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„Ist das jetzt echt?“

Rendsburg „Ist das jetzt echt?“

Wer zum ersten Mal eine von Ursula Konhäuser bemalte Babypuppe zu sehen bekommt, reagiert meist irritiert. Einem lebenden Neugeborenen sehen ihre Arbeiten beeindruckend ähnlich. Reborning, das filigrane Handwerk, mit dem Puppen diesen täuschend echten Ausdruck erhalten, erfordert Können, ist zeitaufwändig und hat seinen Preis. Für ihre Kunden birgt die Anschaffung einer Säuglingspuppe oft große Emotionen.

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Ursula Konhäuser zeigt die schlafende Erin, die sie in zweiwöchiger Arbeit zum Leben erweckt hat.

Quelle: Cornelia Wunder

Rendsburg. „Ist das jetzt echt?“, lautet die Frage, die Ursula Konhäuser auf Ausstellungen und Messen am häufigsten zu hören bekommt. Oft müssen die erstaunten Besucher die Puppen anfassen, um sich zu überzeugen, dass kein echter Säugling vor ihnen liegt.

 „Manche Kunden weinen, wenn sie sich eine Puppe gekauft haben“, erzählt die Künstlerin. „Manchmal weiß ich nicht, ob ich sie trösten soll oder nicht.“ Seltsam findet sie diese Reaktionen nicht. „Viele Leute sparen auf etwas, und wenn sie es sich leisten können, fällt etwas von ihnen ab.“

 Neben Privatkunden geben auch Krankenhäuser und Hebammen Babypuppen als Demonstrationsobjekte für medizinische Zwecke in Auftrag. Der Preis für eine von Ursula Konhäusers Puppen liegt zwischen 500 und 1800 Euro. Zwei Wochen Zeit benötigt sie, um einen aus Vinyl gefertigten Babypuppen-Bausatz in ein echt aussehendes Neugeborenes zu verwandeln. Bis zu 25 Schichten synthetisch hergestellter Ölfarbe kommen dazu auf die kleinen Modelle, um eine naturgetreue Tönung zu bilden. Auch kleine Hautunebenheiten wie Milien oder Äderchen gehören dazu. „So ein Kind ist ein kleines Wunder“, findet die sechsfache Mutter. Als Vorlage dienen ihr die Erinnerungen an ihre eigenen Kinder, die mittlerweile alle erwachsen sind.

 Auch nach 13 Jahren hat Ursula Konhäuser noch nicht genug von ihrem Handwerk – obwohl das Aufbringen der Babyhaare eine wahre Geduldsprobe ist. Jedes Haar muss einzeln in den Kopf gestochen werden. „Ich geißle mich jedes Mal mit Blond“, erklärt sie seufzend. Sie verwendet das feine Haar der Angoraziege. In blond sei es auf dem Puppenkopf erst ab einer gewissen Dichte zu sehen.

 Um sich in der Reborn-Szene einen Namen zu machen, hat die Rendsburgerin sich einiges an Fachwissen angeeignet und auch Kurse im Ausland besucht. Einiges davon gibt sie weiter und leitet zweimal im Jahr ihren eigenen Kurs.

 „Eine Liebhaberei, mit der man Geld verdienen kann“, nennt sie ihr Können. Der Fertigungsprozess an sich sei es, der Ursula Konhäuser reizt. Dennoch fällt es ihr nicht immer leicht, ihre Puppen aus der Hand zu geben. „Manche kann ich nur schwer verkaufen, weil sie so süß sind“, erklärt sie lachend.

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