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Ein unverzichtbarer Helfer bei der Suche

Rettungshundestaffel Holstein Ein unverzichtbarer Helfer bei der Suche

Teams aus Hund und Mensch suchen ehrenamtlich nach vermissten oder in Not geratenen Menschen — zu jeder Tageszeit und bei jedem Wetter. Ein Besuch bei der Rettungshundestaffel Holstein.

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Rettungshundeführerin Kirstin Petersen-Pieper trainiert mit dem Trümmersuchhund "Chiuvana" auf dem Gelände des Jugendfeuerwehrzentrums in Rendsburg.

Quelle: Christian Charisius/dpa

Rendsburg. Das zweigeschossige Gebäude auf dem Gelände des Jugendfeuerwehrzentrums Rendsburg ist kein Kinderspielplatz: Eine Stein-Ruine mit fehlenden Außenwänden, lose Trümmer und Betonschutt, angekohlte und zersplitterte Holzbalken, ineinander verschachtelt wie Mikadostäbchen, verrostete und spitze Stücke von Baustahlmatten. Dazwischen öffnen sich immer wieder unverhofft tiefe Kanalschächte oder Abflussrohre, die scheinbar im Nirgendwo enden, und auch ein finsterer Keller mit engen, dunklen Katakomben am Ende fehlt nicht. Betreten verboten?

Das gilt nicht für den sechs Jahre alten Jack. Er ist ein Border-Mix, „ein ganz normaler Familienhund, mit dem ich ansonsten spazieren gehe“, sagt Kitty Petersen-Pieper. Die größte Freude bereitet die 36-Jährige dem schwarz-weißen Tier, wenn sie ihn mit einem Glöckchen um den Hals in die Ruine schickt. Denn Jack ist ausgebildeter Trümmersuchhund. „Das heißt, er sucht frei und ohne Leine in unübersichtlichem Gelände nach vermissten Personen — das können Schockopfer nach Verkehrsunfällen sein, demenzkranke Menschen, oder Kinder, die sich verlaufen haben“, erklärt Petersen-Pieper.

Jack ist einer der rund drei Dutzend Hunde der Rettungshundestaffel Holstein, einer regionalen Sektion des Bundesverbandes Rettungshunde (BRH). In der Rendsburger Ruine üben Jack und sein Frauchen regelmäßig, verschüttete oder vermisste Menschen zu finden. „Für den Hund ist es eigentlich ein Jagdspiel“, sagt Kitty Petersen-Pieper. „Ich gehe bei einem Einsatz als Mensch mit meinem Hund wie ein Rudel auf die Jagd.“ Für das Tier ist es „die Jagd nach dem Spielzeug, dem Leckerchen, das der Mensch bei sich hat“, erklärt sie: „Hund lernt, dass eine Belohnung bei dem Menschen ist, den er irgendwo findet.“

Das kann ein Ball oder eine Puppe sein, aber auch eine Frikadelle oder eine Portion Katzenfutter. „Jeder Hund hat da so seine Vorlieben“, ergänzt Kirsten Siedenburg. Sie ist Besitzerin der zehn Jahre alten Retriever-Hündin Emily. „Mein Hund war mit Spazierengehen nicht zufrieden. Auch Agility-Arbeit — Beschäftigungsangebote, die üblicherweise in Hundeschulen angeboten werden — reichten ihr nicht.“ So sei sie zu den Rettungshunden gekommen. Mittlerweile ist sie selber Ausbilderin für Rettungshunde. „Ein tolles, aber zeitintensives Hobby“, sagt sie. „Wir trainieren zweimal die Woche ungefähr vier Stunden.“ Dazu kommen Show-Auftritte bei anderen Veranstaltungen — und natürlich die realen Einsätze. Im Schnitt werden sie jeden Monat zwei Mal gerufen.

Zu den spektakulären Einsätzen der Gruppe gehört die Suche nach Verschütteten 2014 nach der Gasexplosion in Itzehoe. „Wenn ein Haus einsturzgefährdet ist, schickt man Hunde vor“, erzählt Kitty Petersen-Pieper. „Hunde haben bessere Instinkte als Menschen, spüren die kleinsten Vibrationen, die wir gar nicht wahrnehmen, und können besser und schneller reagieren.“

Die Rettungshunde hatten auch diesen Einsatz in Itzehoe aus Spaß gemacht — „und nicht weil sie den Menschen helfen wollten“, sagt Thomas Gartsch. Er habe lange nach der besten artgerechten „Bespaßung“ für seine Dobermann-Labrador-Hündin „Pearl“ gesucht. „Ich habe lange überlegt, denn Rettungsarbeit ist mit Not und Elend verbunden“, sagt er. „Die Übungen machen uns Spaß, aber Einsätze sind ganz ernsthaft.“

Dabei können auch solche ernsthaften Einsätze mit Freude enden. Wie bei der Suche nach einer vermissten Frau vor einiger Zeit. Sie war in einem dicht bewachsenen Waldstück unter ein Blätterdach gerutscht. Obwohl Spezialisten mit Wärmebildkamera das Gebiet zweimal abgesucht hatten, blieb sie verschwunden. „Die empfindlichen Hundenasen spürten die Frau jedoch schnell auf“, sagte Kitty Petersen-Pieper.

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Ein Artikel von
Deutsche Presse-Agentur dpa

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