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„Wir wurden kritisch beäugt“

Schinkel „Wir wurden kritisch beäugt“

Es war eine harte Zeit, als die ÖIS 1990 das kommunalpolitische Parkett betrat. „Dicke Bretter bohren“, nennt es Uwe von Ahlften, Gründungsmitglied der Ökologischen Interessengemeinschaft Schinkel, die ihr 25-jähriges Bestehen feiert. Die Jubilare sprechen von einer Erfolgsgeschichte, stehen aber zu Fehleinschätzungen.

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Feiern das 25-jährige Bestehen der ÖIS: Kristina Solty, Udo Janneck, Corinna Strake und Uwe von Ahlften (von links) freuen sich über Erfolge, üben aber auch Selbstkritik.

Quelle: Budde

Schinkel. Ob nun SPD, CDU oder Wählergemeinschaft: „Wir fühlten uns nirgendwo heimisch“, denkt von Ahlften (57) zurück, „also machten wir selbst etwas.“ Im Januar 1990 wurde die ÖIS gegründet. Ökologisch, basisdemokratisch, gewaltfrei und bürgernah sollte die Interessengemeinschaft sein. Damals gehörten dem Verein 13 Mitglieder an, aktuell sind es 27. Ein Ortsverband der Grünen schwebte ihnen nicht vor, sie rechnen sich lieber zu den Wählergemeinschaften. Gleich bei der ersten Kommunalwahl 1990 eroberte die ÖIS einen Sitz in der Gemeindevertretung. Uwe von Ahlften bildete mit der SPD und der damaligen Wählergemeinschaft eine Fraktionsgemeinschaft, aus der das ÖIS-Mitglied nach wenigen Jahren rausflog. „Wir wurden kritisch beäugt“, erinnert sich von Ahlften, der dem Gremium seitdem ständig angehörte. Er gilt als diskussionsfreudig. Die Ortsentwässerung sei damals ein heißes Thema im Dorf gewesen. Die ÖIS stritt für eine dezentrale Anlage, die sich nach einem Bürgerentscheid durchsetzte.

 Überhaupt Bürgernähe. „Wir klingeln auch an den Haustüren“, sagt Kristina Solty. Als intensiv über den Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals diskutiert wurde, habe die ÖIS nicht nur die Pläne studiert, sondern den Bürgern ihre Hilfe bei Einwendungen angeboten. Als ein Mobilfunkmast auf dem Dach der Möhl installiert werden sollte, luden sie einen Experten ein, der ihre Bedenken hinsichtlich Strahlen und Gesundheit untermauerte. „Dank der ÖIS bezieht die Gemeinde für ihre Einrichtungen Strom aus erneuerbaren Energien“, erklärt Corinna Strake. Mit der Forderung nach einem Zigaretten-Tabu in Sitzungen waren sie ihrer Zeit voraus. „Es gab damals heiße Diskussionen“, erzählt von Ahlften schmunzelnd. Ebenso packt die ÖIS große Themen wie Fracking, Schweinemast, Finanzkrise, Wind- und Atomkraft an – wenn’s sein muss an einem Info-Stand.

 Der Berufsschullehrer begann 1990 als „Einzelkämpfer“, mittlerweile stellt die ÖIS mit Corinna Starke, Kristina Solty und Björn Marquardt vier Gemeindevertreter. „Wir sind die zweitstärkste Kraft im Dorf“, sagt von Ahlften. Gleichwohl stehe die ÖIS auch zu Fehleinschätzungen. Ihnen erschien die Erschließung des Baugebietes „Meiereikoppel II“ als finanziell riskant. Jetzt freue sich die ÖIS, dass schon viele Grundstücke verkauft worden seien. „Wir möchten einen Beitrag zu einem lebendigen Dorf leisten“, sagt Vorstandsmitglied Udo Janneck. Die ÖIS bietet daher Radtouren, Frühlingsspaziergänge, Boßeln oder ein „Winterfeuer“ mit Tannenbaum-Weitwurf an. Die Mitglieder kümmern sich um Kastanien und Krötenzäune und stellen Sitzbänke im Ort auf – ein neues selbst gebautes Exemplar wollen sie Schinkel anlässlich ihres Jubiläums schenken.

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