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Flüchtlinge stürmen Deutschkurse

Volkshochschule Rendsburg Flüchtlinge stürmen Deutschkurse

Syrer, Iraker, Iraner, Afghanen, Eritreer: Die Volkshochschule in Rendsburg erlebt derzeit einen bisher nicht gesehen Ansturm von Flüchtlingen auf ihre Deutschkurse. Erstmals muss die VHS sogar Wartenummern für die Beratung ausgeben.

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Der Andrang ist so groß, dass die VHS Wartenummern für die Beratung ausgibt.

Quelle: Jörg Wohlfromm

Rendsburg. Die Volkshochschule in Niederen Arsenal am Rand des Stadtparks gerät an ihre Grenzen. So groß war der Andrang von Flüchtlingen, die Deutsch lernen und sich hier integrieren wollen, noch nie. Erste Hürde für die Asylbewerber ist die Beratung, zweimal die Woche, dienstags und donnerstags ab 15 Uhr.

Wieder sind an diesem Dienstagnachmittag alle Stühle im Wartebereich der VHS besetzt. Lea Wagner hat Nummern ausgegeben, weiße Ziffern, die auf blaue Chips gestanzt sind. Rainer Nordmann, dem Leiter der Volkshochschule ist das fast peinlich: „Ich hätte als VHS-Mensch nie gedacht, dass ich mal Nummern verteile.“ Die ersten Wartenden werden schon unruhig. Da öffnet sich die Tür, und heraus tritt Tobias Aust. Der freundliche Mann mit Bart und Brille, in Jeans und blauem Pullover mit Zopfmuster ist einer von drei VHS-Beratern, die Flüchtlingen durchs Dickicht von Formularen helfen.

"Da schleichen sich Fehler ein..."

Nicht immer haben Aust und seine Kollegen Zeit für alle, die gekommen sind. Sie müssen Flüchtlinge wieder wegschicken und auf den nächsten Termin vertrösten, statt sofort Genehmigungsformulare auszufüllen und sie in Deutschkurse einzuschreiben. „Es ist nicht schön. Wir würden uns wünschen, dass wir jeden beraten können. Aber nach der sechsten oder siebten Beratung kann man nicht mehr klar denken. Da schleichen sich Fehler ein. Man muss sich auf jeden Flüchtling konzentrieren.“

Etwa eine Stunde brauchen Beratung und anschließende Einstufung in einen der nach sechs Schwierigkeitsgraden gestaffelten Deutschkurse, sagt Aust, ein ausgebildeter Lehrer und bei der VHS Spezialist im Umgang mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Manchmal sei das Beratung wie am Fließband. „Der Begriff Fließband tut mir weh“, sagt Rainer Nordmann. „Der Anspruch ist ein anderer, nämlich individuelle Beratung. Diesen Anspruch erfüllen wir noch.“

Zahl hat sich verdoppelt

Der VHS-Leiter nennt jedoch Zahlen, die das steigende Dilemma verdeutlichen: Seit Anfang des Jahres habe sein Haus rund 80 Flüchtlinge in Deutschkurse eingeschrieben, zumeist sind das Asylbewerber, die eine Aufenthaltsgestattung haben. Weitere 70 stehen auf Wartelisten, zumeist Afghanen, denen auch ein vorübergehendes Bleiberecht nichts nutzt, weil sie keine „gute Bleibeperspektive“ haben. Zurzeit besuchen wöchentlich rund 250 Flüchtlinge VHS-Deutschkurse. „Solche Zahlen hatten wir noch nie“, sagt Nordmann. Denn seit 2013 klettert die Zahl der Flüchtlinge pro Jahr, die die VHS unterrichtet. Waren es anfangs 600, so hat sich die Zahl bis zum vergangenen Jahr auf 1 200 verdoppelt. In diesem Jahr rechnet Nordmann gar mit insgesamt „1500 bis 1800“. Der VHS-Chef sagt: „Wir sind an der Grenze.“

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Jensen
Holsteiner Zeitung

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