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Jessi legt sich ins Geschirr

Langwedel Jessi legt sich ins Geschirr

Eine Biogärtnerei aus Langwedel setzt drei Irische Tinker bei der Feldarbeit ein. Die Kaltblutpferde sind für die Arbeit in den Gemüsebeeten besonders geeignet.

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Zu dritt ans Werk: Während Andreas Schroeren Stute Jessi lenkt, sorgt Angela Nagel dafür, dass das Arbeitsgerät in der Spur bleibt, immer verfolgt von Hund Bahgkti.

Quelle: Nora Saric

Langwedel. Sie macht keinen Krach wie ein Traktor, die 20-jährige Irische Tinker-Stute Jessi. Und sie braucht keinen Diesel. Ab und zu ist ein Schnauben des Pferds zu hören, sonst nur Vogelgezwitscher rund um die Felder der Biogärtnerei Quecke in Langwedel – und die kurzen mündlichen Kommandos von Andreas Schroeren, der mit seiner Frau Angela Nagel bereits seit 15 Jahren Pferde beim Gärtnern einsetzt.

 „Fürs Gemüse ist es genau richtig“, sagt Schroeren und lächelt verschmitzt, als er das kräftige , schwarz-weiß gefleckte Kaltblut anschirrt. „Weil Jessi so ruhig ist“, begründet der 57-Jährige. „Aber sie kann auch anders.“ Das Geschirr, das er der Stute anlegt, ist ein größenverstellbares, flexibles schwedisches Kumt. Die langen Zügel sind ohne Gebiss nur am Halfter befestigt. Jessi hört auf Kommandos: „ha“ heißt links, „hott“ heißt rechts und „ho“ heißt anhalten. Zum Losgehen reicht ein kurzes Schnalzen oder „vorwärts“.

 Die Tiere hacken, häufeln und grubbern und eggen: Drei Irische Tinker besitzen die zwei Gemüsebauern mit dem Schwerpunkt Ökolandbau und Landschaftsentwicklung. Zwei, Jessi und der 19-jährige Wallach Mat, werden auf den Feldern zur Arbeit eingesetzt. Die Gärtner bewirtschaften einen Hektar Gemüse. Dazu kommen weitere sechs Hektar Umland mit Streuobstwiesen, Teich und Grünflächen. In der Saison sind hier drei Mitarbeiter beschäftigt, ein paar Schafe zum Rasenmähen und die Irischen Tinker.

 Der Einsatz der Pferde hat rein ökonomische und ökologische Gründe. Beim Stichwort Nostalgie hebt Angela Nagel abwehrend die Hände. Sie würden nicht wie zu Großvaters Zeiten arbeiten, so die 47-Jährige. „Es gibt viele moderne, neu entwickelte Arbeitstechniken mit Tieren, viele aus Amerika und England. Wir denken, dass Pferdearbeiten gerade in Kombination mit technischen Geräten sehr zukunftsweisend sind.“ Auf dem Quecke-Betrieb gibt es nämlich auch einen Trecker. Der wird zum Beispiel zum Pflügen genutzt.

 Kräftig zieht Jessi bei der ersten Runde mit dem Grubber an. Andreas Schroeren muss sie immer wieder bremsen. Nach ein paar Metern arbeitet sie konzentriert mit. Dort, wo sie den Grubber durch den Boden zieht, soll bald Grünkohl wachsen. Mit dem Gerät trennt sie die Wurzeln von den Gräsern und Disteln, die sich dort ausgebreitet haben. Die Pflanzen bleiben in der Sonne liegen, vertrocknen und werden in den Boden eingearbeitet. „Gerade bei unserem lehmigen Boden kann man mit dem Trecker oft nicht fahren und mit dem Pferd hat man viel öfter die Möglichkeit“, so die Gärtnerin weiter. Mit den Hufen würde das Pferd außerdem weniger in den Beeten kaputt machen.

 „Wir sind im Ökolandbau auf einen belebten Boden angewiesen, durchzogen von Wurzeln, Tiergängen und Würmern“, ergänzt ihr Mann. „Ein Pferd ist leichter als ein Trecker, verdichtet den Boden dadurch weniger.“ Und: „Bei uns ist alles sehr kleinflächig. Da geht mit dem Pferd meistens alles leichter und schneller.“ Zudem erhalten die beiden von den Pferden wertvollen Mist, den sie als Dünger wieder verwenden. Der Betrieb soll sich so gut es geht in einem Kreislauf selbst versorgen.

 „Es ist besonders schön, wenn man hinter dem Pferd läuft und nur das Gerät hört, dass durch den Boden geht, nicht das Tuckern vom Trecker“, findet Angela Nagel. Für sie und ihren Mann ist die Arbeit mit den Pferden perfekt: „Für uns eine Verknüpfung von Freizeit und Arbeit.“

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