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Zum Meckern ist es noch viel zu früh

Spargelanbau Bokel Zum Meckern ist es noch viel zu früh

Zu Gast bei Spargelbauer Jürgen Ihrck aus Bokel: Die leckeren Stangen gibt es erst rund zehn Tage später als im Vorjahr. Die Temperaturen sind zu niedrig. 2016 kann aber noch ein gutes Jahr werden, sagt der Landwirt. Auf 400 Hektar wird in Schleswig-Holstein Spargel gepflanzt.

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Spargel auf Tauchstation: Sofort nach dem Stechen werden die Stangen gewaschen, um den rasch antrocknenden Boden zu entfernen: Die Brüder und Erntehelfer Daniel (links) und Piotr Ochal mit ihrer Ernte.

Quelle: Beate König

Bokel. „Vier Grad.“ Der Check des Außenthermometers fällt für Spargelbauer Jürgen Ihrck aus Bokel ungünstig aus. Der Spargel wächst nur, wenn es wärmer ist. Zehn Tage später als 2015, schätzt der Landwirt, wird wegen Kälte und Frost die Ernte dieses Jahr beginnen. „Zum Muttertag.“

 Zum Meckern, findet der 72-Jährige, ist es jedoch noch deutlich zu früh. In den vergangenen zwei Jahren waren die Erträge gut. „2016 kann noch ein gutes Jahr werden.“ Auf acht Hektar Spargelacker baut der Familienbetrieb das edle Gemüse an. „Wir sind eins der kleinen Unternehmen. Im Land wird auf 400 Hektar Spargel angepflanzt.“ Die Ernte, 2015 rund 40 Doppelzentner pro Hektar, geht zu 50 Prozent in den Hofladen. Ihrcks beliefert auch Lebensmittelgeschäfte in der Region und Restaurants.

Spargel auf Tauchstation: Sofort nach dem Stechen werden die Stangen gewaschen, um den rasch antrocknenden Boden zu entfernen: Die Brüder und Erntehelfer Daniel Ochal (links) und Piotr Ochal mit ihrer Ernte.

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 Erst im Jahr 2000 stellte der Milchbauer auf den Spargel-Anbau um. „Ein Nischenprodukt. Da haben die Nachbarn geguckt.“ In den Melkstand wurde der Fußboden für den Hofladen eingezogen, im Stall wurden der Kühlraum und die Maschinen untergebracht. „Es gab Rückschläge, wir haben Lehrgeld bezahlt“, erinnert sich der 64-Jährige an den Anfang. Die Eigenheiten jeder Sorte beim Pflanzabstand zu berücksichtigen, den Moment erkennen, wenn unter den schwarzen Deckplanen auf dem Feld aus der wachstumsfördernden Wärme Hitze wird, die den Spargel in der Erde kocht, ist eine Kunst für sich.

 Inzwischen wachsen fünf Sorten, die früh und spät reifen, auf den Feldern mit dem moorigen Boden. Tipps für die Sortenauswahl holten sich die Ihrcks bei der Landwirtschaftskammer. „Dunkler Boden heißt weißer Spargel“, sagt Betriebsleiterin Barbara Ihrck. Was das Gemüse exklusiv macht? Handarbeit bei der Ernte. Vier bis fünf Mal, schätzt die 42-Jährige, wird jede Stange vom Stechen bis zur Sortierung in Güteklassen angefasst. Die Erntehelfer aus Polen legen als erste Hand, oder besser gesagt, das Stechmesser an. Zehn Stunden an sechs Tagen pro Woche, Stange für Stange. Ein harter Job, der auf den Rücken geht. Einzige Maschine auf dem Feld ist ein Planen-Wender.

 Die meisten Helfer kommen dennoch seit Jahren. Für sieben Wochen Arbeit gibt es bis zu 3500 Euro. „Das ist für sie viel Geld“, sagt Jürgen Ihrcks. Eine Woche vor Erntebeginn bucht er die Helfer per Anruf. Zwölf teilen sich die Saison und die schlichte Unterkunft auf dem Hof. In Zukunft wird der gesetzliche Mindestlohn ein Kostenfaktor sein, der die Spargelpreise weiter nach oben treiben wird. „Dieses Jahr sind es für landwirtschaftliche Betriebe acht Euro pro Stunde, nächstes 8,70 Euro, 2018 werden es 9,15 Euro.“

 In Zehn-Kilo-Kisten wird der geerntete Spargel per Muskelkraft erst in ein Reinigungsbad auf dem Feld, dann zum Schockkühlen in Eiswasser getaucht. Zwei Grad kalt ist das Gemüse, wenn es in die Sortieranlage kommt. Zwei Paar Handschuhe „und eine Oma, die noch Wollschlüpfer stricken kann“, sagt Ihrcks, zählen am Transportband zur Grundausstattung. Bei Hochsaison legen zwei Erntehelfer auf Tempo die Stangen aufs Band. Ein Fotosensor misst Dicke, Farbe und Länge und ordnet die Stangen in zwölf Güteklassen ein. Das Maximal-Tempo von 16000 Stück pro Stunde fahren die Ihrcks nicht. „Sonst gibt es zu viel Bruch.“

 Letzte Station vor Kühlraum und Verkauf: Damit das Gemüse der Premiumklasse nicht nur mit Geschmack, sondern mit Optik punktet, entfernen Erntehelferinnen kleine Rostflecken. Per Hand, wie sonst.

 Gijnlim, Baklim, Ravel und Cumulus – so heißen die Spargelsorten, die zu 90 Prozent auf den 400 Hektar Anbaufläche im Land gepflanzt werden, sagt Thomas Hanf, Spargelanbauberater von der Landwirtschaftskammer. Die ursprünglich aus den Niederlanden stammende Gijnlim und die deutsche Ravel sind früh erntereif. Baklim und die seltener angepflanzte Herkolim sind späte Sorten. Wer Prima Verde anbaut, erntet die hauptsächlich im Land gepflanzte grüne Spargelsorte. Spargelpflanzen bringen ab dem dritten Jahr den Maximalertrag, acht Jahre kann geerntet werden.

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