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Klönschnack, Socken, Brötchen

„Tante Emma“ in Schwedeneck Klönschnack, Socken, Brötchen

Die „Tante Emma“-Schilder fallen an der Ortsdurchfahrt in Dänisch Nienhof jedem auf. Seit 2003 betreibt Isabella Munoz (59) mit Herz und Einsatz den kleinen Laden und sichert damit die Grundversorgung im Ort, von Brötchen bis zu Socken – Klönschnack gibt’s gratis.

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Erzieherin Conny Huismann (mit Linna, 1) vom Kindergarten nebenan kauft – wie Stammkunde Hans-Jürgen Clement – gerne bei Isabella Munoz ein.

Quelle: Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck

Schwedeneck. Links der Laden mit Holzregalen und übersichtlichem Sortiment, rechts das Café – und mittendrin steht Isabella Munoz an der Kasse, begrüßt freundlich und offen die Besucher. „Es ist ein bisschen wie Bullerbü hier“ sagt eine Kundin aus Dresden. Mit ihrer Tochter wohnt sie in der Mutter-und-Kind-Klinik Schwedeneck. Und weil die Kleine beim Lungentest tapfer war, darf sie sich nun in der Naschi-Bar etwas aussuchen. Die Dresdenerin genießt den Service im Lädchen, kauft immer mal Kleinigkeiten. Und wird hier vor der Rücktour per Bahn die sperrigen Wanderschuhe per Post aufgeben.

 Denn Tante Emma muss heute vielseitig sein: Von Anfang an gab es im etwa 80 Quadratmeter großen Laden einen Postservice. Eigentlich ist die gebürtige Kielerin Munoz Bürokauffrau. Doch sie war arbeitslos, als die Gemeinde jemanden suchte, der die Nahversorgung in diesem Winkel des Dänischen Wohldes sicherstellen sollte. „Damals gab es Netto in Surendorf noch nicht, auch nicht den Sky-Markt in Kiel-Schilksee“, erzählt die 59-Jährige. Durch die Konkurrenz sind die Zeiten schwerer geworden. Auch das Berliner Ferienlager, das ihr viel Kundschaft brachte, gibt es nicht mehr. Isabella Munoz erzählt es nicht klagend, sondern pragmatisch-nüchtern. Es ist eben so.

 Und es ist auch so, dass sie viel arbeiten muss fürs Auskommen. Um 6 Uhr beginnt sie, um 7 öffnet der Laden. Dann gibt es frisches Brot, frische Brötchen. „Wir backen selbst, mit Rohlingen.“ Alles rund ums Frühstück ist gefragt: Eier aus der Region, Milch, Butter, Quark, ein bisschen Aufschnitt, auch Kaffee und Kuchen. Die Fischbrötchen, neu im Angebot, kommen auch an. Ansonsten beschränkt die 59-Jährige das Lebensmittelangebot auf Kleinigkeiten, die man schnell zubereiten kann, wie Dosensuppe und Würstchen. Dazu Wichtiges wie Zahnpasta, Shampoo, Waschpulver. Denn mit den Discounterpreisen der Konkurrenz kann Isabella Munoz nicht mithalten.

 Dafür gibt es bei ihr handgestrickte Socken einer Schwedeneckerin, die den Erlös für einen guten Zweck spendet. Touristen finden hier maritime Souvenirs und Postkarten, im Sommer Strandspielzeug: „Und Badeschuhe – wichtig wegen der Steine am Strand.“

 Im Café-Bereich steht ein Regal mit Gebrauchtbüchern, als Tauschbörse. Früher nahm Munoz nichts dafür, „aber was nichts kostet, ist nichts wert“. Deshalb zahlen Nutzer nun 50 Cent fürs Buch. Auch der Sparclub trifft sich bei „Tante Emma“. Der Laden ist ein zentraler Treffpunkt im Ort. „Das ist uns auch wichtig“, sagt Bürgermeister Gustav-Otto Jonas (SPD). Und: „Frau Munoz ist ein Glücksfall für uns!“

 Stammkunde Hans-Jürgen Clement kommt ins Lädchen. Er schätzt den Klönschnack: „Das ist mein Boxenstopp hier mit dem Rad.“ Nicht nur seiner: Der Europaradweg führt an „Tante Emma“ vorbei, viele Radler und Wanderer legen hier eine Pause ein. Bei wärmerem Wetter kann man gemütlich draußen sitzen.

 Von 12 bis 15 Uhr macht Munoz Mittagspause. Die nutzt sie, um zum Großmarkt zu fahren oder andere Besorgungen zu erledigen. Und dann öffnet „Tante Emma“ noch einmal von 15 bis 18 Uhr. Zwei Teilzeitmitarbeiterinnen, Emma Simon und Birgitt Rohde, unterstützen sie, und „der Bürgermeister ist immer ansprechbar bei Problemen“.

 Urlaub kennt Isabella Munoz nicht. Dennoch glaubt man es der 59-Jährigen sofort, wenn sie sagt: „Es macht mir Spaß, hier gibt es tolle, liebe Leute!“

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Ein Artikel von
Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Redaktion Lokales Kiel/SH

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