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"Die Wertschätzung fehlt"

Kita-Erzieher streiken "Die Wertschätzung fehlt"

In der Kita Neuwerk in Rendsburg ist Ulrike Soltau-Leverkühne mit 59 Jahren die älteste Erzieherin. Sie liebt ihren Beruf. Sie sagt auch: „Die Wertschätzung fehlt.“ Der Lohn sei zu gering. Deshalb streikt sie an diesem Donnerstag.

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Sie liebt ihre Arbeit, auch wenn sie bisweilen aufreibend ist: Ulrike Soltau-Leverkühne ist mit 59 Jahren die älteste Erzieherin in der Kita Neuwerk in Rendsburg.

Quelle: Jörg Wohlfromm

Rendsburg. 120 Kinder besuchen die Kita neben der Imland-Klinik, die jüngsten haben noch Windeln, die ältesten gehen demnächst zur Schule. Die ersten kommen morgens vor 6 Uhr, manche ohne Frühstück. Ulrike Soltau-Leverkühnes beginnt um 8 Uhr. In ihrer Gruppe hat sie auch müde Kinder, die dann schon zwei Stunden in der Kita sind.

„Früher kamen sie ausgeschlafen“, sagt die Erzieherin: Heute schaffen es manche Eltern nicht, ihren Kindern noch Frühstück zu machen. Denn sie müssen pünktlich zur Schicht erscheinen. Viele Mütter sind Krankenschwestern in der Klinik nebenan. Das Frühstück ist dann Aufgabe der Kita. Eltern haben zu Hause zunehmend weniger Zeit für ihre Kinder, sagt Ulrike Soltau-Leverkühne.

1977 hat die Erzieherin angefangen in der Kita Neuwerk. „Damals hatte ich 25 Kinder in der Gruppe. Sie waren anders.“ Zuhause habe es mehr Regeln und Grenzen als heute gegeben. Inzwischen säßen die Kinder lange vor dem Fernseher. Oder sie spielen am Rechner. Dann drehen sie in der Kita auf. „Früher waren die Kinder ruhiger. Da war es kein Problem mit 25 Kinder in der Gruppe. Heute sollten 15 die Höchstgrenze sein.“ Der Lärmpegel sei oft zu hoch. „Das liegt natürlich an der Gruppengröße.“

20 Kinder sind in ihrer Gruppe. „Abschalten ist schwer, man nimmt vieles mit“ nach Arbeitsschluss. „Ich brauche danach schon meine Ruhe.“ Die Erzieherin hat Verständnis: „Die Kinder müssen sich austoben und bewegen. Wir müssen oft schlichten.“

Und ausgleichen. Ulrike Soltau-Leverkühne erzählt von Kindern, die am Wald wohnen aber mit ihren Eltern noch nie im Wald waren. „Wir gehen bei jedem Wetter raus.“

Ihr Berufsleben lang hat sie Kinder auf den Arm genommen. Inzwischen nicht mehr. „Die Kräfte lassen nach. Jeder von uns hat es im Kreuz und im Rücken.“

Irgendwann im Gespräch fürchtet Ulrike Soltau-Leverkühne, ein Negativbild könnte entstehen. „Ich mache das gerne“, korrigiert sie. „Sonst würde ich aufhören.“ Und: „Man bekommt so viel zurück von den Kindern.“ Dann erzählt sie von Eltern, die sich engagieren, Sommerfeste, Abschiedsfeiern und Laternelaufen gestalten. Oder von aufgekratzten Kindern, die mit der Zeit ausgeglichener werden.

Im Kita-Flur hängt ein Transparent: „Nur wenige KollegInnen können diesen Beruf bis zu ihrer Rente ausüben.“ Ulrike Soltau-Leverkühne sagt: „Ich weiß auch nicht, ob ich das schaffe.“

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Jensen
Holsteiner Zeitung

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