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So klappt’s mit dem stressigen Alltag

Tipps von Eva Kessler So klappt’s mit dem stressigen Alltag

Wie lässt sich der Familienalltag besser bewältigen? Familienberaterin Eva Kessler aus Kronshagen hat ein Konzept entwickelt, wie Eltern Kindererziehung, Berufstätigkeit und Haushaltsführung besser in Einklang bringen können. In ihrem neuen Buch stellt sie sechs praktische Handwerkszeuge dafür vor.

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Eva Kessler ist Familienberaterin - nun hat sie ein Buch verfasst.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel/Kronshagen. Mit der Familie ist das so eine Sache. Irgendwie ist nichts mehr, wie es mal war. Kaum eine Mutter ist mehr „nur“ Hausfrau. Es gibt Patchwork-Konstellationen, gleichgeschlechtliche Paare. „Eltern haben heutzutage mein volles Mitgefühl“, sagt Eva Kessler. Fast täglich hört die Familienberaterin in ihrer Praxis in Kronshagen von großer Ratlosigkeit und Überforderung. „Eigentlich ist das neue Rollenverständnis super toll. Aber bisher wissen wir noch nicht so recht, wie wir damit umgehen sollen.“ Noch immer seien die alten Rollenbilder der Eltern oder Großeltern in uns präsent. Die 63-Jährige hat über die Jahre ein Konzept entwickelt, damit das Familienleben auch im 21. Jahrhundert reibungslos klappen kann. Gerade hat sie zu dem hochaktuellen Thema ein Buch veröffentlicht.

 Der Familienalltag kann voller Tücken sein. Wie saugt man einen Teppich richtig? Sollte man beim Zubettbringen der Kinder vorher noch auf dem Bett mit ihnen toben? Muss der Abwasch immer gleich erledigt werden? Wie viel Fernsehen ist erlaubt? „Ich habe schon so viele Ehen kaputtgehen sehen“, sagt Eva Kessler. „Schuld ist meist die alte Rollenverteilung, die noch immer in unseren Köpfen ist und die Frauen frustriert. Und diese Unzufriedenheit bekommen die Männer ab.“

 Mit langen Alltags-Mängel-Listen kommen die Frauen dann zum Beratungsgespräch. „Ich weiß, worunter sie leiden. Ich bin ja selber eine Frau und zweifache Mutter“, sagt die studierte Kommunikationswissenschaftlerin lachend. Nur bei den Männern musste sie genauer hinhören. Nach und nach entwickelte sie ein neues Aufgabenkonzept für Familien und sah von da an ziemlich viele glückliche Väter. „Endlich bin ich die Schuldgefühle los und höre keine Vorwürfe mehr“, war der häufigste Satz, den sie nach den Sitzungen zu hören bekam.

 Wie funktioniert der moderne Alltag einer Familie? Wie bekommt man mehr gute Laune hin? „Ein Baustein ist die Chefrolle, die nach Absprache täglich oder wöchentlich wechselt“, sagt Eva Kessler. „Diese Position löst die Rolle der Hausfrau und des Familienoberhaupts ab.“ Der Chef ist nach der Arbeit für alles zuständig. Pflaster aufs Knie kleben, Abendbrot machen, Hausaufgaben beaufsichtigen, Kinder zum Sport fahren. Der Partner ist in der Zeit nur Mitbewohner. Genießt die Zeit und hält sich raus. „Anfangs ist das völlig ungewohnt für die Frauen, wenn ihre Männer diese Chefrolle übernehmen. Deshalb rate ich immer, dass sie in der ersten Zeit aushäusig sind. Zum Sport gehen oder eine Freundin besuchen“, sagt sie. „Kinder lieben diese Chefeinteilung heiß und innig. Sie bekommen dadurch Orientierung. Es gibt nicht zwei Meinungen.“

 Schmunzelnd schiebt sie hinterher, dass die Kinder das dann auch geschickt nutzen. Wie lange sie abends wegbleiben dürfen, wird dann vielleicht lieber in der Vater-Chef-Zeit gefragt. Das Tolle an dieser neuen Rollenverteilung: „Die Väter bekommen einen Blick dafür, was notwendig ist.“

 Der zweite wichtige Baustein im Familienkonzept sei der Familienrat. „Er hilft, Kinder ab neun Jahren zu motivieren, im Haushalt mitzuhelfen“, sagt die Expertin. „Einmal die Woche setzt man sich als Familie zusammen und bespricht, was gut und was schlecht gelaufen ist. Gemeinsam sucht man dann nach Lösungen.“ Insgesamt sechs Bausteine oder Werkzeuge hat die Familienberaterin und Supervisorin in ihrem Buch zusammengetragen.

 Wobei sie ihr 160-Seiten-Werk weniger als richtiges Buch versteht. „Ich schreib’ ja nicht, wie es gemacht werden soll. Sondern ich gebe den Familien das Handwerkszeug.“ Wie sie das Konzept dann mit Leben füllen, wer welche Aufgaben übernimmt, das entscheidet jede Familie ganz allein. Ursprünglich hatte ein Vater angeregt, daraus eine App zu machen. „Den Gedanken fand ich sehr faszinierend. Ich möchte ja junge Menschen ansprechen“, sagt Eva Kessler. „Aber ein Buch lässt dem Leser zwischen den Zeilen Nachdenkzeit. Das ist ein unschätzbarer Vorteil.“

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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