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Jeder vierte Unfall geschieht beim Führen

Tod eines Mädchens Jeder vierte Unfall geschieht beim Führen

Der Tod des Mädchens (7) in Schönbek hat nicht nur in der Reiterszene Trauer und Entsetzen ausgelöst. Viele Eltern fragen sich, wie groß das Risiko für solche Unfällen ist. Das Mädchen wollte das Pony auf die Weide bringen, als das Tier offenbar durchging und das Mädchen am Führstrick mitriss.

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Ische Stoltenberg zeigt, wie Pferde richtig geführt werden.

Quelle: Frank Peter

Schönbek. „Die Hintergründe des Geschehens werden derzeit polizeilich ermittelt“, sagte Sönke Hinrichs, Sprecher der Polizeidirektion Neumünster. Es gebe aber keine Hinweise, dass es sich nicht um einen Unfall handele. Gerade aufgrund der Tragik des Ereignisses in Schönbek wolle die Polizei aber „über Details auch aus Persönlichkeitsgründen keine Auskunft geben“. Der Unfall hatte sich am Freitag um 16.30 Uhr ereignet – es soll Zeugen des Geschehens geben. Ob das Mädchen bereits tot war, als der Rettungshubschrauber eintraf, wollte die Polizei nicht beantworten.

Auf den Reiterhöfen im Land war der Unfall am Montag häufiges Gesprächsthema. „Das ist einfach nur grausam. Die Familie tut mir so leid“, sagte eine Mutter, die ihren Sohn zum Reitunterricht auf den Reiterhof Stoltenberg in Klausdorf/Schwentinental brachte, „man muss sich immer wieder klarmachen, dass Pferde Fluchttiere sind. Selbst unser braves Pony zuhause ist schon mal durchgegangen.“ Das Reiten deshalb ihrem Sohn zu verbieten – auf diese Idee käme sie aber nicht.

2000 bis 2600 Reiterunfälle pro Jahr

Laut Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) passieren pro Jahr zwischen 2000 und 2600 meldepflichtige Reiterunfälle, also Vorfälle, bei denen Menschen oder Tiere zu Schaden kommen oder es zu Sachschäden kommt.

Todesfälle sind selten: 2015 starben bei 2578 Reitunfällen vier Menschen. 2016 kam bei 2519 Unfällen ein Mensch zu Tode. Knapp 36 Prozent der Unfälle passieren beim Reiten, Voltigieren oder Longieren, 56 Prozent ereignen sich beim sonstigen Umgang mit Pferden wie Füttern, Putzen, Pflegen. Jeder vierte Unfall mit Folgen geschieht beim Führen.

Richtig Führen: Strick nie um die Hand wickeln

Dass das Führen eines Pferdes eine komplexe Angelegenheit ist, betont auch Ische Stoltenberg, Chefin der Reitschule Stoltenberg. „Deshalb bringen wir Kindern in speziellen Kursen das Führen, aber auch das Pflegen, Füttern und Auftrensen bei. Eine vielseitige und gute Grundausbildung ist der erste Schritt zur Sicherheit beim Reiten,“, sagt die 42-jährige Reitlehrerin.

Gerade beim Führen höre sie immer wieder von einem folgenschweren Fehler: „Der Führstrick wird um die Hand gewickelt. Das ist fatal. Denn dann kann ich den Strick im Notfall nicht mehr loslassen, indem ich einfach die Hand öffne. Auch bei Longierleinen, die eine Schlaufe haben, darf man nie, wirklich niemals Schlaufe oder Leine um die Hand wickeln.“

Von Heike Stüben und Niklas Wieczorek

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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