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Kurdischer Schneider hilft beim Nähen

Rendsburg Kurdischer Schneider hilft beim Nähen

Im Nähcafé im Familienzentrum Nobiskrug in Rendsburg bringt ein aus Syrien geflüchteter Kurde Deutschen und Flüchtlingen jeden Dienstagnachmittag Tricks und Kniffe bei. Denn Sharhbil Alanmad Alhassan ist gelernter Schneider. In seiner Heimat hatte der 36-Jährige eine eigene Schneiderei.

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Schneider Sharhbil Alanmad Alhassan aus Syrien hilft Ilham Alkalo aus Syrien beim Nähen.

Quelle: Jörg Wohlfromm

Rendsburg. Im Raum am Ende des Flurs im ersten Obergeschoss der Schule Nobiskrug rattern Nähmaschinen. Junge Frauen reparieren Jeans, nähen Blusen und Vorhänge. Sie kommen aus Syrien, dem Irak und Kurdistan. „Sie wollen raus aus ihren vier Wänden und etwas produzieren“, sagt die gebürtige Tunesierin Dhaouia Ben Mustapha, die als Angestellte des Diakonischen Werks des Kirchenkreises das Projekt begleitet. Bis zu zu zwölf Frauen und Männer kommen zu den Terminen, sagt sie.

Das Internationale Nähcafé ist jeden Dienstag von 15 bis 17.30 Uhr offen. An insgesamt acht Nähmaschinen können die Besucher arbeiten. Drei sind eine Dauerleihgabe des Vereins w.i.r., einer Flüchtlingshilfe für Rendsburg und Umgebung. Die anderen Maschinen sind Spenden von Privatleuten, sagt Dhaouia Ben Mustapha, die beim Diakonischen Werk als Projektkoordinatorin arbeitet und unter anderem eine Willkommensinitiative für Flüchtlinge betreut.

Aus auf dem Boden stehenden Kartons und Plastikboxen quellen im Nähzimmer in der Schule Nobiskrug Wollknäuel und bunt bedruckte Stoffe. Konzentriert sitzen Frauen an ihren Maschinen, eine Küchenzeile mit Kühlschrank im Rücken. Wenn sie zwischen Schneiderlineal und Nähfuß hochschauen, blicken sie auf eine rot gepolsterte Sitzecke für den Plausch zwischendurch. Am Kopfende der Tischreihe steht Sharhbil Alanmad Alhassan im orangefarbenen T-Shirt, Brille auf der Nase, Zentimeterband um den Nacken. 

Seit eineinhalb Jahren lebt er in Rendsburg, sagt der Kurde mit den kurz geschnittenen schwarzen Haaren. 20 Jahre lang habe er in Syrien als Schneider gearbeitet. „Es macht Spaß, den Menschen hier zu helfen“, sagt er und hilft beim Einfädeln eines Fadens. Er habe sich danach gesehnt, hier wieder an einer Nähmaschine zu arbeiten. Sharhbil Alanmad Alhassan ist der Initiator des vor zwei Monaten gestarteten Nähcafés.

„Wir wünschen uns auch, dass mehr Deutsche den Weg zu uns finden“, sagt die Tunesierin Dhaouia Ben Mustapha. Wie bestellt erscheint die Büdelsdorferin Simone Kähler mit ihrer Tochter Emely. In einem Koffer hat Emely eine Kindernähmaschine. „Meine Tochter würde gerne nähen mit ihrer Nähmaschine. Ich selbst habe das nie gelernt.“ Da hilft der gelernte Schneider Sharhbil Alanmad Alhassan gern. Emely hat unter seinen Augen schon Topflappen, Armbänder und ein Halstuch genäht. 

Kinder seien jederzeit willkommen, sagt Dhaouia Ben Mustapha, die das Projekt im Familienzentrum begleitet. Wenn sie nicht selber nähen wollen, sei für Betreuung gesorgt.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Jensen
Holsteiner Zeitung

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