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Entdeckungen bei der Arbeit unter Wasser

Strande Entdeckungen bei der Arbeit unter Wasser

Die Dänen und die Schweden waren sich nicht immer grün. Vor 300 Jahren führte das zu einer folgenschweren Auseinandersetzung auf der Ostsee, die bei Fehmarn begann und bei Bülk vor Strande endete. Dort setzte in aller Not der schwedische Konteradmiral Carl Hans Wachtmeister die Hedvig Sofia, auf Grund, um das Schiff nicht den Dänen zu überlassen.

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Gerd Schneider befragt die beiden Taucher Rolf und Gerald Lorenz über deren Entdeckung des Wracks (von links).

Quelle: Kai Pörksen

Strande.  Nicht weit von dieser Stelle, nur etwa eine Seemeile entfernt, schildert Rolf Lorenz auf Einladung des Kulturforums Strande und dessen Vorsitzenden Gerd Schneider im Leuchtturm-Pavillon in Bülk vor ausverkauftem Haus seine Entdeckung des Wracks, die er im Jahr 2008 machte. „40 Jahre habe ich dieses Schiff gesucht, und nun finde ich es aus purem Zufall“, berichtet er. Der Berufstaucher war angetreten, um Schäden in einer Druckleitung des Klärwerks Bülk zu reparieren, die weit hinaus auf das Meer führt.

 Mit einem Unterwasserscooter fährt er die Leitung entlang und sieht sich kurz nach deren Ende – keine hundert Meter weiter – einem gewaltigen Steinhaufen gegenüber. Er erkennt: Es handelt sich um Ballaststeine in einer Menge, die auf ein bedeutendes Schiff schließen lassen. Er informiert das archäologische Landesamt, der Stein kommt ins Rollen, eine erste Kanone wird geborgen, Holzreste von Spanten unter den Steinen werden geborgen und analysiert. Man kann feststellen, wo und wann der Baum gefällt worden ist. Bald ist ziemlich wahrscheinlich, dass es sich um die Hedvig Sofia handelt.

 Lorenz, der schon viele Jahre gemeinsam mit seinem Sohn Gerald auf Tauchgang geht, berichtet ruhig und trocken, Pathos ist nicht sein Ding. Wer viel unter Wasser unterwegs ist, der redet nicht so viel und macht auch nicht so viel Aufhebens um Entdeckungen, auch wenn um so bedeutende wie um dieses Wrack geht. „Der Reiz am Tauchen ist“, so Lorenz, „immer etwas Neues zu entdecken, unbekannte Wracks oder Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs.“

 Das ginge manchmal auch an die Nieren: So entdeckte der Berufstaucher vor einigen Jahren ebenfalls nicht weit vor Bülk ein Flugzeug, eine englische Hallifax, die am 2. Oktober 1943 von der Flak abgeschossen wurde und sich mitsamt der Besatzung in den flachen Meeresboden bohrte. Wrackteile und Knochenreste zeugten davon. „Davon wurden wir Taucher doch sehr berührt“, so Lorenz.

 Eine der jüngsten Entdeckungen allerdings führte zeitlich viel weiter zurück: In der Kieler Bucht stießen er und sein Sohn auf Reste einer Steinzeitsiedlung. Die gefunden Pfeilspitzen waren noch so scharf, dass sich Gerald Lorenz daran durch den Handschuh hindurch verletzte. Dafür gab es für Rolf Lorenz aber die Goldene Schaufel für Hobby-Archäologen, eine große Auszeichnung.

 Inzwischen, mit über 60 Jahren, sieht Lorenz seine Arbeit insgesamt gelassener. Immer noch reizten ihn die Entdeckungen unter Wasser, aber im Gegensatz zu früher ist er nicht mehr unbedingt bestrebt, die Dinge ans Tageslicht zu bringen. „Das meiste geht kaputt und verliert, einmal geborgen, seinen Zauber. Es verrostet, löst sich auf, zersetzt sich. Manchmal ist es besser, es dort zu lassen, wo man es findet. So bleibt es der Nachwelt am besten erhalten.“

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Kai Pörksen

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