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Containerdorf soll 800 Flüchtlinge aufnehmen

Rendsburg Containerdorf soll 800 Flüchtlinge aufnehmen

Schleswig-Holstein hat immer größere Probleme, Flüchtlinge unterzubringen: Im Ad-hoc-Verfahren hat das Innenministerium jetzt zum zweiten Mal die Errichtung einer vorübergehenden Erstaufnahme-Einrichtung angekündigt.

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Innenstaatsekretärin Manuela Söller-Winkler, Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast (re.) und Dr. Thilo Rohlfs vom Landratsamt (li.) informieren über das Entstehen eines Containerdorfes in der St-Peter-Ording-Straße in Rendsburg.

Quelle: Axel Nickolaus

Kiel/Rendsburg. In Rendsburg soll ein Containerdorf für 800 Asylsuchende entstehen. Am Sonnabend werden die ersten 150 Flüchtlinge einziehen. „Wir mussten schnell handeln, der Zugang von Asylsuchenden ist exorbitant hoch“, sagt Innenstaatssekretärin Manuela Söller-Winkler. Am Mittwoch habe es erste Gespräche mit der Stadt gegeben. Am Donnerstagnachmittag wurden bereits die ersten Wohncontainer im Gewerbegebiet aufgestellt. Bis zum Wochenende sollen es 50 Einheiten werden.

In den nächsten Wochen sollen weitere 250 Container folgen. Mit 800 Plätzen wird in Rendsburg die größte vorübergehende Erstaufnahme-Einrichtung des Landes entstehen. Bislang setzte das Land auf kleinere Einheiten für maximal 600 Menschen. „Wir müssen jetzt in größeren Dimensionen planen, weil wir bei der Unterbringung von Asylsuchenden endlich wieder Luft zum Atmen brauchen“, argumentiert die Staatssekretärin. Die übrigen fünf Unterkünfte seien bereits überfüllt. Man könne nicht warten, bis die geplanten Übergangs-Erstaufnahmestellen in Kiel, Eggebek und Lübeck fertig sind.

Erst vor einer Woche hatte das Ministerium die Einrichtung einer zusätzlichen Unterkunft angekündigt. Im Gewerbepark in Albersdorf (Kreis Dithmarschen) zogen bereits tags darauf die ersten 290 von etwa 400 Flüchtlingen ein. Die Einwohner wurden vorab ebenso wenig informiert wie die Rendsburger. Ein Schritt, den manche Albersdorfer kritisierten. Söller-Winkler wirbt um Verständnis: „Die Menschen stehen jetzt vor der Tür und müssen eine Bleibe haben.“ Für Montag kommender Woche ist in Rendsburg eine Bürgerinformation geplant. Mit Nachdruck betont die Staatssekretärin, dass es sich um eine Übergangslösung handele. „Angelegt ist die Einrichtung für 18 Monate. Ich kann aber nicht garantieren, dass es nicht ein paar mehr werden.“ Gleiches gelte für die Anzahl der Flüchtlinge in der Rendsburger Unterkunft: „Wir kalkulieren mit 800, können aber nicht garantieren, dass es vielleicht auch zehn oder 20 mehr werden.“

10500 Asylsuchende kamen seit Jahresbeginn nach Schleswig-Holstein, fast tausend Menschen allein in den ersten Augusttagen. Im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 360 Prozent. „Ab Oktober kalkulieren wir noch einmal mit einer deutlichen Zunahme von Flüchtlingen, darauf müssen wir vorbereitet sein“, sagt Söller-Winkler. Bis Jahresende rechnet sie mit 20000 Hilfesuchenden. Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast (SPD) spricht von einer „Herausforderung für unsere Stadt, die aber nichts ist im Verhältnis zu dem Schicksal der Flüchtlinge.“ Er setze auf Transparenz und die Hilfsbereitschaft der Rendsburger.

Die Not ist groß

Erst Albersdorf, nun Rendsburg: Binnen sechs Tagen stampft das Innenministerium zwei Erstaufnahme-Einrichtungen für Flüchtlinge aus dem Boden. Die Not ist groß: Immer mehr Asylsuchende drängen nach Schleswig-Holstein. Immer schneller werden Unterkünfte gebraucht. Das Containerdorf für 800 Hilfesuchende in Rendsburg soll die Lage nun entspannen. Mit 20000 Flüchtlingen kalkuliert das Innenministerin bis Jahresende. 10500 Menschen kamen 2015 bereits in den Norden. Zum Vergleich: Im gesamten Vorjahr waren es nur 7600 Hilfesuchende. Die meisten stammen aus Syrien, Albanien und dem Kosovo.

„Die traditionell zuwanderungsstarken Monate stehen allerdings erst noch bevor“, sagt Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler (SPD). Sie spricht von einem Bedarf von landesweit insgesamt 3750 Plätzen in Erstaufnahme-Einrichtungen. Hier sollen Asylsuchende maximal sechs Wochen lang bleiben, bevor sie entweder aufgrund fehlender Asylgründe wieder zurück in ihre Heimatländer abgeschoben oder aber an die Kreise und Kommunen zur Unterbringung weitervermittelt werden. Feste Unterkünfte sollen mittelfristig in Neumünster (850 Plätze), Boostedt (500) sowie den vier Universitätsstandorten Kiel, Lübeck, Flensburg und Heide für jeweils 600 Asylsuchende entstehen. So lange diese nicht fertiggestellt sind, müsse das Land auf Übergangslösungen setzen, sagt Söller-Winkler.

Ad hoc konnte das Land im Dithmarsenpark in Albersdorf vergangene Woche zusätzliche Plätze für 400 Flüchtlinge einrichten. Eine echte Entlastung ist das allerdings auch nicht: Bereits zum 14. September muss die Unterkunft wieder geräumt werden.

Das Problem spitzt sich zu: Derzeit treffen in Schleswig-Holstein täglich zwischen 180 und 250 neue Flüchtlinge ein – und alle derzeit verfügbaren Unterkünfte sind belegt. „Gezielt haben wir daher in den vergangenen Tagen nach einem weiteren Standort gesucht, um uns ein wenig Luft zu verschaffen“, sagt die Staatssekretärin. Es bleibe schlichtweg keine Zeit, bis die geplanten Übergangsunterkünfte in Kiel, Eggebek und Lübeck fertig sind.

„Wir wissen, dass es für alle Kommunen, in denen Erstaufnahme-Einrichtungen entstehen, eine schwierige Herausforderung ist“, räumt Söller-Winkler ein. Dennoch sei die Solidarität groß – in den Amtsstuben und Rathäusern ebenso wie bei Ehrenamtlern und in der Bevölkerung. „Bei der Suche nach potenziellen Standorte haben wir auch immer wieder Angebote erhalten, doch häufig waren die Flächen zu klein oder es hätte bauliche Probleme gegeben“, sagt die Innen-Staatssekretärin. In Rendsburg ist nun ein Standort gefunden: Mindestens 18 Monate lang sollen in der Büsumer Straße, zwischen Recyclinghof und Autohaus, 300 Wohncontainer rund 800 Flüchtlinge beherbergen. „Die Lage ist gut, wir haben extra einen gut an den ÖPNV angeschlossenen Standort ausgesucht, der nicht mittendrin liegt, um den Menschen einen Rückzugsort zu geben“, sagt Bürgermeister Pierre Gilgenast (SPD). Ihm sei es außerordentlich wichtig gewesen, dass sich die Asylsuchenden nicht „wie auf dem Präsentierteller“ gesetzt fühlen müssten.

Ob mit der größten aller Übergangsunterkünfte in Rendsburg nun ausreichend Platz geschaffen worden ist, weiß niemand. Das müssen die kommenden Monate zeigen. „Versichern können wir nichts“, so Söller-Winkler.

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Leitartikel

Die Landesregierung hat in der Flüchtlingspolitik bisher fast alles richtig gemacht. Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) wirbt seit Monaten unermüdlich für eine Willkommenskultur und hat damit im Verbund mit vielen Bürgern, Vereinen, Kommunen und Kirchen für ein Klima gesorgt, in denen Asylbewerber in Schleswig-Holstein anders als in den frühen 90er Jahren mit offenen Armen empfangen werden.

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