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Flohmarkt im Museum

Rendsburg Flohmarkt im Museum

Zwei Stapel Karl-May-Bücher thronen auf  drei Tischen mit Titeln wie Das Recht des Tanzlehrers, Warum Frauen schneller frieren oder Knaurs Lexikon der modernen Kunst.Daneben ein Sparschwein, Buch gegen Spende: Im Historischen Museum in Rendsburg ist noch diesen Sonntag Flohmarkt, Eintritt frei.

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Buch gegen Spende ins Sparschwein. Wenn genug Geld zusammenkommt, will das Museum den Flohmarkt wiederholen.

Quelle: Hans-Jürgen Jensen

Rendsburg. Sporadisch hat Museumsleiter Martin Westphal die 5000 bis 6000 Bücher in den insgesamt 60 Meter langen Regalen in der zweiten Etage des Historischen Museums im letzten Jahr durchforstet und aussortiert, was doppelt und dreifach war. Oder einfach nicht in die Sammlung passte wie die Chronik der Stadt Minden oder der Bildband über den Künstler Otto Dix. Dazu packte er 25 Werke von Karl May von Old Shurehand über In den Schluchten des Balkan bis Der blaurote Methusalem. Karl May im Fundus des Historischen Museums? Ja, grinst Westphal, ein- bis zweimal im Jahr finden sie morgens Umzugskartons mit Büchern vor dem Eingang. Zum Flohmarkt-Angebot gehören außerdem Ausstellungskataloge und Buchgeschenke von Kollegen.

Zu den ersten Interessenten gehörte am Sonnabend Horst Pötter. Der Pensionär aus Owschlag wurde schnell fündig: Das witzigste Vorlesebuch der Welt hält er in den Händen, herausgegeben von Jürgen von der Lippe. Das könnte etwas für seine Enkel sein, fand der Owschlager und entdeckte beim Blättern Texte des Kolumnisten Harald Martenstein. Pötter strahlte: „Der hat ne pfiffige Art sich auszudrücken.“ Schnell steckte der Owschlager Münzen ins Porzellanschwein, und schon war das Buch seines.

Zunächst ist der Flohmarkt ein Versuch, sagt Westphal. „Wir probieren das aus.“ Bilanz will der Historiker am Dienstag ziehen. „Ich bin selbst gespannt.“ Der Flohmarkt im Museum ist an diesem Sonntag noch einmal von 10 bis 17 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.

Vom Erlös will der Museumschef die Weihnachtsfeier der ehrenamtlichen  Drucker und Setzer finanzieren, die regelmäßig  die alten Maschinen des Druckmuseums im Erdgeschoss anwerfen und Besuchern zeigen, wie alte Technik funktionierte. Zu der Truppe gehören Leute wie der ehemalige Drucker Thomas Klimas und der Pensionär Max Kluth.

Am Sonnabend standen die beiden an der mächtigen Kreisbewegungsmaschine von Koenig & Bauer, dem fast 140 Jahre alten Prunkstück der Sammlung. „Ein bisschen Nostalgie“ wollen sie verbreiten, sagte Thomas Klimas und „im heutigen Computerzeitalter den Menschen zeigen wie früher gearbeitet wurde“. „Und was alles verloren gegangen ist“, ergänzte Max Knuth zum Rattern der alten Druckmaschine.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Jensen
Holsteiner Zeitung

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