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„Wirklich tolle Geschichten“

Langwedeler Schulchronik „Wirklich tolle Geschichten“

Das ist Geschichte hautnah in einem modernen, leserlichen und verständlichen Gewand: Langwedels 134 Jahre alte Schulchronik wurde komplett überarbeitet und in einer Auflage von 100 Exemplaren frisch gedruckt. Auf 147 Seiten gibt es nicht nur vieles rund um Schule und Unterricht seit 1881 zu lesen, sondern auch die niedergeschriebene Entwicklung des Dorflebens oder die Eindrücke der Lehrer während der beiden Weltkriege.

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Ulrich Halm (links) verfasste die neue Version der Schulchronik von 1881, die er in den Händen hält. Bürgermeister Holger Spießhöfer freut sich über das Buch.

Quelle: Nora Saric

Langwedel. „Dies ist nicht nur eine Schul-, sondern auch eine Dorfchronik“, sagt Ulrich Halm, der das alte, akribisch und handschriftlich von den Dorflehrern geführte Buch in den vergangenen Monaten transkribiert hat. „Das war recht schwierig“, so der ehemalige Geschichtslehrer. Bei der Übersetzung des altdeutschen Sütterlin oder auch deutschem Kurrent, das bis 1942 geschrieben wurde, konnte ihm ein älteres Ehepaar aus dem Dorf helfen. „Da stehen wirklich tolle Geschichten drin, jetzt kann man die endlich auch mal lesen“, freut sich Bürgermeister Holger Spießhöfer über die Publikation.

 Etwas zerschlissen ist die alte Chronik bereits, die von 1881 bis 1972 von den Lehrern geführt worden ist, ging sie doch durch zahlreiche Hände. Die ersten Einträge stammen von Schulmeister Hans Hinrich Bock in einer geschwungenen, schwer zu entziffernden Schrift mit Tinte aufs Papier gebracht. Kleinteilig werden von ihm und den folgenden Autoren die Belange der Schule geschildert. Zum einen geht es um Bezahlung: „Die Lehrer wurden damals in Naturalien bezahlt“, so Halm. „Zum Beispiel mit Lebensmitteln oder auch mit Torf zum Heizen.“ Zu lesen ist aber auch, welche Einnahmen kassiert werden konnten: „Zur Schule gehörten Grundstücke, die verpachtet wurden.“

 Die Lehrer beschrieben allerdings auch Ernten, eine heftige Dürre-Katastrophe oder welche Grundstücke im Dorf an wen verkauft wurden. „Wir können hier die zivilisatorische Entwicklung des Dorfs ablesen“, sagt Halm. Langwedel sei früher völlig abgeschottet gewesen. Umso interessanter ist es für den Historiker zu lesen, wie die ersten Radios ins Dorf kamen, die ersten Telefonmasten gebaut wurden, die Post Einzug hielt oder wie die uralten Fahrwege gegen Straßen nach Blumenthal und Nortorf ersetzt wurden.

 „Auch noch sehr interessant ist, dass der 1. und 2. Weltkrieg ausführlich dargestellt werden“, findet Halm. „Alle Langwedeler Kriegsgefangenen werden namentlich erwähnt.“ In den Texten werde deutlich, wie sich der 1. Weltkrieg immer weiter hochgeschaukelt habe. „Aber dann: Über die Kapitulation kein einziges Wort.“ Nach Ende des 2. Weltkrieges, als die Engländer in Schleswig-Holstein das Ruder übernahmen, schrieb der Lehrer: „Wir wurden jetzt angewiesen, wieder demokratisch zu sein. Die Hitlerei ist nun vorbei.“

 Die Lokalgeschichte aus erster Hand hatte Ulrich Halm aus einem Schrank im Museum Schoolkat gezogen. Aus persönlichem Interesse und aus dem Wunsch, dass nichts verloren geht, machte er sich an die Arbeit, die Gemeinde gab das Geld.

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