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Ein Berg voller Geschenke für Obdachlose

Schüler sammelten Spenden Ein Berg voller Geschenke für Obdachlose

Die Kartons stapeln sich an der Wand hoch. Sie sind voll mit Spenden, mit Wolldecken und warmer Kleidung, mit Haarshampoo, mit Lampen, Schlafsäcken, Tassen, Kopfkissen, Geschirrtüchern und Topflappen. Gesammelt und zusammengetragen von Schülern aus Nortorf – für Obdachlose.

Einen Berg von Kartons, voll mit Spenden für die Wohnungslosen in der Tages- und Übernachtungsstelle in der Gasstraße, brachten die Schüler (von links) Tom Dibbern, Malik Jaekel, Lena Pawlincki und Timon Röschmann nach Neumünster. Drei Wochen lang hatten sie die Sachen in Nortorf und Ellerdorf gesammelt.

Quelle: Anja Rüstmann

Nortorf/Neumünster. Die Tages- und Übernachtungsstelle der Diakonie in der Gasstraße freut sich über diesen Segen. Ihr Leiter Hans-Jürgen Böckler lässt seinen Blick über die Kartons schweifen. „Das müssen wir jetzt erst einmal sichten“, sagt er. Dann wird es an diejenigen verteilt, die es gut gebrauchen können.

 Und dass die Wohnungslosen es gut gebrauchen können, ist Malik Jaekel (13) im Dezember auf dem Großflecken aufgefallen. Er stolperte geradezu über einen Mann, der ganz offensichtlich kein Zuhause hatte. „Dem stand mit Sicherheit kein so schönes Weihnachtsfest bevor wie uns“, sagt Malik. Und deshalb wollte er helfen.

 Seine Mitschülerin Lena Pawlincki (12) fand die Idee auch sehr gut. Dann versuchten sie ihre Klasse 7b der Gemeinschaftsschule Nortorf mit ins Boot zu holen. Zum engen Organisatoren-Kreis stießen dann noch Timon Röschmann (12) und Tom Dibbern (12). Und weil sie keine Päckchen auf der Straße verteilen wollten, wandten sie sich an die Zentrale Beratungsstelle für Menschen in Wohnungsnot in Neumünster.

 Drei Wochen lang sind sie im Januar von Tür zu Tür gegangen, haben sich und ihre Idee vorgestellt, haben Tüten und Kartons voller Spenden gesammelt. Timon ist mit dem Bollerwagen durch Ellerdorf gelaufen, die anderen haben in Nortorf Klinken geputzt. „Viele Leute haben ihre Vorratskammern dafür geplündert“, sagen die Jugendlichen. Und dann kam auch mal eine Tube Rasiergel heraus. Fast überall wurden sie freundlich empfangen.

 Die Klasse 7d hat außerdem bei einem Fußballturnier in der Schule belegte Brötchen, frisches Obst, Süßigkeiten und Getränke verkauft. Lena wurde zur Schatzmeisterin ernannt. Zu dem erwirtschafteten Geld kamen einige Geldspenden – insgesamt 300 Euro. „Dafür haben wir dann eingekauft“, was sich die Übernachtungsstelle wünschte: Jalousien zum Beispiel, Kaffee und Tee, ein Fernseher aus dem Sozialkaufhaus. Im sozialen Netzwerk Facebook verbreitete sich die Aktion der Schüler auch rasant, organisiert von Maliks Mutter Jessica Jaekel. Daraufhin nahmen die Spenden noch einmal zu.

 „Großartig“, lobte auch Christine Noack vom Diakonischen Werk, als Donnerstag die Spenden angeliefert wurden. Und als die Schüler am Tisch in der Tagesstätte für Wohnungslose saßen, platzte es aus ihnen heraus: „Unser Bild von Obdachlosen hat sich total verändert.“ Sie freuen sich, helfen zu können. Darüber hinaus haben sich die Vier auch viel besser kennengelernt, quatschen viel – und überlegen, was sie jetzt anpacken können. Tom sagt, das solle „keine einmalige Sache bleiben“. Helfen ist aber zeitaufwändig, künftig wird das nur noch in den Ferien gemacht.

Ein Artikel von
Anja Rüstmann
Holsteiner Zeitung