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Erfahrungen am Spaten sammeln

Schwedeneck Erfahrungen am Spaten sammeln

Zwei Wochen zwischen Sargnägeln, Zähnen und Gebeinen – was wie ein morbider Slogan für ein Praktikum beim Bestatter klingt, ist für die zehn Studenten bei der zweiwöchigen Grabung an der St. Catharinenkirche zu Jellenbek eine spannende, wenn auch außergewöhnliche Ferienbeschäftigung gewesen.

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Bei der archäologischen Grabung an der St. Catharinenkirche musste sich Michael Büxler erst durch eine Schutzschicht kämpfen, bevor er die Erde sorgfältig Kelle für Kelle abtragen konnte.

Quelle: Frank Peter

Schwedeneck. Für die Biologie- und Forensik-Doktorandin Lisa Böhme war die Grabung an der Steilküste in der Gemeinde Schwedeneck eine völlig neue Erfahrung. „Sonst sitze ich am Ende der Nahrungskette und bekomme die Funde ins Labor geliefert. Jetzt sehe ich, wie schwer die Arbeit ist und wie viel geleistet wird, um die Funde zu erhalten“, freute sie sich. „Hand- und Fußknochen lassen sich gut untersuchen, weil sie am wenigsten porös sind“, erklärte Böhme, „Zähne eignen sich am besten, da sie ein abgeschlossenes Organ und leichter zu reinigen sind.“ Anhand der Zähne zum Beispiel könne sie Geschlecht und Verwandtschaft bestimmen. Aber auch Ernährungsweise und -wandel können durch Zahnsteinuntersuchungen im Labor ermittelt werden. Sorgfältig wie einen kleinen Schatz trug sie die Funde deshalb zum Container.

 Auch Michael Büxler war zum ersten Mal dabei. Der 23-Jährige studiert Ur- und Frühgeschichte und Biowissenschaften im zweiten Semester. Dass in dieser Kampagne der Friedhof weiter erforscht werden soll und man dabei auf Gebeine stößt, wusste er. „Klar hat man Respekt davor. Schließlich war das mal ein Mensch. Aber Unbehagen empfinde ich nicht“, erklärte der Student. Viel eher bestärkte ihn seine erste Grabungserfahrung in seiner Studienwahl. „Gerade bei so einer Grabung schweißt die Teamarbeit richtig zusammen“, freute er sich.

Schicht für Schicht

 Die Arbeit war abwechslungsreich. Nachdem die Schnitte vermessen wurden, mussten sich die Studenten durch die sogenannte Schutzschicht kämpfen. „Das ist körperlich anstrengend“, verriet Büxler, „vor allem vorletzte Woche, als es warm war.“ Dann wurde in kleineren Schichten Erde abgetragen. Kelle für Kelle, Schritt für Schritt, Schicht für Schicht, damit alles unversehrt blieb. Sargnägel und andere Funde wurden akribisch dokumentiert, die Fundstelle fotografiert und alles ausgemessen. Dazu platzierte ein Student das Prisma exakt auf der Fundstelle, während ein weiterer das an einem festen Ort installierte Tachymeter bediente.

 Die Masterstudenten Janna Kordowski und Lorenz Luick haben schon häufiger an Ausgrabungen teilgenommen. „Beim ersten Mal hat man schon super Angst, was kaputt zu machen“, erklärte Kordowski, „aber es ist auch einfach spannend.“ Nach dieser Grabung fahren sie beide weiter nach Stade zur Ausgrabung eines Wirtshauses. Lehrgrabungen werden zwar meist nicht bezahlt, aber als Praktikum beziehungsweise Praxiserfahrung angerechnet. Im Masterstudium muss man sechs Wochen Grabungs- und sechs Wochen Praktikumserfahrung vorweisen. Für die Studenten ergeben sich aber auch andere Vorteile. „Ich hoffe, dass wir bei der Grabung in Stade ein paar spannende Sachen finden, denn in meiner Masterarbeit beschäftige ich mich mit einem ähnlichen Thema“, so Kordowski.

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