27 ° / 11 ° heiter

Navigation:
Maut unterm Nord-Ostsee-Kanal

Rendsburg Maut unterm Nord-Ostsee-Kanal

Im Stau stehen und auch noch zahlen: Seit dem 1. Juli ist der Kanaltunnel in Rendsburg für Lkw mautpflichtig. Der Protest ist laut. Verstößt die Tunnelmaut gegen Recht?

Voriger Artikel
Abschied nach 21 Jahren
Nächster Artikel
Kinder planen Ersatz-Spielplatz

Schwere Lkw müssen jetzt im Kanaltunnel in Rendsburg Maut zahlen.

Quelle: Jörg Wohlfromm

Rendsburg. Jörg Harder ist stinksauer. Der Unternehmer beliefert täglich im Raum Rendsburg Baustellen mit Kies. Stammsitz seiner Firma mit 38 Beschäftigten ist Westerrönfeld auf der Südseite des Kanals. Bei Fockbek auf der Nordseite hat Harder eine große Kiesgrube.

Die Bundesstraße 77 mit dem Kanaltunnel - „das ist unsere Hausstrecke“, sagt Jörg Harder. An manchen Tagen fahren drei bis vier Kieslaster bis zu 15 Mal durch den inzwischen mautpflichtigen Tunnel, rechnet er vor.

Harder: „Das Stehen im Stau vor dem Tunnel kostet schon. Das sind ja Lenkzeiten. Und jetzt kommen durch die Maut noch Kosten obendrauf. Langsam reicht das. Das sind wieder einmal Knüppel zwischen den Beinen - unfassbar.“

Keine Maut im Tunnel: „Das ist eine prinzipielle Frage“, sagt der Bundestagsabgeordnete Johann Wadephul (CDU). Die rund viereinhalb Kilometer lange Strecke zwischen Rendsburg-West/Höhe Fockbeker Chaussee und Rendsburg-Süd/Westerrönfeld müsse kostenfrei sein. Maut auf der Strecke „kann man nicht achselzuckend hinnehmen.“ Das gelte auch für die Kanalbrücken der Bundesstraße 5 bei Brunsbüttel und der Bundesstraße 76 in Kiel.

Die Bundesanstalt für Straßenwesen in Bergisch Gladbach bestätigt, im Tunnel, bei Brunsbüttel und in Kiel müssen Lkw seit dem 1. Juli Maut zahlen.

Wadephul beruft sich auf einen alten Vertrag des Deutschen Reichs, das vor dem Bau des Kanals zugesichert habe, dass als Ersatz für durchtrennte Straßen und Wege alle Kanalquerungen kostenfrei seien. Diese Pflicht sei bundesweit einmalig, die Bundesrepublik habe sie als Rechtsnachfolgerin übernommen. Darauf habe er das zuständige Bundesverkehrsministerium hingewiesen. „Das hat Überraschung ausgelöst. Ich glaube, die haben das übersehen.“

Auch nach Ansicht von Martin Westphal, dem Leiter des Historischen Museums in Rendsburg, fällt der erst in den 1950er Jahren gebaute Tunnel unter den Vertrag. Der Tunnel sei Nachfolger zweier Drehbrücken, die einen alten Verbindungsweg ersetzten.

Die Maut auf deutschen Straßen regelt ein Wortungetüm namens Bundesfernstraßenmautgesetz vom 19. Juli 2011. Dieses machte zuletzt rund 1200 Kilometer Bundesstraßen für schwere Lkw kostenpflichtig. Vorher mussten die Laster nur auf Autobahnen Gebühren zahlen.

Zum 1. Januar 2015 hat der Bund die Maut gesenkt. Das Bundesverkehrsministerium errechnete eine Einnahmelücke von 460 Millionen Euro als Folge. Um sie zu schließen, gilt die Maut seit dem 1. Juli auf weiteren 1100 Kilometern Bundesstraßen, soweit sie vierspurig sind. Zum Beispiel auf der Bundesstraße 77 zwischen Rendsburg-West und Jevenstedt.

Zurzeit müssen nur Laster ab zwölf Tonnen zahlen. Das soll sich zum 1. Oktober ändern. Dann sollen auch 7,5-Tonner mautpflichtig sein. Je nach Zahl der Achsen und Schadstoffklasse werden bis zu knapp 22 Cent pro Kilometer fällig.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Hans-Jürgen Jensen
Holsteiner Zeitung

KSV-Liveticker!

KSV-Spielstand online
verfolgen, mit dem
KN-KSV-Liveticker

THW-Liveticker!

Alle THW-Spiele live
online verfolgen. Mit
dem THW-Liveticker

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Rendsburg 2/3