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NOK und Bahnstrecke wieder freigegeben

Kollision mit Schwebefähre NOK und Bahnstrecke wieder freigegeben

Nach der Kollision der Rendsburger Schwebefähre über dem Nord-Ostsee-Kanal mit einem Frachter ist der Streckenabschnitt wieder für die Schifffahrt freigegeben. Die Verkehrszentrale Brunsbüttel erteilt den Schiffen der Reihe nach die Fahrerlaubnis. Auch der Bahnverkehr auf der Brücke rollt wieder.

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Die Schwebefähre Rendsburg ist von einem Frachter (Hintergrund) gerammt worden. 

Quelle: Frank Behling

Rendsburg. Spezialisten schafften es nach nach rund zehn Stunden, die Schwebefähre wieder sicher in ihre Laufschiene einzuhängen. Arbeiter zogen sie am Nachmittag Stück für Stück mit Muskelkraft zur Südseite.

Nach ersten Meldungen ist der Frachter "Evert Prahm" auf dem Weg von Kiel kommend gegen die Fähre gefahren. Nach Aussagen des Lotsen und des Kapitäns soll die Fähre vom Rendsburger Ufer gekommen sein und dann seitlich in  den Rumpf der "Evert Prahm" gefahren sein. Danach prallte die Fähre gegen die Kommandobrücke. Die Schiffe haben auf dem Nord-Ostsee-Kanal eigentlich Vorfahrt. Alkohol war nicht im Spiel: Weder der Schwebefährenführer, noch der Kapitän des Frachters standen unter Alkoholeinfluss. Bei dem Zusammenstoß am Morgen waren zwei Menschen verletzt worden, einer davon schwer. Die Ursache für die Kollision ist bisher ungeklärt.

Die Fähre hatte in den vergangenen Tagen immer wieder Probleme mit der Technik. Sie hängt an zwölf Stahltrossen. Mindestens eins soll bei dem Zusammenstoß gerissen sein. Zudem ist der Antriebswagen aus seiner Führung gesprungen und lässt sich nicht mehr bewegen. Die Schwebefähre war deshalb manövrierunfähig. Techniker arbeiteten am Fahrkorb der Schwebefähre auf der Brücke und versuchten die Fähre für die Bergung vorzubereiten. Gegen 13.30 Uhr meldeten die Techniker einen Erfolg. Die Fähre bewegt sich wieder. Bis 16 Uhr soll der Schiffsverkehr wieder an der Unglücksstelle vorbeigeführt werden. Innerhalb der nächsten Stunde soll die Schwebefähre langsam ans Südufer bei Osterrönfeld gezogen werden. Das Arbeitsschiff "Sehestedt" ist als schwimmende Plattform im Einsatz.

Der erste Überblick der Schäden macht deutlich, dass die "Evert Prahm" die Fähre mit voller Wucht in der Mitte getroffen hat.

 

Die Reparatur der Schwebefähre wird Monate dauern. Auch ein Totalschaden ist nicht ausgeschlossen. Die "Evert Prahm" liegt im Kreishafen und soll zur Untersuchung verlegt werden. Das 78 Meter lange Schiff hat bei der Kollision seinen Mast mit allen Funk- und Radaranlagen verloren. Außerdem wurde die Kommandobrücke beschädigt. Die Fähre hatte großes Glück. Unmittelbar vor der relativ kleinen "Evert Prahm" hatte ein deutlich größeres Frachtschiff die Brücke passiert. Einen Zusammenstoß mit diesem Frachter hätte die Fähre möglicherweise komplett aus ihren Halterungen gerissen.

Bahnverkehr wurde eingestellt

Aufgrund des Unfalls wurde der Bahnverkehr über die Brücke eingestellt. Davon sind viele Pendler betroffen, die in den Zügen von und nach Rendsburg sitzen. Denn die Schwebefähre hängt an der Rendsburger Eisenbahnbrücke. Sie ist die einzige Eisenbahnquerung des Kanals zwischen Kiel-Levensau und Grünental bei Hanerau-Hademarschen.

Ein erstes Foto von der Unglücksstelle.

Quelle: Malte Kühl

Die Fahrgäste waren wenig begeistert. In der Mitte der Bahnstrecke Neumünster-Rendsburg war am Freitagmorgen in Nortorf Endstation. Der Regionalzug mit Fahrtrichtung Rendsburg habe in Nortorf gehalten und es sei einfach mitgeteilt worden, dass die Fahrt dort ende. Der Zug sei dann zurück in Richtung Hamburg gefahren, berichtete ein junger Mann, der nach seiner Nachtschicht auf dem Heimweg war. Auf dem Bahnsteig in Nortorf warteten gegen 9 Uhr winterlichem Schmuddelwetter rund ein Dutzend Fahrgäste unter einem Schutzdach. Erklärungen über die Lautsprecher oder auf Anzeigetafeln habe es nicht gegeben, berichteten sie. Über die Hotline der Regionalbahn erfuhr eine Frau per Handy, dass Schienenersatzverkehr mit Bussen geplant sei.

Bergungsaktion mit der Fähre

Für die Rettungsaktion wurde ein Großaufgebot an Einsatzkräften an der Unglücksstelle zusammengezogen. Der schwer verletzte Kapitän wurde mit der Fähre "Memel" an Land gebracht. Ein anderer Passagier trug leichte Verletzungen davon.

Hier sehen Sie Bilder von dem Unfall an der Schwebefähre in Rendsburg.

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Die "Memel" hat für den Einsatz Rettungskräfte der Feuerwehr an Bord genommen und ihren Einsatz an der Fährstelle Audorf ausgesetzt. Dadurch stand dort bis 9 Uhr nur die Fähre "Stolpmünde" für den Verkehr bereit. Dies führte zu längeren Wartezeiten für Autos.

Rund um die Unglücksstelle war die Verkehrslage angespannt. Der Kanaltunnel war nach Informationen der Feuerwehr dicht. Wer auf die andere Seite des Kanals wollte, musste mehr Zeit einplanen.

Nord-Ostsee-Kanal war gesperrt

Der Nord-Ostsee-Kanal war ebenfalls bis zum Nachmittag für die Schifffahrt komplett gesperrt.

Zuletzt war die Schwebefähre in der Sturmnacht des 13. Januar 1993 um 23.27 Uhr von einem Schiff gerammt worden. Damals hatten die Bremsen der Fähre versagt, der Wind drückte die herrenlose Fähre vor den Bug des niederländischen Frachters "Linda Maraike". Dies geschah in der betriebsfreien Zeit ohne Passagiere, so dass lediglich Sachschaden an der Seilaufhängung der Fähre entstand. Der Fährbetrieb konnte nach der Reparatur am 11. Februar 1993 wieder aufgenommen werden.

Von Frank Behling, Malte Kühl und Sven Detlefsen (mit dpa)

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Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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Fahrgäste landen in Felde
Foto: Die Sperrung der Eisenbrücke nach dem Schwebefähren-Unglück in Rendsburg spülte Fahrgäste der Bahnstrecke Rendsburg-Kiel auf den Bahnhof Felde.

Die Sperrung der Eisenbrücke nach dem Schwebefähren-Unglück in Rendsburg spülte Fahrgäste der Bahnstrecke Rendsburg-Kiel auf den Bahnhof Felde. Busse und Taxen transportierten im Schienenersatzverkehr die Passagiere zum Zwischenstopp auf dem Lande, wo sie ein Pendelzug aus Kiel aufnahm. Allerdings nur nach einer weiteren Wartezeit.

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