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Kirche mit Herz wird 50

St. Jürgen in Rendsburg Kirche mit Herz wird 50

Die evangelische Kirchengemeinde St. Jürgen in Rendsburg feiert am Sonntag ihr 50-jähriges Bestehen. Bis zu 12.000 Gläubige gehörten in den 1970er Jahre zu ihr. Wegweisend bis heute ist ihr Konzept der offenen Jugendarbeit. Es stammt aus den Anfängen der Gemeinde.

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Michael Schöning (links) und Uwe Söht bereiten die Ausstellung für die Jubiläumsfeier vor.

Quelle: Hans-Jürgen Jensen

Rendsburg. „Unsere Gemeindeglieder fühlen sich wohl in dieser Kirche mit der segnenden Christusfigur über dem Altar“, sagt Claudia Heynen. Die Pastorin teilt sich zurzeit die Arbeit in der Gemeinde mit Dorothea Heiland, die eigentlich pensioniert ist, aber mitarbeitet, weil eine Pfarrstelle vakant ist. Pastoren wie Bodo Oberjat haben St. Jürgen zu dem entwickelt, wofür die Gemeinde noch heute steht.

Posaunenchor und Regenbogen

„Wir müssen die Kirche erlebbar machen“, war Oberjats Grundsatz, als er 1973 in St. Jürgen anfing. „Wir merkten, dass wir die Leute mit dem alten Vokabular nicht mehr erreichten.“ Musik brachte Oberjat in die Kirche, gründete einen Posaunenchor. Die Gruppe Regenbogen brachte mit Jugendlichen moderne Rhythmen ins Gotteshaus, selbst an Kirchentagen spielte sie. Es gab Beatmessen. Oberjat zog mit Jugendlichen ins Elsdorfer Gehege, um Holz für einen Spielplatz zu schlagen. „Die Möglichkeiten waren für einen Pastor sehr reizvoll.“ Für Oberjat war es „die Gemeinde mit Herz, die Leute fanden in die Kirche“.

50 Jahre St. Jürgen feiert die Gemeinde am kommenden Sonntag mit einem Festtag. Den Gottesdienst um 11 Uhr halten Bischof Gothard Magaard, Propst Matthias Krüger sowie die Pastorinnen Claudia Heynen und Dorothea Heiland gemeinsam. Der Bischof wird predigen. Die Orgel spielt - wie seit 26 Jahren - Wilko Schierhorn.

Bischof Magaard lobt den Einsatz seit 50 Jahren: „Unverändert geblieben ist über all die Jahre hinweg das Engagement für das Zusammenleben der Menschen in diesem Stadtteil, auch über die Grenzen der Konfessionen und Nationalitäten hinweg.“

Ausstellung mit Bildern und Dokumenten

Oskar Bentzien, Michael Schöning und Uwe Söht haben Bilder und Dokumente für eine Ausstellung der Kirchengeschichte zusammengetragen. Sie zeigen die Grundsteinlegung, Blicke in den Stadtteil Rotenhof und die alte Kirche neben dem heutigen Jugendzentrum, die Filiale der Christkirche war. 250 Menschen passten dort hinein, sie saßen auf Stühlen, sagt Uwe Söht. Es wurde zu eng. Und so plante die Gemeinde ab Ende der 1950er Jahre den Neubau wenige Schritte entfernt - ein Gotteshaus mit Platz für 400 bis 500 Menschen, die auf Kirchenbänken saßen.

Dabei ist die Geschichte von St. Jürgen immer auch die Geschichte von Mastbrook und Rotenhof. Die Quartiere expandierten. Soldaten zogen in die damalige Rüdelkaserne. Inzwischen leben besonders viele arme Familien in der Umgebung der Kirche. Ihren Kindern bot die Gemeinde jahrelang Stadtranderholung auf dem Heidberg. Propst Matthias Krüger: „Grade in diesem Stadtteil ist die sozialdiakonische Arbeit, die nah bei den Menschen geleistet wird, von großem Wert.“ Pastorin Claudia Heynen: „Wir wollen Kirche nah bei den Menschen sein.“

Wegweisende Jugendarbeit

Es werden aber weniger. Die Bundeswehr hat die Kaserne geräumt. Menschen kehren der Kirche den Rücken. Muslime sind ins Viertel gezogen. Heute gehören den Angaben zufolge rund 5000 Gläubige zu St. Jürgen. In den 1970er Jahren waren es mehr als doppelt so viele.

Zu den Konstanten gehört die Jugendarbeit. Werner Schlenzka vom Kirchengemeinderat sagt: „Die offene Kinder und Jugendarbeit führen wir heute noch fort. Das ist nicht Schnee von gestern. Es ist der selbe Ansatz wie in den Anfangsjahren.“

Die offene Jugendarbeit entwickelte die Gemeinde Ende der 1960er Jahre: Kein festes Programm, keine Organisation, keine verbindliche Anmeldung. Das war neu und wegweisend. Werner Schlenzka: „Wir wollten alles tun, um die Jugend von der Straße zu holen.“ Die Idee lebt weiter im Jugendzentrum A4, das die Gemeinde mit Hilfe der Stadt betreibt.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Jensen
Holsteiner Zeitung

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