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Der Holocaust als Tanzstück

Schülerprojekt in Kronshagen Der Holocaust als Tanzstück

70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges packen Schüler und Lehrer des Gymnasiums Kronshagen mutig ein schwieriges Thema an. Mit „Stumme Schreie – Gefühle im Holocaust“ wollen sie die Juden-Vernichtung tänzerisch auf die Bühne bringen. Premiere ist am 10. Februar 2016 in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.

Choreograf Preslav Mantchev entwickelt mit Schülern des 10. Jahrgangs am Gymnasium Kronshagen das Holocaust-Stück „Stumme Schreie".

Quelle: Torsten Müller

Kronshagen. Es ist ein Mammutprojekt: Auschwitz und Euthanasie, aber auch jüdische Kunst und Musik. 28 Schüler des zehnten Jahrgangs arbeiten fächerübergreifend mit sieben Lehrern zusammen, sie schreiben Texte über ihre Gefühle und entwerfen Bühnenbild und Kostüme selbst. Im Zentrum steht die Entwicklung der Tanzchoreografie mit Preslav Mantchev, einem professionellen Balletttänzer und Choreografen. Er hilft den Schülern, authentischen Ausdruck in der Bewegung zu finden. Vier Stunden pro Woche widmen sich die Schüler mit dem sprachlichen und ästhetischen Profil diesem Projekt, in dessen Mittelpunkt das Leben und das grauenhafte Ende der Juden während des Dritten Reiches steht.

 „Die Aufführung soll nicht nur erdrückend sein. Trotz des Schrecklichen gibt es auch Hoffnung und sogar fröhliche Momente“, kündigt Anne Lipkow, Biologie- und Musiklehrerin, an. Von ihr ging die Initialzündung aus, sie betreut das Projekt federführend und warb finanzielle Unterstützung ein. Begleitet wird die Bühnenarbeit von der Musik von Komponisten, die die Vernichtungsmaschinerie nicht überlebten. Lipkow hatte sich in ihrer Examensarbeit mit der Musik im KZ Theresienstadt beschäftigt und war dabei auf eine unglaubliche Energie gestoßen: „Nach zwölf Stunden Zwangsarbeit machten die Häftlinge noch Aufführungen.“ Die Hamburger Gedenkstätte Neuengamme ist Partner des Projektes. Zur Vorbereitung absolvierten die Schüler dort einen dreitägigen Workshop.

 Mit der Arbeit tasten sich alle Teilnehmer auf neues Terrain vor. „Was die Schüler entwickeln, ist absolut freiwillig“, sagt der aus Bulgarien stammende Choreograf. Ihm geht es in der Begegnung mit den jungen Menschen zunächst darum, Vertrauen zu schaffen: „Wenn sich jemand mit dem, was er tut, nicht gut fühlt, kann er rausgehen.“

 Auch Preslav Mantchev fasziniert das Moment der Hoffnung. „Was hat die Überlebenden angehalten, weiterzumachen?“, fragt er sich. Er weiß, dass die junge Generation keinen direkten Zugang zum Holocaust mehr hat, dennoch hält er die Beschäftigung damit weiterhin für wichtig. „Es passiert, weil Menschen die Augen verschließen.“ In der Arbeit mit den jungen Menschen setzt er vor allem auf Intuition und Authentizität. Beim Workshop imponierte ihm ein Mädchen, die an einem Punkt sagte, das sei ihr zu viel. „Wunderbar! Sie hat auf sich gehört und eine Entscheidung getroffen. Das ist die Erste, die mitmacht.“

Ein Artikel von
Torsten Müller
Redaktion Holsteiner Zeitung

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