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Möbel mit Hafengeschichte

Schwedeneck Möbel mit Hafengeschichte

Sie waren vom Wetter gegerbt und rutschig: uralte Holzbohlen auf Hafenstegen in Strande, Kiel, Kitzeberg, Wentorf. Tischler Olaf Kaminsky aus Grönwohld in Schwedeneck macht aus schweren ausgemusterten Planken Designermöbel. Auch die Eiche von Strandes altem Steg sieben wird er mit Säge und Hobel adeln.

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Tischler Olaf Kaminsky aus Grönwohld in Schwedeneck hat ein Faible für von Wind und Salzwasser gegerbtes Holz. Er macht aus verwitterten Eichenbohlen Designermöbel.

Quelle: Cornelia D. Müller

Schwedeneck.  Der Bohrwurm, der im Wasser ungesehen an Dalben nagt und sich durch hölzerne Wasserbauwerke frisst, ist in Wirklichkeit ein Künstler. „Im Bund mit rostigen Nieten und Nägeln malt er Spuren und Rillen ins Innere massiver Bretter und Pfähle, die für mich eine Augenweide sind“, sagt Kaminsky. Für seine Kunden sind sie es auch. Manchmal sind das die Segler, die über den verwitterten Bootssteg lange geflucht haben. Die aufatmeten, als „das rotte Stolperholz“ in Schwerstarbeit abgebaut und durch rutschfeste Kunststoffbohlen ersetzt wurde.

 So wie gerade im Hafen von Strande. Steg sieben wurde am Mittwoch neu eröffnet. Auch dieses Holz hat sich Kaminsky gesichert. Verarbeiten kann er es noch lange nicht. Zwei bis drei Jahre stehen die aus Sicht der ursprünglichen Nutzer unbrauchbaren Bretter abgedeckt im Freilager zum Trocknen. Danach gehen sie noch für mehrere Wochen in die technische Trocknung. Die Erklärung leuchtet ein: „Dieses Holz ist durch und durch nass. Es hat 40 Jahre und länger Sturm und Salzwasser getrotzt. Wenn es nicht sehr langsam und hundertprozentig austrocknet, kann man nichts Beständiges schaffen. Jedes einmalige Möbel, jeder wertvolle Dielenboden aus schwerem maritimen Altholz dieser Stärke würde sich sonst verziehen und reißen.“

 Liebevoll gehobelt und bearbeitet zeigt die Eiche, was nach hunderten von Jahren als Baum und Jahrzehnten Strapazen im Wasser noch in ihr steckt: ein würdevoll gealtertes Gesicht mit Narben, die die Fantasie anregen. Darüber lässt sich auch beim Schneiden von Gemüse oder bei einem Glas Rotwein philosophieren, wenn aus den Bohlen eine glatte, mit Öl und Wachs imprägnierte Arbeitsplatte, ein edler Esstisch mit Furchen oder ein raues Regal für eigene Schätze geworden sind: Welcher Millionär ist auf diesen Steg von seiner Jacht gestiegen? Konnte sich ein Einhandsegler aus havariertem Boot mit letzter Kraft auf diese Bohlen retten? Begossen die Olympiasegler von 1972 diese Bretter mit Siegersekt?

 Aus dem „Millionenbecken“ des Kieler Yachtclubs und dem für die olympischen Spiele 1972 gebauten Segelhafen Kiel-Schilksee, aus Laboe, Hamburg-Finkenwerder, der alten Kieler Bahnhofsbrücke und hölzernen Fußgängerquerungen kommt das Altholz. Zwei versierte Mitarbeiter tragen ihren Teil dazu bei, dass die Unikate millimetergenau gearbeitet sind und über Jahrzehnte ihre Aufgabe erfüllen. Kaminskys Lebenspartnerin, Interior Designerin Izabela Guziewicz, die Teil dieser besonderen Tischlerei Holz plus Art ist, plant die Bestellungen auf Maß am Computer für die Kunden. Zurzeit fertigt der Grönwohler repräsentative mobile Möbel für eine Kieler Medizinfirma, und für Kunstwerke entstehen individuelle Sockel. Und Sternekoch Dirk Luther, der das Gourmet-Restaurant Meierei in Glücksburg hat, lädt seine persönlichen Gäste mittlerweile an eine vier Meter lange Steg-Tafel vom kreativen Tischler aus Grönwohld.

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Cornelia Müller
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