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Kurzweilige Debatte mit Gregor Gysi

Stegner trifft... Kurzweilige Debatte mit Gregor Gysi

Warum der ehemalige Linken-Fraktionschef Gregor Gysi eine "große Klappe" hat. Was SPD-Landeschef Ralf Stegner aus seiner Zeit als Fußballschiedsrichter mit in die große Politik genommen hat. Und was beide zu einem gemeinsamen Kanzlerkandidaten von Rot-Rot-Grün sagen...

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 Gregor Gysi nahm sich vor der Veranstaltung Zeit für Interwievs, sein Gastgeber Ralf Stegner wartete das geduldig ab.

Quelle: Frank Scheer

Bordesholm. Das erfuhren die Gäste der Veranstaltung "Stegner trifft..." am Dienstag in Bordesholm.  Die SPD hatte die Zugkraft Gysis etwas unterschätzt. 900 Anmeldungen hatte es nach Angaben von Pressesprecherin Mareike Overbeck gegeben. Viele Absagen mussten per Mail im Vorhinein bereits erteilt werden, weil nur rund 200 Zuhörer in das Savoy-Kino hinein dürfen. Viele Interessierte waren aber trotzdem gekommen, lange Schlangen bildeten sich vor dem Eingang. Die, die keinen Einlass fanden, konnten die kurzweilige Debatte auf einem Fernsehschirm neben dem Filmtheater draußen verfolgen. Bei den sommerlichen Temperaturen waren viele aber darüber gar nicht böse, weil es im Saal doch ziemlich heiß wurde. Drinnen wie draußen erlebten die Zuhörer einen munteren Talk der beiden Politiker, der von der Journalistin Cosima Schmitt moderiert wurde.

Gregor Gysi zu Gast in Bordesholm

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Persönliches stand zunächst im Mittelpunkt: Gregor Gysi erklärte seine "große Klappe" mit der "genialen Rhetorik seines Vaters". Er habe sich immer etwas einfallen lassen müssen, um bei ihm zu Wort kommen zu können, erklärte er schmunzelnd. Sein Interesse an der Politik sei auch durch das Elternhaus früh geprägt worden, führte der Jurist aus. Seine Familie habe das Privilleg gehabt, zu DDR-Zeiten Besuch aus den USA und Europa bekommen zu dürfen.

Aus seiner Zeit als Fußball-Schiedsrichter würde er kennen, wenn die Leute pfeifen, erklärte der streitbare SPD-Landeschef auf die Nachfrage der Moderatorin. Auf die Politik umgemünzt sieht er es so: Man liege nicht immer falsch, wenn man anecke. "Die, die allen gefallen, können nichts", erklärte der in Bordesholm lebende stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD. Sein Vater habe den Spiegel gelesen und den habe auch er spannend gefunden. "Willi Brandt hat mir imponiert. Und ich habe viele in der Politik gesehen, wo ich gesagt habe, das kann ich auch", erklärte Stegner seinen Weg in die Politik.

Eine klare Absage erteilten Gysi wie Stegner an Fremdenhass und der AfD. Auf die Frage eines gemeinsamen Kanzlerkandidaten von SPD, Grünen und Linken, die natürlich bei solch einem Talk auch gestellt werden muss, gab es Gemeinsamkeiten und Abneigung. Stegner: "Wir wollen auf keinen Fall eine Fortsetzung der Großen Koalition." Bei den Linken sehe er aber bei einer Kanzlerwahl die Gefahr, dass der Kandidat durchfalle. "Ein bisschen mehr Gysi und weniger Wagenknecht wäre schon schön", so Stegner. Er sehe zwar zwischen SPD und Linken auch Gemeinsamkeiten, aber "viele der Leute wollen nicht regieren". Gysi betonte, dass man nur mit der CDU in der Opposition die AfD überflüssig machen könne. Die Sozialdemokraten sollten über ihren Schatten springen.

Zur Linken sagte er: "Wer nicht kompromissfähig ist, ist nicht demokratiefähig. Wer aber zu viele Kompromisse macht, gibt seine Partei auf." Aus Sicht Gysis seien 90 Prozent der Linken-Wähler für eine Regierungsbeteiligung und 80 Prozent der Mitglieder wollten die.

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Ein Artikel von
Frank Scheer
Holsteiner Zeitung

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