9 ° / -1 ° Regenschauer

Navigation:
Schwerstarbeit für die Schwertransporter

Melsdorf Schwerstarbeit für die Schwertransporter

Der erste Schwertransport für den neuen Quarnbeker Windpark hat Melsdorf am Sonnabendfrüh passiert. Die Ankunft verzögerte sich jedoch um Stunden, weil die drei Tieflader mit den bis zu 60 Meter langen Rotorblättern Schwierigkeiten hatten, Engstellen in Kiel-Mettenhof und Melsdorf zu durchfahren.

Voriger Artikel
Der leisere Heli kommt
Nächster Artikel
Endlich wieder freie Fahrt

Der Schwertransport in Melsdorf.

Quelle: Torsten Müller

Melsdorf. Erst gegen 8 Uhr war das Ziel erreicht.

„Ja, wann kommen sie denn?“ Diese Frage wird Melsdorf Bürgermeisterin Anke Szodruch (CDU) in dieser Nacht häufiger stellen. Schon seit Tagen sind die Schwertransporte angekündigt, immer wieder verzögern sich. Niemand kann offenbar im Voraus sagen, wann und wo genau die rollenden Dinosaurier abfahren. Im Vorfeld musste auf der Trasse bereits weichen, was dem langen Tieflader-Trio mit Überbreite im Wege stehen könnte: Laternenmasten, Verkehrsschilder, Zäune, Hecken und sogar eine ordentlich gewachsene Eiche. Zudem dürfen bis zum 18. November keine Autos in der Dorfstraße geparkt werden – überall absolutes Halteverbot.

Hier finden Sie Bilder von dem nächtlichen Schwertransport durch Melsdorf.

Zur Bildergalerie

Am Freitag wird deutlich: In der Nacht wird er kommen. Der Transport startet um 22 Uhr von der dänischen Grenze, gegen Mitternacht erreicht der von Polizei eskortierte Konvoi die Rendsburger Hochbrücke. Anke Szodruch bleibt auf, steht wartend am Straßenrand: Sie beschleichen Zweifel, dass die ultralangen Fahrzeuge trotz der Flurbereinigungen tatsächlich die engen Kurven im Dorf nehmen können. Die Nacht ist dunkel und kalt. Süßer Duft der nahen Bäckerei liegt in der Luft – Melsdorf by night.

Um 0:45 Uhr durchzuckt Blaulicht die Straße: Ein Polizeiauto saust durch das Dorf, gefolgt von einem kleineren Tieflader. Er transportiert das künftige Maschinenhaus eines Windrades. Von den Rotorblättern gibt es noch keine Spur. Die Nacht wird sternenklar und kälter, nur ab und zu fährt ein Taxi vorbei. Am Ortseingang Kieler Weg sitzt ein älterer Mann im Dunkeln. Jürgen Schmidt (79) wohnt seit 40 Jahren in Melsdorf und hat vor seinem Haus noch nie einen solchen Transport erlebt. Die Fotokamera begleitet ihn, seine Frau ist bereits zu Bett gegangen.

Warten, warten. Gegen 3.30 Uhr kommt die Nachricht, dass der Konvoi Mettenhof erreicht hat, aber feststeckt. Das Transportunternehmen hat die Größe von Verkehrsinseln falsch eingeschätzt. Das erste Fahrzeug steckt wie in einem Flaschenhals fest. Die Begleittruppe muss zunächst eine Hecke entfernen. Erst gegen 5 Uhr rollt der Konvoi im Schritttempo in Melsdorf ein. Anke Szodruchs Skepsis erweist sich als berechtigt: Die Kurve Kieler Weg/Dorfstraße ist für das rollende Ungetüm zu eng. Die Reifen stoßen gegen eine Granitsteinmauer. Der rumänische Fahrer wirkt gelassen. Er rangiert zentimeterweise, nutzt den kompletten Bürgersteig aus und steuert die Hinterräder gewieft – doch es reicht immer noch nicht. Das überhängende Rotorblatt mit den Haizähnen droht Grundstückshecke und Gartenhaus abzurasieren.

Mittlerweile füllt sich die Straße mit Zaungästen. Die zuckenden Signallichter haben die Anwohner geweckt. Niemand hat so eine verkantete Situation schon mal erlebt. Die Begleittruppe ist im Stress, sie erwägt den Einsatz eines Wagenhebers, um den Rotor in eine höhere Lage zu bringen. Doch das erscheint zu gefährlich. Die Polizei schaut zu. Schließlich gelingt es doch,  das riesige Rotorblatt über Hecke und Gartenhaus zu bugsieren. Wie ein Pionier hat Mihail, der versierte Tieflader-Fahrer aus Sibiu, dem ehemaligen Hermannstadt, den Weg für den gesamten Konvoi geebnet. Gegen 8 Uhr kann Anke Szodruch erleichtert zu Bett gehen. Melsdorf hat die Dinosaurier überlebt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Torsten Müller
Redaktion Holsteiner Zeitung

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Rendsburg 2/3