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Wollen die Bürger den Schiffsbug?

Schacht-Audorf Wollen die Bürger den Schiffsbug?

Ein bisher einmaliges Projekt am Nord-Ostsee-Kanal steht am Sonntag in Schacht-Audorf zur Abstimmung. Die Gemeinde plant einen Schiffsbug als Aussichtsplattform. Die Gegner sehen das als Geldverschwendung und haben einen Bürgerentscheid durchgesetzt. Beide Parteien hoffen auf eine hohe Beteiligung.

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Mit diesem Bild werben die Befürworter für die Aussichtsplattform. Es soll nur ein Symbol für die Idee sein.

Quelle: Torben Delfs

Schacht-Audorf. Der Plan entzweit die Gemüter in dem Rendsburger Vorort. Kosten von rund 500000 Euro stehen im Raum. Höchstens 150000 Euro will die Gemeinde für das Vorhaben ausgeben, der Rest soll als Zuschuss kommen, unter anderem von den Nachbarkommunen. Die Gemeindevertretung hat die Planung der Plattform beschlossen. Das wollen die Gegner mit dem Bürgerentscheid am Sonntag zu Fall bringen.

Ein Bild soll seit einem Monat das Vorhaben anschaulich machen: Ein angedeuteter Schiffsbug in der Böschung mit Kommandobrücke, in das ein Bistro einziehen kann - entstanden ist die Animation auf dem Rechner von Torben Delfs, einem Diplom-Ingenieur aus Rendsburg. Seitdem werben die Anhänger um Bürgermeister Eckard Reese damit für ihre Idee.

Die Kanalverwaltung als Eigentümerin der Böschung reagierte irritiert, sie fühlte sich übergangen. Matthias Visser, Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamts (WSA): „Es ist unser Gelände. Das muss man mit uns absprechen. Wir kennen das nur aus der Zeitung.“ Frühere Pläne ohne Gaststätte habe die Gemeinde dem WSA vorgestellt: „Das fanden wir insgesamt ganz gut.“ Das Bild mit Bug und Kommandobrücke sei nur ein Symbol, sagt Reese inzwischen: „Es wird definitiv nicht so.“

Der Bürgermeister ist überzeugt: „Ich halte es nach wie vor für ein gutes Projekt, um unsere Region bekannt zu machen.“ Die Kommandobrücke mit Gaststätte sei lediglich „symbolisch zu sehen“, um klar zu machen, dass die Gemeinde hier Pachteinnahmen erzielen könne, um Folgekosten zu decken. Tatsächlich solle die Gaststätte weiter entfernt vom Bug entstehen, quasi „in zweiter Reihe“.

Die Gegner beruhigt das nicht. Sie kritisieren die Kosten als zu hoch. Klaus Waskönig, Mitinitiator des Bürgerentscheids: „Es sind alles Steuergelder. Der gewünschte Effekt wird nicht eintreten. Das Geld wird sinnlos ausgegeben.“ Der Bau von Plattform und Gaststätte sei nicht Aufgabe der Gemeinde. „Es wäre die Aufgabe eines privaten Investors.“

Befürworter und Gegner eint die Sorge um die Wahlbeteiligung. Reese: „Ich hoffe auf eine hohe Wahlbeteiligung, auch in Hinblick auf ein klares Votum.“ Der Bürgermeister hält einen knappen Ausgang für möglich. Dagegen sieht Waskönig die Gegner weit vorne: „Mein Gefühl sagt mir, die Tendenz ist eindeutig, die Leute wollen das nicht.“ Aber: „Das Problem ist die Wahlbeteiligung. Ich befürchte, dass nicht genug Bürger hingehen.“

Bei dem Bürgerentscheid am Sonntag steht diese Frage zur Abstimmung: „Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Schacht-Audorf die Planung und Errichtung einer weiteren Aussichtsplattform am Kanal einstellt?“ Gegner der Terrasse müssen mit Ja stimmen, Befürworter mit Nein. 

Die Gegner müssen am Sonntag gleich zwei Hürden nehmen: Sie müssen die meisten Stimmen sammeln, und die Zahl ihrer Ja-Stimmen muss zugleich mindestens 20 Prozent der Wahlberechtigten erreichen. Gelingt das nicht, darf die Gemeinde ihren Plan weiter verfolgen.

Rund 3900 Bürger aus Schacht-Audorf dürfen nach Angaben des Amtes Eiderkanal ihre Stimme abgeben. Weil die gleichen Regeln wie bei einer Kommunalwahl gelten, sind auch EU-Bürger stimmberechtigt, gleichzeitig beträgt die Altersgrenze 16 Jahre. Die beiden Wahllokale in der Schule und in der Gaststätte Audorfer Hof sind am Sonntag von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Das Amt rechnet mit dem Ergebnis zwischen 19 und 19.30 Uhr.

Reese verknüpft seine Zukunft als Bürgermeister nicht mit der Abstimmung am Sonntag: „Ich werde mich dem Ergebnis fügen. Ich sehe das sportlich.“ Auch Waskönig will den Bürgermeister, der seit bald 18 Jahren im Amt ist, nicht stürzen: „Er macht gute Arbeit - bis auf diese Sache.“

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Jensen
Holsteiner Zeitung

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Schacht-Audorf
Foto: Die Entscheidung ist gefallen. Die Initiatoren des Bürgerbegehrens stoßen auf ihren Erfolg an: Andre Pekron (von links), Virginia Nagel, Klaus Waskönig, Beate Nielsen und Matthias Salomon.

Die wahlberechtigten Bürger in Schacht-Audorf haben ein Machtwort gesprochen. Beim Bürgerentscheid am Sonntag sprachen sich mehr als zwei Drittel der Abstimmenden gegen den Bau eines Schiffsbugs als Aussichtsplattform aus. Ein solches Bauwerk hatte die Gemeindevertretung mehrheitlich geplant.

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