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Eine ganz besondere Schrift

Weben in Molfsee Eine ganz besondere Schrift

Jasper (6) ist hochkonzentriert. „Wenn die blauen Fäden oben sind, muss sich das Schiffchen in Richtung Fenster bewegen“, erzählt er. Nein, es ist kein maritimer Wettbewerb, Jasper sitzt beim Webkursus für Kinder in Molfsee und lässt sich von Hille Mandt (79) noch ein paar Kniffe zeigen.

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Das Einrichten der Webstühle dauert am längsten.

Quelle: Sven Janssen

Molfsee. Fast drei Jahrzehnte sitzt sie schon am Webstuhl. „Das erste Mal habe ich es auch in Molfsee ausprobiert, seit dem bin ich hier.“ Während die Kinder im Kursus an Webrahmen sitzen, um das Prinzip zu verstehen, arbeitet Marlies Plambeck aus Brügge am Teppichwebstuhl. Schießt das Schiffchen mit der Schaafswolle durch die Kettfäden und drückt jeden Faden mit dem Kamm an. Mit der dicken Wolle geht es gut voran. Beim Teppichweben wechseln sich die Weberinnen ab. Mehrere Teppiche werden in einer Reihe gefertigt.

„Das Aufwändigste ist es, denn Webstuhl einzurichten“, erzählt Plambeck, das dauere mehrere Tage. „Das Weben selbst ist dann die Belohnung.“ Für aufwendige Muster müssen die Tritte bei jedem Schuss in festgelegter Reihenfolge bewegt werden. Das sieht ein wenig aus, wie Orgelspielen.

Hier finden Sie Bilder vom Weben im Freilichtmuseum Molfsee.

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Auch Mathilda (10) arbeitet an einem Muster in ihrem Webrahmen. „Das kommt durch die verschiedenfarbigen Fäden.“ Bunt sind die Kettfäden aufgespannt. Einmal nicht aufgepasst und es sieht seltsam aus. Mandt eilt zur Hilfe, schaut kurz, greift zur Schere und schneidet den Faden ab. „Jetzt kannst du die falschen Reihen entfernen und dann weitermachen“, erklärt sie.

Auch der dreijährige Jakob (3) probiert sich mit Vater Felix Schmuck am Webrahmen, schiebt das Schiffchen mit seinen kleinen Fingern durch die Kettfäden. Papa arbeitet mit dem Kamm nach, dann kommt die nächste Reihe. Jasper ist mittlerweile fast fertig. „Das wird vielleicht ein Teppich für meine Kuschelbären Max und Paul“, sagt er und betrachtet sein Werk. „Damit es nicht aufribbelt muss ich jetzt noch die Enden verknoten.“

„Das ist bei den großen Webstühlen nicht anders“, sagt Mandt, die auch versucht, ältere Muster nachzuahmen. „Gewebtes ist wie eine Schrift, die man Lesen können muss, um sie zu ergründen.“ Wer den Beruf gelernt hat, könne das ohne Probleme.

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