einbau bezahlt, er ist auf der Rechnung ausgewiesen.“

„Den nachträglichen Einbau hätte das Paar vor Gericht nicht mehr einklagen können“, erläuterte dazu Oliver Brosius von der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen. „Laut Baugesetzbuch läuft nach fünf Jahren die Frist ab, in der Bauunternehmer Mängel beseitigen müssen.“ Sein Rat, wenn Häuslebauer Fehler am Dach entdecken: Über den Landesinnungsverband des Dachdeckerhandwerks einen Gutachter einschalten. Für Baumängel am Haus empfiehlt er, einen Gutachter über die Architekten- und Ingenieurkammer in Kiel zu holen. „Das Gutachten muss gerichtlich belastbar sein.“ Die Arge sei nicht vornehmlich für die Beratung bei Baumängeln zuständig.

„Solche Fälle sind eher die Regel als die Ausnahme“, so Vivien Rehder vom Verbraucherschutz Schleswig-Holstein. Sie rät, sich schon in der Planungsphase beim Verbraucherschutz beraten zu lassen. „Die Bauwirtschaft ist ein heißes Pflaster. Auf einer Baustelle arbeiten viele Gewerke nebeneinander, Pfusch am Bau passiert ständig.“ Der Berater geht alle Unterlagen bis ins Detail durch. „Sich da reinzufuchsen, das kann eigentlich kein Laie.“ Eine Beratung kostet derzeit 220 Euro.

Die Behlings hatten Glück. Obwohl die Einspruchsfrist für sie 2015 abgelaufen war, meldete sich das Bauunternehmen. Genau am Tag, als die Fotos für diesen Artikel gemacht wurden, kamen ohne vorherige Terminabsprache Mitarbeiter des Unternehmens zur Reparatur.

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