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Schiebend über die Brücke

Brüstung bröckelt und ist zu niedrig Schiebend über die Brücke

Zum Schutz der mehr als 100 Jahre alten Eiderbrücke in Steinfurt und zum Schutz ihrer Nutzer greift die Gemeinde zur drastischen Mitteln. Nur noch mit Tempo 20 darf der Verkehr über die Brücke rollen. Für Zweiradfahrer gibt es ein Fahrverbot. Stattdessen sollen Fahrrad- und Motorradfahrer ihre Vehikel über die Brücke schieben.

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Verboten: Im Affenzahn über die Brücke bei Steinfurt zu radeln. Hobbysportler ignorieren das Schild.

Quelle: beate könig

Mielkendorf. Bei einer Brückenbegehung, die vom Gesetz vorgeschrieben ist, wurden 2014 Mängel in der Feldstein-Brüstungen des Bauwerks entdeckt, sagt Bürgermeister Manfred Tank. Die Fugen der historischen Mauer am Fahrbahnrand auf dem Brückenbogen haben Risse.

 Um die Mauer durch Erschütterungen nicht weiter zu destabilisieren, entschloss sich die Gemeinde, das Fahrtempo für Autos auf Kriechgeschwindigkeit zu reduzieren.

 Der Gutachter machte die Gemeinde zudem darauf aufmerksam, dass die 80 Zentimeter hohe Brüstung als Fall-Schutz für Passanten und Radler nach heutigen Maßstäben zu niedrig ist. 1,20 Meter beträgt die Sollhöhe aktuell.

 Die Gemeinde will das historische Bauwerk reparieren und nach Möglichkeit erhalten. Derzeit wird überprüft, ob die Eiderquerung unter Denkmalschutz gestellt werden sollte. Vorbild ist dafür eine Eiderbrücke in Brügge bei Bordesholm. „Sie wurde unter Denkmalschutz gestellt und dann mit öffentlichen Mitteln saniert“, sagt Bürgermeister Tank.

 Solange die Brüstung noch nicht auf der Höhe des aktuellen Sicherheitsstandards ist, soll das Schiebegebot Zweiradfahrer schützen. Die Hinweisschilder der Gemeinde auf beiden Seiten der Brücke sichern jedoch auch die Gemeinde ab, räumt Tank ein. Sollte es zu einem Unfall kommen, bei dem ein schwungvoller Radfahrer aus der Kurve über die Brüstung getragen wird, haftet die Gemeinde nicht. „Der Radfahrer fährt dort auf eigenes Risiko.“

 Der hügelige und kurvige Steinfurter Weg mit dem Ausflugslokal Steinfurther Mühle ist bei Radsportclubs bekannt und beliebt. Die Radsportgemeinschaft Kiel und auch die Ortsgruppe Neumünster des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) nutzen unter anderem die Route für Touren. Aber auch Radsportler, die mit hohem Tempo trainieren, passieren die Brücke im Sommer häufig.

 Bei Feuchtigkeit ist die Asphaltdecke, die auf der Brücke vor rund acht Jahren zuletzt erneuert wurde, extrem rutschig. Dann droht Radlern aber auch Motorradfahrern besondere Gefahr, sagt Heinz Zöller, Vorsitzender des Umwelt- und Wegeausschusses.

 Ein Argument, das Uwe Mohns, seit 1998 Tourenleiter beim ADFC Neumünster, nicht nachvollziehen kann. „Das gilt für fast alle Asphaltdecken.“ Ebenso ist für den Radsportler klar: Wer schneller fährt, der muss sein Rad beherrschen. Und: „Man muss sich prinzipiell an unübersichtlichen Strecken verkehrsgerecht verhalten. Die Straßenverkehrsordnung gilt überall. Man darf sich und andere nicht gefährden.“ Für den erfahrenen Tourenfahrer Mohns ist ein Absteigegebot für Zweiradfahrer komplett neu. „Das habe ich an noch keiner anderen Strecke gesehen.“ Er hält die Vorsichtsmaßnahme der Gemeinde für „überzogen.“

 Christian Ramm vom ADFC-Ortsgruppe Kiel stellt fest: „Tempolimits gelten auch für Rennräder. Absteigen auf der Fahrbahn ist jedoch ein No-Go. Autos muss man auch nicht schieben.“

 Dass der Brückenbelag ein Gefahrenpotenzial bergen könnte, ist auch Bernt Gruhlke von der Radsportgemeinschaft Kiel neu. Bei den monatlichen Sitzungen sei ihm von den Tourenleitern „nichts Negatives zu Ohren gekommen.“

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