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Das Wichtigste ist das eigene Bild

TuS Jevenstedt Das Wichtigste ist das eigene Bild

150 Fußballkinder stürmten am Wochenende den Verkaufstresen auf dem Sportplatz des TuS Jevenstedt. Ziel ihrer Begierde war ein vereinseigenes Stickeralbum. Anders als in einem Panini-Album sind darin keine großen Stars zu sehen. In dem Album werden alle aktiven Fußballspieler des Vereins abgebildet.

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Der siebenjährige Till (re.) hat das Vereinslogo im Gesicht und Fußball im Blut. Nun hat ihn und seine Freunde auch noch die Sammelleidenschaft gepackt.

Quelle: Michael Kaniecki

Jevenstedt. Verkäuferin Stefanie Plikat konnte die Jungs und Mädchen nur beruhigen, indem sie den Verkaufsstart eine halbe Stunde vorverlegte. Über den Tresen gingen hunderte kostenloser Stickeralben und Aufkleber im Fünferpack zu 80 Cent. Das Besondere: Anders als bei Panini sind auf den Bildern nicht die großen Stars zu sehen, sondern 360 Vereinsmotive, darunter alle 250 aktiven Fußballspieler des Dorfvereins – von der G-Jugend bis zu den Herren.

 Der zehnjährige Jared Fischer hat mächtig Glück. Gleich in seiner zweiten Tüte ist das, worauf er schon Tage hingefiebert hat: das eigene Bild. Während unter blauem Himmel und lauter Musik die Vereinsaktiven zu Punktspielen und der Sticker-Kick-Off-Party zusammenkommen, hat sich Jared in eine Sitzecke neben dem Vereinsheim zurückgezogen, um in aller Ruhe das Auspacken und Aufkleben zu genießen. Vor ihm zehn Stickerpackungen mit je fünf Aufklebern. Längst nicht alle Tüten sind geöffnet, da klebt er ganz fix sein Foto auf die Seite seiner Mannschaft, der D2. „Ansonsten habe ich nur noch meinen Trainer“, lässt er schnell wissen und reißt schon das nächste Päckchen auf.

 Am Tisch nebenan sind sogar die Erwachsenen zugange: D1-Trainer Matthias Nickels hat sein eigenes Stickeralbum vor sich liegen. Auch sein Porträt klebt bereits. „Aber das ist mir jetzt nicht so wichtig“, meint er. „Ich will das Album schnell voll kriegen. Ich sehe das wie ein Jahrbuch, als schönes Andenken eben.“ Die Familie Nickels hat sich daher auch gleich drei Alben besorgt; Sohn Ben (12) und Tochter Anna (6) brauchen als Fußballer natürlich ihr eigenes.

 Genauso hatte es sich Jugendwart Timo Görlitz vorgestellt: „Mit dem Sammelalbum wollen wir Groß und Klein begeistern, den Austausch stärken und Erinnerungen für die Ewigkeit schaffen.“ Für diese Ziele organisiert er seit März das Sticker-Projekt. „Nach Alemannia Wilster in Dithmarschen sind wir jetzt der zweite Verein in Schleswig-Holstein mit einem Amateurstickeralbum“, sagt er stolz. Für die Umsetzung holte er eine auf diese Projekte spezialisierte Berliner Firma ins Boot. Die Stickerstars GmbH ist seit „drei Jahren am Markt und hat bisher mit 100 Vereinen Stickeralben-Projekte gemacht“, erklärt Vertriebsmitarbeiter Thomas Filkorn. Das Konzept der Firma ist schlau: Sie liefert Alben sowie Sticker und unterstützt das Projektmanagement. Der Verein organisiert die Abläufe, wie das Fotoshooting, und ein ortsansässiger Supermarkt trägt als Sponsor die Projektkosten von 4000 Euro. Im Fall von Jevenstedt war es Stefanie Plikat. Sie betreibt in der dritten Generation den örtlichen Edeka-Markt. „Das Thema Geld war bei uns gar nicht so hochrangig“, berichtet Görlitz. Doch dann grinst er, denn das Projekt kommt nicht nur gewaltig gut bei den Fußballern an, sondern auch bei 30 Betrieben im Ort, die nun mit einer Anzeige im Stickeralbum vertreten sind. „So konnten wir uns wirklich gut refinanzieren“, strahlt auch Stefanie Plikat. Sie hat ihren Einsatz wieder raus und verkauft nun die Sticker in ihrem Supermarkt. „Der Verein hat durch die Sponsoren-Einnahmen auch 4000 Euro eingenommen plus anteilige Einnahmen vom Stickerverkauf in Höhe von 500 bis 1000 Euro“, rechnet Görlitz vor.

 Doch dieser wirtschaftliche Erfolg interessiert die Fußballkinder nicht. Sie ringen um den besten Sticker. Und das ist nicht Ronaldo oder Messi. Nein. Für dieses Stickeralbum gibt es über 250 beste Bilder. Nicht nur jeder Fußballer, sondern auch Ehrenämtler und Funktionäre werden verklebt. Kjell Wagner (14) ist noch nicht fündig geworden. Dafür hat sein Freund Luca Denzin (15) Kjells Bild gezogen. Doch das will dieser erst zum Tausch rausrücken, wenn er im Gegenzug seinen Sticker erhält. Kjell kann jetzt alternativ auf die geplante Tauschbörse hoffen oder auf die Strategie seines elfjährigen Bruders Lasse setzen: „Solange kaufen, bis ich mich gezogen habe.“

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Ein Artikel von
Karen Schwenke
Lokalredaktion Kiel/SH

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