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Fluchtgeschichten auf der Leinwand

Savoy Bordesholm Fluchtgeschichten auf der Leinwand

Doppelpremiere im Savoy in Bordesholm: Die Bordesholmer Dokumentarfilmer Bernd Renneberg und Samuel Hölscher zeigten ihre Werke auf der Kinoleinwand. Die Filme handeln in ganz unterschiedlicher Machart von Fluchtgeschichten. Die rund 80 Zuschauer hatten viele Fragen an die Produzenten.

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Zwei Filmergenerationen, ein Thema: Bernd Renneberg (69, links) und Samuel Hölscher (23) fachsimpelten über ihre Flüchtlingsfilme (Bild oben). Unten: In seinem preisgekrönten Film begleitet Samuel Hölscher eine Flüchtlingsfamilie über mehrere Wochen in ihrer neuen Heimat in einem schwäbischen Dorf.

Quelle: Sven Tietgen

Bordesholm. Bernd Renneberg und Samuel Hölscher sind Bordesholmer, und beide greifen in ihren Kurzfilmen die Themen Flucht und Flüchtlinge auf – aber damit sind die Gemeinsamkeiten der Filmemacher auch schon erschöpft. Die ungewöhnliche Doppelpremiere von Rennebergs „Fluch(t) oder Segen“ und „Like in Africa“ von Hölscher im Bordesholmer Savoykino zeigte vor allem, wie unterschiedlich Dokumentarfilme sein können.

Zum Auftakt entführte Samuel Hölscher die gut 80 Zuschauer in ein schwäbisches Dorf und den Alltag einer Flüchtlingsfamilie aus Gambia. Mit der Filmfunktion seiner Spiegelreflexkamera begleitete der 23-jährige Student der Filmhochschule Babelsberg die ersten Schritte der Afrikaner beim Einkaufen und Kochen, beobachtete die Kinder beim ersten Kontakt mit einem Laternenumzug – und drückte den Aufnahmeknopf auch beim Beten. Dabei flimmerte gleichzeitig mit den Anrufungen Allahs im Wohnzimmer ein Loriot-Film über die Fernsehmattscheibe. „Das ist das Glück des Dokumentarfilmers“, kommentierte Hölscher die Szene, die am Montag verbreitet für Schmunzeln in den Zuschauerreihen sorgte.

Foto: In seinem preisgekrönten Film begleitet Samuel Hölscher eine Flüchtlingsfamilie über mehrere Wochen in ihrer neuen Heimat in einem schwäbischen Dorf.

Foto: In seinem preisgekrönten Film begleitet Samuel Hölscher eine Flüchtlingsfamilie über mehrere Wochen in ihrer neuen Heimat in einem schwäbischen Dorf.

Quelle: Sven Tietgen

Jede Menge Nachfragen zu Entstehung und Machart des 20-minütigen Streifens prasselten anschließend auf den jungen Bordesholmer ein. Eine Mission wolle er mit dem Film, der mit dem Deutschen Nachwuchsfilmpreis ausgezeichnet wurde, nicht verfolgen. „Mir ging es um dieses Aufeinandertreffen der Welten, das man eben nicht in den Nachrichten erlebt“, erklärte er. Deutlich zurückhaltender agierte das Publikum in puncto Nachfragen nach dem erstmals öffentlich gezeigten Film von Bernd Renneberg. Der 69-jährige Bordesholmer verwob in seinem Kurzfilm dramatische Bilder von Krieg, Flucht und Tod im Nahen Osten mit Erinnerungen von Nortorfer Flüchtlingen aus den Ostgebieten im zweiten Weltkrieg. Dazu streute Renneberg eigene Aufnahmen zerstörter Dörfer und von Flüchtlingen aus kurdischen Gebieten ein, zeigte Szenen aus der Gastarbeiter-Ära und beleuchtete die Aufnahme und Integrationsbemühungen der Flüchtlinge in Bordesholm vor gut einem Jahr.

Sein ebenfalls 20-minütiger Film sei ihm eine Herzensangelegenheit gewesen, erzählte der Architekt und Elektroingenieur im Ruhestand. „Ich möchte mit dem Film dazu auffordern, nachzudenken. Dafür habe ich mit Fakten gearbeitet, die die jüngere Generation gar nicht mehr kennt“, erklärte er. Vor allem die Bordesholmer Szenen sollen verdeutlichen, dass die Integration von Flüchtlingen funktionieren kann: „Wir können das.“

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