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Einmal um die Welt gesegelt

Eckernförde Einmal um die Welt gesegelt

Er tauchte gemeinsam mit Haien, ritt haushohe Wellen im Sturm ab und wurde von Südsee-Insulanern zum Essen eingeladen. Siegfried Hahn hat mit der Atlantic Rallye for Cruisers (ARC) die Welt umsegelt und ist voller Erlebnisse zurückgekehrt. Als Crewmitglied an Bord erfüllte sich der 65-jährige Neu-Eckernförder einen langgehegten Wunsch, der auch seine Risiken hatte.

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Zurück im Sommerhaus Missunde. Auf einem Globus hat Siegfried Hahn die Route der ARC-Rallye eingezeichnet.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde. In seinen Augen schimmert noch immer dieser Seeblick. Eineinhalb Jahre war „Siggi“ Hahn fern der Heimat. Den festen Job tauschte er gegen schwankende Jachten, die ihn 30000 Seemeilen rund um den Globus trugen. Schleswig-Holstein sagte er Ade, dafür kreuzte er vor Galapagos auf. „Einer der Höhepunkte der Reise“, schwärmt Hahn. Während er auf der Terrasse eines Missunder Sommerhauses sitzt und weiße Segel auf der Schlei vorüberziehen, wandern seine Gedanken in die Südsee. „Als beim Tauchen plötzlich zehn Hammerhaie erschienen, begann mein Herz zu klopfen wie nie. Doch auf einmal stellte sich eine Stimmung ein, als gehörte ich dazu.“

 Rückblende: Im Mai 2012 drohte für Siegfried Hahn eine Welt zusammenzubrechen. Bei einer ärztlichen Untersuchung erhielt er die Diagnose „Nierenkrebs“. Sein Traum geriet ins Wanken. „Ich wollte doch segeln.“ Es folgten zwei Operationen und eine Reha – mit Erfolg. Die Niere blieb erhalten. „Das war wie ein Weckruf“, sagt Hahn. Nicht warten auf irgendeine ferne Zukunft, sondern jetzt leben. Er verkauft ein Unternehmen, das er in Hamburg über 30 Jahre mit aufgebaut hatte, und geht im Internet auf Crew-Suche. Der Lebensmut ist wieder da, das Blauwasser lockt.

 Am 11. Januar 2014 landet sein Flieger auf der Karibikinsel Saint Lucia, dem Ausgangspunkt der ARC-Weltregatta. 42 Jachten sammeln sich an der Startlinie, nur 19 werden die Rallye bis zum Ende durchstehen. Hahn, der segelnde Hobbykoch mit Medizin- und Navigationskenntnissen, hat keine Probleme, auf einem der Segler anzuheuern. Gemeinsam mit einem Franzosen als drittem Mann schifft er sich auf einer 39-Fuß-Dehler ein. Doch schon beim ersten Probetörn offenbart sich der Skipper als „schwierig“. Der Franzose will gleich von Bord, Hahn interveniert. Auf Bora Bora fällt die Entscheidung: weitersegeln bis Australien, damit der Skipper eine Ersatzcrew besorgen kann.

 In Australien kann Hahn auf einer spanischen ARC-Jacht anheuern. Doch auch sie ist keine glückliche Wahl. „Der Skipper war Alkoholiker“, erinnert Hahn. Auf Cocos Keeling steigt er wieder von Bord und lernt per Zufall den Skipper der englischen „Merlin of Pool“ kennen, der allein mit seiner Frau segelt. Da sie kurzfristig nach London muss, wird ein Platz frei. Und so beginnt auf der „Merlin“, einer 44er Oyster, für Hahn der entspanntere Teil der Reise. Es gibt Porridge zum Frühstück („ich wurde immer mehr zum Engländer“), eine stürmische Fahrt durch den Indischen Ozean und Karneval in Brasilien.

 Das Highlight bleibt für ihn aber die Südsee. Hilfsbereit und freundlich seien die Polynesier auf Hova Oa, erzählt er. Der Insel, auf der Paul Gaugin gestorben ist. Für Hahn gibt es sie noch, die Paradiese. Doch sie sind bedroht. Als über das Eiland Tanna (bei Tonga) ein schwerer Hurricane hinwegzieht, sammelt die ARC-Flotte spontan für eine Hilfslieferung. Am 11. April 2015 laufen die Jachten wieder in Rodney Bay auf Saint Lucia ein. Weniger Tage später ist Hahn zurück in Eckernförde, zurück im Alltag.

 Nach seiner Weltumsegelung hat er sich verändert. „Die Relationen haben sich verschoben“, sinniert der 65-Jährige. „Vieles, was mich früher aufregte, ist nicht mehr so wichtig. Der Horizont hat sich geweitet, ich bin geduldiger geworden.“ Jetzt überlegt Hahn, seine Erlebnisse als Buch zu veröffentlichen. Und sein Reisehunger ist noch nicht gestillt. Vielleicht geht’s später mit Ehefrau Regine im Wohnmobil auf Tour. „Auch Europa hat viel zu bieten.“

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
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