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Als Baby „verschenkt“

Bordesholm Als Baby „verschenkt“

"Die verschenkte Tochter" heißt das Erstlingswerk von Tinga Horny, das seit Freitag in den Buchläden zu bekommen ist. Die 56-jährige Autorin, die seit 2013 mit ihrem Mann in Bordesholm lebt, hat in dem 180 Seiten starken Taschenbuch ihre spannende Lebensgeschichte aufgeschrieben.

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Die Bordesholmerin Tinga Horny hat ihr Erstlingswerk "Die verschenkte Tochter" vorgestellt.

Quelle: Frank Scheer

Bordesholm. „Wenn man so ein Buch schreibt, dann ist das schon Therapie“, sagt die sympathische Autorin bei der Vorstellung in der Ahlmannschen Buchhandlung. Sie sei Deutsche durch und durch, aber ihre chinesischen Wurzeln sind optisch unverkennbar. Im Alter von zehn Tagen war das kleine Mädchen – ein Seitensprung-Kind zweier Hongkongchinesen – von ihrem Vater in einem katholischen Waisenheim in München abgegeben worden, mit vier Jahren wurde sie von einem Münchener Ehepaar adoptiert. Nach dem Abitur ging sie nach China und studierte dort Sinologie. Im Anschluss arbeitete sie als Journalistin, zuletzt für Fokus online in München.

 Tinga Horny erzählt ihre Geschichte ziemlich nah. Wie schwierig es allein schon war, in der Schule unter den Mitschülern zu bestehen, nur weil man etwas anders aussieht. „Mitte der 60er Jahre lebten noch nicht viele Chinesen in Deutschland“, erklärt sie. Da musste man stark sein. Für sie sei es aber auch immer klar gewesen, dass sie in China studieren will. Von 1979 bis 1986 machte sie das auch. „Eine spannende Zeit war das, weil sich der Staat damals völlig gewandelt hat.“

 Später habe sie dann angefangen, nach ihren Wurzeln zu forschen. „Adoptivkinder machen das immer im mittleren Alter“, erklärt sie. Nach vielen Recherchen hat sie auch ihre Mutter ausfindig machen können – in Brasilien. Sie sei ein in Deutschland geborenes Seitensprung-Kind gewesen, und hätte Schande über die wohlhabenden Familien, die in Hongkong gelebt haben, gebracht. In Unterlagen des Waisenhauses stehe die Aussage des Vaters: „Ich schenke euch das Kind.“ Zu ihren Eltern hat Tinga Horny heute keinen Kontakt. Es sei aber wichtig gewesen, sie zu treffen.

 In ihrer Geschichte, die sie 2014 in Bordesholm geschrieben hat, beleuchtet und kritisiert die 56-Jährige vor allem das chauvinistische Frauenbild in China. „Ich war eine Wohlstandsabgabe“, urteilt sie. Nach Bordesholm habe sie ihr Mann Wilhelm Busse mitgenommen. Seine Schwester und viele seiner Freunde lebten hier. Mittlerweile hat sich Tinga Horny gut eingelebt. „Die Menschen sind sehr offen. Und der Himmel ist hier so wunderschön hoch, ist inspirierend.“ Vor kurzem sei sie wieder mal in München gewesen. „Da ist das alles so pressig, eng und reich“, empfindet sie.

 An einem zweiten Buch arbeitet sie zwar noch nicht, aber Ideen dafür hat sie schon. Die verschenkte Tochter ist bei Bastei Lübbe erschienen. In Bordesholm ist es in der Ahlmannschen Buchhandlung erhältlich.

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