23 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Ein Feuerfest mit Tannenbaum

Weihnachtsbaumentsorgung Ein Feuerfest mit Tannenbaum

Immer mehr ländliche Gemeinden verzichten auf die öffentliche Entsorgung der Christbäume nach dem Fest. Stattdessen laden sie lieber zur „Abwrackparty“, wie auch Langwedel.

Voriger Artikel
Badestellen-Kiosk wird zum Imbiss
Nächster Artikel
Fußgänger wird von Auto erfasst und stirbt

Weihnachtsbaumschreddern mal anders: In Langwedel schreddert SPD-Chef Ralf Spilker diesmal nur ein Weihnachtsbaumbild, die Tanne selbst wird von Swen Stargas verbrannt. Die Zuschauer haben sichtlich ihren Spaß.

Quelle: Sven Janssen

Langwedel. Swen Stargas schreitet zur Tat. Mit einem Handgriff bugsiert er die letzte verbliebene Tanne in den Feuerkorb. Es knistert, es lodert, es qualmt. Das Treffen im 1500-Einwohner-Dorf Langwedel im Nortorfer Land ähnelt so vielen anderen in Schleswig-Holstein in den vergangenen Tagen. Knapp 50 Besucher haben es sich bei Punsch und Bratwurst gemütlich gemacht. Die mitgebrachten Tannenbäume dienen als Feuerquelle und sorgen für ein wärmendes Ambiente. Eigentlich hatte Ralf Spilker vom SPD-Ortsverein zum Tannenbaumschreddern eingeladen. „Vor zwei Jahren haben wir die Bäume geschreddert und unserem Landwirt zur Verfügung gestellt. Da uns im vergangenen Jahr der Sturm in die Quere kam, konnten wir die Resonanz für dieses Jahr nicht richtig abschätzen und haben uns für ein symbolisches Schreddern entschieden“, sagt er und blickt augenzwinkernd auf die kleinere Büroausgabe, in dem jeder, der einen Baum mitbringt, eine auf Papier kopierte Tanne zerschreddern darf.

 Immer mehr ländliche Gemeinden sammeln ihre Tannenbäume mittlerweile lieber selbst, anstatt sie dem öffentlichen Abfallbetrieb zu überlassen. Lokale Vereine oder Feuerwehren laden zum Tannenbaumverbrennen, Tannenbaumschreddern oder lagern das Gehölz gleich für das Osterfeuer. Für die Dorfgemeinschaft ist das vielerorts ein Gewinn. Gestört fühlt sich durch die zahlreich abgehaltenen Feuerfeste im Land offenbar niemand. „Bei uns laufen keinerlei Beschwerden ein“, meint Martin Schmedtje vom Ordnungsamt Rendsburg-Eckernförde. Auch die Umweltbelastung schätzt Andreas Röhl vom Umweltschutzamt Kiel als marginal ein.

Rückläufige Zahl an abgegebenen Weihnachtsbäumen

 Ralph Hohenschurz-Schmidt, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Rendsburg-Eckernförde (AWR), bedauert die in seinem Kreis rückläufige Zahl an abgegebenen Weihnachtsbäumen. Von etwa 70000 Weihnachtstannen seien 2015 nur 20000 – umgerechnet etwa 290 Tonnen – für die Einsammlung am Straßenrand oder an Sammelstellen bereitgestellt worden. „Eine stattliche Anzahl von Gemeinden aus unserem Kreisgebiet hat sich im Laufe der letzten Jahre ganz von der Sammlung abgemeldet, sodass wir für dieses Jahr mit noch weniger rechnen“, sagt Hohenschurz-Schmidt. Er sieht in den zahlreichen Dorffesten die Hauptursache für den Rückgang. „Dagegen ist auch gar nichts einzuwenden“, sagt er. Trotzdem sei es schade um die auf diese Weise wenig effizient genutzten erneuerbaren Energieträger. Dem Betrieb entgehen allein in diesem Jahr knapp 725 Tonnen an wiederverwertbarem Naturmaterial. Eine beachtliche Menge, wenn man bedenkt, dass die Energie von 50000 Weihnachtsbäumen 100 Haushalte ein Jahr mit Strom versorgen oder 100000 Liter Heizöl ersetzen könnte.

 Diese Problematik kennt man im städtischen Raum nicht. In Kiel finden viele Bäume schnell ihren Weg zu einer der Sammelstellen, die der Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel (ABK) bis zum 6. Februar anfährt. „Das Angebot wird von den Bürgern konstant gut angenommen“, erklärt Rolf Eichholz vom ABK. Pro Tour transportiert ein ABK-Fahrzeug bis zu 5,5 Tonnen an gepressten Weihnachtsbäumen. Ziele der Fahrten sind die Bio-Kompostierungsanlagen in Hasselfelde und Altenholz. „Die Tannenbäume werden hier geschreddert und kompostiert“, erklärt Stefan Paustian, stellvertretender Betriebsstättenleiter in Altenholz. Der Kompost wird dann später in Gartenerde eingemischt. So findet der Weihnachtsbaum seinen Weg zurück in den Naturkreislauf – und vielleicht sogar in Teilen zurück zu seinem Vorbesitzer.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Events: Rendsburg

Veranstaltungen in
Rendsburg. Aktuelle
Termine, News, Infos

Anzeige
Mehr zum Artikel
Sammelstellen
Foto: Sophie Laloi (26) bringt ihren Weihnachtsbaum zur Sammelstelle Holtenauer Straße in Höhe Lehmberg.

Wenn der Weihnachtsbaum seinen Dienst als Wohnzimmerschmuck getan hat und als Bio-Abfall auf einem der städtischen Sammelplätze gelandet ist, nimmt der Wiederverwertungs-Kreislauf seinen Lauf. In unserer interaktiven Karte finden Sie die Tannenbaum-Sammelpunkte aus der Region.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten aus Rendsburg 2/3