21 ° / 16 ° wolkig

Navigation:
Todesschüsse im Finanzamt

Rendsburg Todesschüsse im Finanzamt

Tödliches Drama im Rendsburger Finanzamt: Wegen eines Steuerstreits hat ein 55-Jähriger gestern Vormittag einen Sachgebietsleiter der Behörde mit zwei Schüssen getötet. Der Schütze, der legal im Besitz von Waffen war, wurde festgenommen.

Voriger Artikel
Trauer nach Todesschüssen
Nächster Artikel
Brief vom Todesschützen gefunden

Polizeigroßeinsatz beim Finanzamt in Rendsburg: Am Vormittag hat es eine Schießerei gegeben.

Quelle: Wohlfromm

Rendsburg. Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) eilte nach dem Verbrechen an den Tatort. Sie versprach, die Sicherheitsvorkehrungen in Ämtern überprüfen zu lassen. Der verhängnisvolle Vorfall ereignet sich kurz nach 10 Uhr im Erdgeschoss des Rendsburger Finanzamtes. Der 55-jährige Olaf L. aus Fockbek fordert vehement ein Gespräch mit dem Sachgebietsleiter Wolfgang B. Der 58-Jährige empfängt den Rollstuhlfahrer. Zeugen berichten von einer kurzen, lautstarken Auseinandersetzung. Augenblicke später fallen Schüsse. Mitarbeiter alarmieren die Polizei. Minuten später treffen die ersten Beamten ein. „Der Tatverdächtige ist leicht verletzt festgenommen worden“, berichtet Rainer Wetzel von der Polizeidirektion in Neumünster. Mit dem Rettungswagen wird das Opfer ins Krankenhaus gebracht, stirbt dort aber wenig später.

Tödliche Schüsse: Ein Mitarbeiter des Finanzamtes in Rendsburg ist heute Morgen in seinem Büro von einem aufgebrachten Kunden erschossen worden. Der Schütze wurde leicht verletzt.

Zur Bildergalerie

Die Polizei will sich zu Details nicht äußern. Nach Informationen unserer Zeitung war der mutmaßliche Täter bereits einschlägig als „Beschwerdeführer“ beim Rendsburger Finanzamt bekannt. Immer wieder habe es Konflikte mit dem Steuerberater gegeben. Anlass des jüngsten und letztlich tödlichen Konflikts soll der Vorwurf des 55-Jährigen gewesen sein, Mitarbeiter der Behörde hätten sich gegenüber Klienten negativ über ihn geäußert. Olaf L. ist in der Region bekannt. 2013 hatte er sich für die FDP um das Bürgermeisteramt in Fockbek beworben. In der Kommunalpolitik gilt er als streitbar. Seit einem Unfall sitzt er im Rollstuhl.
Beamte der Polizei durchsuchten nach der Bluttat das Wohnhaus des mutmaßlichen Todesschützen. Bis zum späten Nachmittag waren Spezialisten der Spurensicherung am Tatort im Einsatz. Die Tatwaffe, eine Pistole der Marke Beretta 7/65, wurde bei dem Schützen im Finanzamt sichergestellt. Nach KN-Informationen ist Olaf L., der einen Jagdschein hat, legal im Besitz von insgesamt sechs Gewehren und einer Kurzwaffe gewesen.
Wie der Tatverdächtige war auch das Opfer politisch aktiv. In seiner Heimatgemeinde Groß Vollstedt engagierte sich Wolfgang B. in der kommunalen Wählergemeinschaft. Bekannte beschreiben den Finanzbeamten als couragiert. Die Mitarbeiter im Rendsburger Finanzamt stehen unter Schock. Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams sind seit gestern Mittag im Einsatz. Am Dienstag bleibt die Behörde geschlossen.
Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) reagierte bestürzt. „Ich bin erschüttert, dass Gewalt in das Leben eines friedlichen Menschen eingebrochen ist. Meine Gedanken sind bei seiner Familie“, erklärte er. Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) war unmittelbar nach Bekanntwerden an den Tatort geeilt und sagte der Familie des Opfers und den Mitarbeitern ihre Hilfe zu. Noch am Nachmittag kündigte Heinold an, die Sicherheitsstandards aller Ämter überprüfen zu lassen.
Eine sinnvolle Maßnahme, befindet Karl-Hermann Rehr. Der Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft der Polizei (GdP): „Überall, wo Mitarbeiter von Behörden in das Leben von Menschen eingreifen können, muss über spezielle Schutzmaßnahmen nachgedacht werden.“

In deutschen Behörden gab es schon häufiger Vorfälle, bei denen wütende Kunden auf Mitarbeiter losgingen und sie verletzten, bisweilen sogar töteten. Rehr: „Hier steht der Dienstherr aus Fürsorge-Aspekten in der Pflicht.“
Bislang hat sich Olaf L. nicht zu der Bluttat geäußert. „Wir gehen nach derzeitigem Stand von einem Mord aus“, so der Kieler Staatsanwalt Axel Bieler. Am Dienstag soll der Beschuldigte dem Haftrichter vorgeführt werden.

Am Dienstag ist laut der Nachrichtenagentur dpa ein Brief des Todesschützen aufgetaucht. In dem Schreiben soll der 55-jährige Steuerberater die Behörde für seine finanzielle Misere verantwortlich gemacht haben. Mit drastischen Worten habe er das Finanzamt attackiert. Ob der Steuerberater, der als Jäger mehrere Waffen besaß, die Gewalttat in dem Schreiben angekündigt hat, blieb zunächst offen. Der Brief wurde im Privathaus des mutmaßlichen Täters in Fockbek gefunden. Adressiert ist der Brief an seine von ihm getrennt lebende Ehefrau.

Von Bastian Modrow, Malte Kühl und Hans-Jürgen Jensen

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr zum Artikel
Rendsburg
Foto: Im Rendsburger Finanzamt stirbt ein Angestellter nach zwei Schüssen.

Nach den tödlichen Schüssen auf einen Sachgebietsleiter im Rendsburger Finanzamt soll der 55-jährige Tatverdächtige am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Am Montagabend hatte sich der Beschuldigte noch nicht zu der Bluttat geäußert. Die Staatsanwaltschaft geht bislang von geplantem Mord aus. Das Finanzamt bleibt am Dienstag geschlossen. Die Mitarbeiter werden psychologisch betreut.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr