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Wind erschwerte die Rettung

Rendsburger Schwebefähre Wind erschwerte die Rettung

Nach der Kollision mit einem Frachter fällt die Rendsburger Schwebefähre wohl bis Jahresende aus. Schwierige Windverhältnisse hatten die Rettung erschwert.

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Die Rettungskräfte tragen den Verletzten Schiffsführer von der Fähre Memel.

Quelle: Malte Kühl

Rendsburg. Die Einsatzkräfte standen vor einer Herausforderung: Fähre „Memel“, die normalerweise am Schiffsanleger Schacht-Audorf verkehrt, beluden die Feuerwehrleute mit zwei Einsatzfahrzeugen. Mit der „Memel“ ging es dann zu der in der Mitte des Kanals hängenden Fähre. „Schwierige Windverhältnisse erschwerten die Rettung zusätzlich“, erläuterte Gerrit Hilburger, Wehrführer der Feuerwehr Rendsburg. Auch Rettungsboote und Taucher hatte Hilburger angefordert, um schnell reagieren zu können, sollte einer der Retter oder der Verletzten im kalten Wasser landen.

 Bis auf wenige Meter näherte sich die „Memel“ der Schwebefähre und über die Drehleiter konnten die Retter etwa eine Stunde nach der Havarie auf das Deck der Schwebefähre kommen und die Verletzten versorgen. Beim Passagier stellten die Retter nur leichte Verletzungen fest. Er hatte beim Unglück laut Polizeiaussage einen Fahrradhelm getragen. Schlimmer sah es bei dem Führer der Schwebefähre aus. Erst nach einiger Zeit war dieser stabilisiert und auf das Deck der Schwebefähre gebracht worden. Schließlich wurde er mit einer Schleifkorbtrage auf die „Memel“ gehoben und mit der Fähre knapp zwei Stunden nach dem Unfall an Land gebracht. Anschließend brachte ihn ein Rettungswagen ins Rendsburger Krankenhaus. Ähnliche Szenarien hatte die Feuerwehr Rendsburg bereits im vergangenen Jahr geübt, erklärte Hilburger.

 Die Schwebefähre selbst blieb als zertrümmertes Wrack zurück. Sofort nach der Havarie war nicht nur der Nord-Ostsee-Kanal gesperrt worden, sondern auch der Bahnverkehr über die Brücke. Nicht ohne Grund: Die Wucht des Aufpralls der Fähre auf den Frachter „Evert Prahm“ war so gewaltig, dass die Fähre wie ein Pendel hin- und her geworfen wurde. Teile des Decks und der Reling der Fähre stürzten in den Kanal. Reste der Treppe zum Fahrstand der Fähre fand die Besatzung des Frachters später bei sich an Deck. Zeugen berichten, dass die Fähre beim Aufprall für einen Moment lang fast quer in der Luft hing. Nur der robusten Aufhängung und der soliden Konstruktion ist es zu verdanken, dass sie nicht abriss und im Kanal versank. „Der Stahl ist weich, deshalb haben wir Glück gehabt und die Fähre ist nicht abgerissen“, sagt auch Mathias Visser vom Wasser- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau.

Viel Geschick gefragt

 Die Kräfte des Aufpralls hoben hoch oben auf der Brücke den mit vier Motoren ausgerüsteten Antriebswagen aus seinen Führungsschienen. Nach der Kollision bliebt die Fähre deshalb fast mittig im Kanal stehen und ließ sich nicht mehr bewegen. Nur mit viel Geschick konnten Lotse und Kanalsteurer den direkt hinter der „Evert Prahm“ folgenden Frachter „Ternland“ stoppen. Da es keine Möglichkeit zum Festmachen gab, manövrierte die Besatzung ihre „Ternland“ mit Maßarbeit an der hängenden Fähre vorbei. Der Frachter „Evert Prahm“ wurde bei der Kollision an der Kommandobrücke getroffen. Lotse und Kapitän konnten sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Hier sehen Sie Bilder von dem Unfall an der Schwebefähre in Rendsburg.

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 Die erste Begutachtung der Fähre durch Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Kiel-Holtenau lässt einen langen Ausfall vermuten. Wann die Fähre wieder fahren kann, steht noch nicht fest. „In diesem Jahr wohl nicht mehr“, so das erste Fazit eines Mitarbeiters gestern Abend. In der nächsten Woche kommen die Gutachter. Dann soll erst entschieden werden, ob eine Reparatur machbar ist. In jedem Fall muss die Fähre aus ihrer Aufhängung genommen und an Land abgesetzt werden. Alle vier Tragseile sowie die acht Spannseile und deren Haltepunkte müssen erneuert werden. Eines der Tragseile ist abgerissen. Die Kommandobrücke und auch die gesamte Elektronik wurden zerstört.

 Die letzten Meter musste die Fähre gestern mit Muskelkraft bewegt werden. Nachdem Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes die Fähre auf die Schienen gesetzt hatten, wurde sie mit Flaschenzügen auf das Südufer gezogen und dort gegen 16 Uhr verankert. Erst danach konnte der Schiffsverkehr wieder freigegeben werden. 14 Frachter und Tanker lagen den Tag über im Kanal fest. Der Zugverkehr sollte am Abend nach dem Abzug der Arbeiter von der Brücke wieder freigegeben werden. An der Brücke hat es keine Schäden gegeben.

 Von Frank Behling und Malte Kühl

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Kommentar

Mit der Frage, was alles hätte passieren können, wenn die Rendsburger Schwebefähre inmitten des Pendler- und Schülerverkehrs verunglückt wäre, mag sich keiner auseinandersetzen. Die Frage, wie es zu dem Zusammenstoß kommen konnte, muss dagegen dringend beantwortet werden.

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