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Er hat Spuren hinterlassen

Rendsburg Er hat Spuren hinterlassen

Aus der Bildungslandschaft in Schleswig-Holstein ist er nur schwer wegzudenken: Professor Lothar Francke aus Rendsburg gehört zu den Gründervätern der Fachhochschule in Kiel. An diesem Dienstag feiert der promoviere Jurist seinen 80. Geburtstag.

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Professor Lothar Francke feiert seinen 80. Geburtstag.

Quelle: Hans-Jürgen Jensen

Rendsburg. Er gehörte in den 70er Jahren zu den Gründervätern der Fachhochschule in Kiel, und gleichzeitig hat er mit Erfolg dafür gekämpft, dass der Fachbereich Landwirtschaft in Osterrönfeld nicht in die Zentrale nach Kiel umziehen musste: Professor Lothar Francke hat in der Bildungslandschaft in Schleswig-Holstein tiefe Spuren hinterlassen. An diesem Dienstag wird der promovierte Jurist 80 Jahre alt. Francke lebt in Rendsburg im ruhigen alten Viertel Hoheluft.

Ruhig mochte es Francke nie. Nicht vor seiner Pensionierung vor 20 Jahren und auch nicht danach. „Ich bin nicht der Typ, der ’rumsitzen kann, das ist nicht mein Ding.“ Und: „Ich hatte immer Kontakt zu jungen Leuten.“ Das habe ihn jung und geistig fit gehalten. Er habe einfach „nicht verblöden“ wollen. Auch deshalb hat sich Francke neben seinem Beruf und nach der Pensionierung immer ehrenamtlich engagiert.

In den 50er Jahren hat sich Francke in Rendsburg für die Städtepartnerschaft mit dem französischen Vierzon stark gemacht und hat 40 und 50 Jahre später bei Jubiläumsveranstaltungen als einer der letzten Zeitzeugen Festvorträge gehalten. In den 60er und 70er Jahren setzte er sich für einen Kindergarten in der Parksiedlung ein und kämpfte dort mit einer Bürgerinitiative gegen hohe Heizkosten. Und immer war er in den Prüfungsausschüssen der Industrie- und Handelskammern in Schleswig-Holstein aktiv, meist als deren Vorsitzender. Der Jurist Francke hat Ratgeber für Rechtsfragen geschrieben und Gutachten erstellt.

Der Rendsburger verdiente sich sein Studium nach dem Abitur an der Herderschule in der Ahlmann-Carlshütte und bei der Baufirma Claus Wieben. „Hier lernte ich die Arbeitswelt hautnah kennen.“ Bis Ende der 60er Jahre war er Studienrat an der Kreisberufsschule an der Kieler Straße. Dann baute er die Wirtschaftsakademie als erste staatlich anerkannte private Fachhochschule für Wirtschaft auf und arbeitete dort als Dozent. Bis zur Pensionierung vor 20 Jahren lehrte er Wirtschafts- und Arbeitsrecht an der Fachhochschule Kiel. Damit er den Kontakt zur Praxis nicht verliert, gab er daneben Fortbildungsseminare für Personalchefs, Makler und Hausverwalter.

Dabei war das alles eigentlich zweite Wahl. Der Traum seiner Kindheit: „Eigentlich wollte ich Apotheker werden und die 600 Jahre alte Löwenapotheke unserer Familie in der Innenstadt von Leipzig übernehmen. Doch der Krieg zerstörte das Barockhaus. Und dann kam die DDR.“ Dem Traum ist er vor wenigen Jahren auf ganz andere Weise nahe gekommen. Da schrieb der Rendsburger eine Familiengeschichte, für die er in alten Kirchenbüchern und Stadtarchiven in Leipzig und Eisleben stöberte. Er fand Spuren bis zurück ins Jahr 1680.

Bis vor kurzem veröffentlichte Francke noch Beiträge in juristischen Fachzeitschriften, und er bereicherte die Jahrbücher der Gesellschaft für Stadt- und Kreisgeschichte. Sein Thema im vergangenen Jahr: Rendsburg – ein zentraler Mittelpunkt kirchlichen Geschehens.

Inzwischen lassen die Augen nach, und der Rendsburger entspannt bei Spaziergängen und Radtouren. Geistig fit halten ihn auch Streitgespräche mit seiner 15 Jahre alten Tochter. „Das macht mir richtig Spaß.“

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Jensen
Holsteiner Zeitung

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