6 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
Der fliegende Rostschutz

Wanderfalken Der fliegende Rostschutz

Wanderfalken sollen auf Taubenjagd an der Rendsburger Eisenbahnhochbrücke gehen. Denn der aggressive Taubenkot greift den Anstrich an. Die Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz hat Nistkästen angebracht. Jetzt wartet das Wasser- und Schifffahrtsamt auf die pfeilschnellen Jäger der Lüfte.

Voriger Artikel
Mit Kontinuität zur Partnerschaft
Nächster Artikel
Schnäppchensuche in übersichtlicher Struktur

Brückenkontrolleur Friedhelm Heuck: So sieht der Nistkasten für die Falken aus.

Quelle: Jörg Wohlfromm

Rendsburg. „Es sind Tausende“, klagt Friedhelm Heuck, wenn er über die Tauben spricht. Der Angestellte des Wasser- und Schifffahrtsamts Kiel-Holtenau ist Brückenkontrolleur der 2,5 Kilometer langen Stahlkonstruktion, die zwischen Rendsburg und Osterrönfeld den Nord-Ostsee-Kanal überbrückt. „Wir haben hier ein gutes Gebiet für Tauben“, sagt er. Das Schlaraffenland für Tauben liegt am Kai des Kanals. Futtermittel und Getreide gehören dort im Kreishafen zu den Hauptumschlagsgütern. Heuck: „Da geht immer etwas daneben.“ Zur Verdauung fliegen die Tauben auf die Brücke, wo sie zwischen den Streben und Stützen des Stahlfachwerks ungestört sind. Im Sommer, wenn kein Regen die Brücke wäscht, fegen Heuck und seine Kollegen mit Besen und Schaufel den Kot vom Stahl in Säcke. „Das sind so große Mengen, die will keiner auf dem Kopf haben.“ Sie putzen die Hochbrücke, damit der aggressive Kot den Anstrich nicht zersetzt. Denn ohne Korrosionsschutzfarbe rostet der Stahl.

Jetzt sollen Wanderfalken helfen und die Tauben im Sturzflug erlegen. „Er schlägt sie in der Luft“, sagt Holger Weidmann von der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz. Wanderfalken im Sturzflug gelten als die schnellsten Tiere. Weidmanns Kollege Uwe Robitzky hat die ersten beiden Nistkästen an der oberen Kante der Eisenbahnhochbrücke in rund 40 Metern Höhe angebracht. Zwei weitere sollen folgen. Dort oben scheppert es mächtig, wenn der ICE nach Hamburg und lange Güterzüge nach Maschen über die Brücke donnern. Für Wanderfalken ist das kein Problem, sagt Robitzky. „Das macht denen nichts. Es gibt gute Erfahrungen.“ Unter der Brücke der Bundesstraße 5 bei Brunsbüttel oder der Autobahnbrücke über den Kanal bei Hohenhörn brüten Falken „seit Jahr und Tag“, sagt er.

Robitzky ist sicher, dass die Falken die neuen Kästen an der Hochbrücke entdecken. „Wir haben schon anderswo Kästen hingehängt, und sofort war ein Paar da. In Süddeutschland sind fast alle Brücken besetzt.“ Dass das hier anders wäre, glaubt er nicht. „Wir haben genug Paare.“ Rund 30 seien es in Schleswig-Holstein. Tendenz steigend. „Die bekommen Nachwuchs. Und der will auch brüten.“ Wanderfalken bauen anders als die kleineren Turmfalken keine Nester, sie suchen vorhandenen Unterschlupf. „Es sind ja Felsenbrüter, aber wir haben keine Felsen“, sagt Weidmann. Stattdessen gibt es hierzulande Fernsehtürme wie in Kiel, Schleswig und bei Flensburg, wo Wanderfalken bereits in Nistkästen brüten.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Hans-Jürgen Jensen
Holsteiner Zeitung

Mehr aus Nachrichten aus Rendsburg 2/3