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Wie sich Eberhard Goll zurückkämpfte

Rendsburg Wie sich Eberhard Goll zurückkämpfte

Eberhard Goll: Die Familie hatte ihn vor drei Jahren fast aufgegeben. Doch der ehemalige Bürgervorsteher von Rendsburg hat sich mit großer Energie nach einem schweren Schlaganfall zurück ins Leben gekämpft - mit Hilfe seiner Frau und trotz eines schlimmen Rückfalls.

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Auch im Sitzen will Eberhard Goll sich bewegen.

Quelle: Hans-Jürgen Jensen

Rendsburg. Wie geht es Eberhard Goll? Rendsburger fragen das oft auf der Straße. Goll gehört zu den bekannten Menschen der Stadt. Der heute 75-Jährige war fast drei Jahrzehnte in der Ratsversammlung, fünf Jahre Bürgervorsteher, zwölf Jahre Caritas-Direktor auf Landesebene, Präsident im Lions Club. Seit den 1980er Jahren ist er im Vorstand seiner katholischen Kirchengemeinde St. Martin. In seiner Altstädter Vogelschützengilde war er König, Marschall, Major, Schreiber und Leutnant. Am Dienstag nach Pfingsten will er wieder bei der Gilde sein. Aber auch mitmarschieren? Das geht nicht mehr. 

Goll weiß: Er muss sich bewegen. Daher steht unter dem Wohnzimmertisch ein Heimtrainer mit Fahrradpedalen. In die tritt Goll im Sitzen. Bisweilen steht das Gerät auch auf dem Tisch, für das Training der Arme. Ums linke Handgelenk trägt der Pensionär einen Schrittzähler. „2256 Schritte heute“, verkündet er stolz an diesem Nachmittag. Die braunen Augen strahlen. An einem anderen Tag hat er 4462 Schritte geschafft. Mal waren es siebeneinhalb Stunden, die er stand oder langsam lief. Mal waren es auch neun und zehn Stunden, die er saß. „So werde ich ständig kontrolliert.“

Rückblende in den Juni 2012. Goll erinnert sich noch genau: „Ich sortierte die Zeitung für die Papierabfuhr.“ Ehefrau Dorothe Goll-Schloss: „Du standest auf und klangst verwaschen.“ Am Vorabend hatte Goll noch Möbel in der Kirchengemeinde geschleppt. Jetzt musste Dorothe Goll-Schloss schnell handeln: Hausarzt anrufen, den Ehemann schleunigst ins Krankenhaus fahren. Die Diagnose der Kieler Neurologie: Einblutung am Hirnstamm. Es folgten Intensivstation, künstliche Ernährung, Luftröhrenschnitt. „Er war abgeschrieben“, sagt Dorothe Goll-Schloss. Der Katholik Goll erhielt das Sterbesakrament. „Das war ihm wichtig.“

Doch Goll kämpfte sich zurück ins Leben. Er lernte, sich mit einem Buchstabenbrett zu verständigen, dann in Therapien das Sprechen und das Schlucken, trainierte Bewegung, stand auf, ging am Rollator, schaffte kurze Spaziergänge mit seiner Frau am Kanal. „Da glaubte ich, die Welt gewonnen zu haben.“ Seine Frau: „Es ging nur aufwärts.“ 

Doch dann der Rückschlag: „Ich flog hin. Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Glatteis“, grinst Goll heute: „Was ich behalten habe, ist der Humor.“ Inzwischen lacht er. Nach dem Sturz aber  die niederschmetternde Diagnose: Lendenwirbelbruch. Wieder gaben die Golls nicht auf. Nach knapp zwei Jahren kann er wieder ein paar Schritte ohne Rollator am Stock gehen. Er besucht Empfänge, ist bei Kirchensitzungen und Zuhörer in der Ratsversammlung. 

Er bleibt auf Hilfe angewiesen. Meist chauffiert ihn seine Frau. „Er hat den Kopf voller Ideen, er möchte immer noch die Welt verändern.“ Mit seiner Energieleistung will Goll Mut machen, „dass es geht, dass man sich nicht aufgibt, dass man sich nicht selbst bemitleidet“. Und: „Man muss bis an die Grenze gehen, sonst bringt das nichts. Ich hätte das nicht gekonnt, wenn ich meine Frau nicht hätte.“

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Jensen
Holsteiner Zeitung

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