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Tra-Ute ist Oma und Schumi zugleich

Flüchtlingshilfe Flintbek Tra-Ute ist Oma und Schumi zugleich

Erst wollte Traute Garlitz nur kurz zum Helfen bei der Flüchtlingsfamilie Panec vorbei kommen. Dann entwickelte sich zwischen der Frau aus Flintbek und den Serben eine innige Freundschaft. Vor über einem Jahr wurde die Familie ausgewiesen. Seither fährt Garlitz regelmäßig ins serbische Nis. Sie ist jetzt die Oma.

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Für sie wurden Flüchtlinge zu Freunden: Traute Garlitz mit einem Foto der Familie Panec.

Quelle: Beate König

Flintbek. „Ich habe nie eine Mutter gehabt.“ Der Satz von Milos Panec war der Moment, als die letzte Barriere zwischen dem Flüchtling aus Serbien und Traute Garlitz fiel. „Dann bin ich jetzt deine Mutter“, sagte die Flintbeker Flüchtlingshelferin. Kein leerer Spruch. Als Milos mit seiner Frau und seinen drei Töchtern im November 2014 abgeschoben wurde, hielt sie den Kontakt. Zweimal war sie bereits im serbischen Nis zu Gast.

 Wie eng die Beziehung werden würde, war vor zwei Jahren nicht abzusehen, als Traute Garliltz zufällig Ute Bergner von der Flüchtlingshilfe beim Klönschnack auf der Straße kennengelernt hatte. Sie bot spontan Hilfe an: „Ich bin Rentnerin. Ich hab’ Zeit.“

 Viele Flüchtlingsfamilien hat die 68-Jährige, die auch im Kirchengemeinderat und in der Kleiderkammer aktiv ist, inzwischen mit betreut. Sie half den Menschen beim Ausfüllen von Antragsformularen, begleitete sie zu Behörden, dem Jobcenter, dem Arzt. „Ich kenne die Leute wirklich in- und auswendig.“

 Alle sind ihr ans Herz gewachsen. Aber die intensive Nähe zu Milos und seiner Frau Marija und deren Töchtern Andrijana, Elvira und Andrea bleibt etwas Besonderes. Es beeindruckte sie, mitzuerleben wie der heute 29-Jährige in Flintbek die geschenkten Fahrräder flickte, sich für die anderen Flüchtlinge im Haus einsetzte, Freundschaften aufbaute. „Komm’ in unser Haus“, bat der Serbe bei einem Anruf. Das bedeutete anfangs, dass Traute Garlitz der Familie einen Behördenbrief erklären sollte. Irgendwann wurde daraus die Einladung zum Schwatz bei Selbstgebackenem. „Sie gaben mir neue Namen: Schumi, weil ich immer mit dem Auto fahre, und Tra-Ute, sozusagen als zweite Ute.“ Seit sie in Nis gewesen ist, ist ein neuer Name dazu gekommen: Oma. Mit ihren Fotos und Geschichten von den Freunden aus Flintbek wird sie dort zur Vermittlerin zwischen den Welten.

 Tränen steigen Traute Garlitz bis heute in die Augen, wenn sie an die letzten Tage der Familie in Deutschland denkt. Emotional belastend sei das. Aber, sagt die Ehrenamtlerin entschieden: „Ich würde es immer wieder so machen.“ Die neuen Erfahrungen, die gemeinsam erlebte Freude bereichern sie.

 Ihr persönlicher Weg aus der Trauer: Mit anderen darüber sprechen. Nicht in institutionalisierten regelmäßigen Treffs, sondern mit Freunden. Von einer Helferausbildung, bei der sich die professionelle Distanz zu den Schicksalen der Flüchtlinge üben ließe, hält sie nichts. „Ich lasse mir meine Gefühle nicht weg züchten.“ Sie hält jedoch inzwischen etwas mehr Abstand, wenn sie hilft. „Das hält man sonst nicht durch.“

 Ehrenamt im Kirchengemeinderat:

 Ehrenamtler können sich, ebenso wie Traute Garlitz, als Mitgestalter im Kirchengemeinderat einbringen. Das Gremium wird nach acht Jahren im Amt am 1. Advent für sechs Jahre neu gewählt. Zu den 17 Mitgliedern zählen zwei Pastoren und zwei vom alten Kirchenvorstand Berufene. Sieben können für den Bereich Flintbek gewählt werden, dazu kommen jeweils ein Vertreter aus Blumenthal, Rumohr, Rodenbek, Böhnhusen, Schönhorst, Kleinflintbek und Voorde. Das Mindestalter der Kandidaten beträgt 18 Jahre, das Wahlalter 14 Jahre. Anmeldungen im Kirchenbüro, Tel. 04347/70780.

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