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Keine bastelnden Kita-Tanten

Eckernförde Keine bastelnden Kita-Tanten

Warnstreik bei den Kitas: Alle vier städtischen Kindertagesstätten in Eckernförde hatten am Mittwoch ihre Türen geschlossen. Die Mitarbeiterinnen folgten einem Aufruf der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Die Forderung: mehr Entgelt und mehr Wertschätzung für die Berufe in der Kinderbetreuung.

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Rund 30 Kita-Mitarbeiterinnen aus Eckernförde und Padenstedt sammeln sich zum Streik-Treff im Ostseebad.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde. In Flensburg, Padenstedt und Eckernförde lief am Mittwoch der ganztägige Warnstreik im Rahmen der bundesweiten Tarifrunde Sozial- und Erziehungsdienst. Die Kita-Mitarbeiterinnen nutzten ihn auch, um mit Klischees aufzuräumen. „Für manche sind wir die Kita-Tanten, die mit den Kindern basteln, singen und malen“, kritisiert eine Erzieherin. „Dabei bereiten wir die Kinder auf das Leben vor.“ Die Anforderungen im Berufsalltag sind gestiegen.

„Ansprüche und Aufgaben haben sich gewandelt“, bekräftigt Andrea Dechow, Leiterin der Kita-Nord in Eckernförde. Die Kinder hätten sich im Vergleich zu früheren Jahren verändert, es gebe viele Mankos, die in der Betreuung aufgefangen werden müssten. Dies gelte für verschiedene Bereiche wie Sprache, Bewegung, Wissen oder soziale Kompetenz. Hinzu kämen immer mehr Elterngespräche, Integrationsarbeit und die Pflicht zur schriftlichen Dokumentation.

Christina Kuchel, sozialpädagogische Assistentin in der Kita-Süd, kann das bestätigen: „Die Zahl der Kinder, die auffällig sind, steigt. Und sie müssen in die Gruppenarbeit integriert werden.“ Sprachschwierigkeiten und Förderbedarfe nehmen nach ihren Erfahrungen zu. „Manchmal fühlt man sich damit etwas alleingelassen“, sagt Kuchel. Gleichzeitig seien alle bestrebt, die Kinder entsprechend zu fördern. In diesem Bemühen wünschen sie und andere Erzieherinnen sich mehr Wertschätzung für den Beruf. „Wir betreuen die Kinder schließlich in einer prägenden Phase, und wir bereiten sie auf die Schule vor.“

Doch dabei sind die Mitarbeiterinnen in den Kitas zunehmenden Belastungen ausgesetzt: Lärm, der Stress, manchen Kindern nicht die Aufmerksamkeit geben zu können, die sie brauchen, sowie personelle Engpässe in Krankheits- und Urlaubsphasen. Verdi fordert auch aus Gründen der Leistungsverdichtung eine Aufwertung des meist von Frauen ausgeübten Berufes über einen besseren Lohn, der vergleichbaren Männerberufen entspricht. Rund zehn Prozent mehr will die Gewerkschaft. „Das ist ein erster Schritt“, sagt Gewerkschaftssekretärin Carina Schulz. Ein zweiter zielt auf die Rahmenbedingungen für die Kita-Mitarbeiterinnen ab.

Denn: „Die Kita-Gruppen werden eher größer als kleiner“, so Schulz. Und die Personaldecke sei in einigen Häusern zu dünn. Viele Eltern stehen hinter den Forderungen, schließlich geht es um die Betreuung ihrer Kinder. Vor dem Warnstreik in Eckernförde waren die Eltern informiert worden. Die Resonanz war nach Angaben von Zeynep Möckel von der Kita Püschenwinkel überwiegend positiv. „Viele haben uns gewünscht: Hoffentlich erreicht ihr was.“

Notfallgruppen mussten gestern nicht eingerichtet werden. Das könnte sich ändern, wenn es zu einem echten Streik käme. Heute läuft die nächste Verhandlungsrunde in Düsseldorf.

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
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