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Landgericht will Urteil verkünden

Schüsse im Finanzamt Rendsburg Landgericht will Urteil verkünden

Erst fühlt sich Steuerberater Olaf L. jahrelang vom Finanzamt Rendsburg schikaniert - dann erschießt er einen Finanzbeamten in dessen Büro. War es heimtückischer Mord oder Totschlag? Nach sechs Verhandlungstagen wird in Kiel das Urteil erwartet.

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Tödliche Schüsse im Finanzamt Rendsburg: Olaf L. hatte sich vor Gericht auf einen Blackout berufen.

Quelle: Frank Peter (Archiv)

Kiel/Rendsburg. Nach den tödlichen Schüssen auf einen leitenden Beamten im Rendsburger Finanzamt will das Kieler Landgericht am Dienstag sein Urteil verkünden. Der angeklagte 55-jährige Steuerberater aus Fockbek hat gestanden, am 1. September 2014 einen 57-jährigen Sachgebietsleiter in dessen Büro erschossen zu haben. Er ist wegen heimtückischen Mordes angeklagt. Der Staatsanwalt hat eine lebenslange Freiheitsstrafe beantragt.

Die Darstellung des Angeklagten, er habe seine Pistole nur aus Versehen dabei gehabt, sei unglaubwürdig, sagte der Staatsanwalt. Der Mann habe sein Opfer erschießen wollen und dessen Arglosigkeit ausgenutzt. Der Verteidiger plädierte dagegen auf Totschlag. Er zog das Mordmerkmal der Heimtücke in Zweifel und stellte das Strafmaß ins Ermessen des Gerichts.

Für Mord drohen dem gesundheitlich angeschlagenen und seit einem Sturz zeitweise auf einen Rollstuhl angewiesene Angeklagten mindestens 15 Jahre Haft. Dann wäre eine Entlassung auf Bewährung möglich. Totschlag wird mit fünf bis fünfzehn Jahren Freiheitsentzug bestraft.

Der 55-Jährige lag seit Jahren mit der Finanzbehörde im Streit. Er fühlte sich schikaniert und glaubte, das Finanzamt vergraule seine Kunden. Den Beamten galt er dagegen als Querulant. Seine Anträge mussten über den Schreibtisch des Opfers. Vor der Tat hatte eine Mandantin dem Steuerberater gekündigt. Auch ihr Vater drohte abzuspringen. Laut Staatsanwalt gab der Angeklagte dafür dem Finanzamt die Schuld und beschloss, den Finanzbeamten zu töten. Er habe das Opfer „quasi in die Falle gelockt“, als er sich in dessen Büro bitten ließ. Kurz darauf fielen die Schüsse, einer davon in den Rücken des Opfers.

Laut psychiatrischen Gutachten ist der 55-Jährige Angeklagte voll schuldfähig. Er sei weder psychisch krank noch habe ihm zur Tatzeit die Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit gefehlt. Die Persönlichkeit des hoch intelligenten Angeklagten sei geprägt von viel Selbstmitleid und einem „Mangel an Empathie“. Obwohl der Mann die Tat mit Worten bedauere, sei „sein Schuldempfinden schwer spürbar“. Seinen eigenen Aggressionsanteil nehme er nicht wahr.

Nach Ansicht des Experten will sich der Angeklagte nicht an die Tat erinnern. „Er sagt an dieser Stelle nicht die Wahrheit — das ist meine Einschätzung als Gutachter.“ Vor Gericht hatte sich der 55-Jährige auf einen Blackout berufen.

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