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Wenn alte Bücher umziehen

Kirchenarchiv in Rendsburg Wenn alte Bücher umziehen

Vor dem Abriss des evangelischen Christophorushauses steht der Umzug des Kirchenkreisarchivs im Keller des Rendsburger Gebäudes: 760 laufende Meter sind das, von der Akte mit neuen Handwerkerrechnungen über hundert Jahre alte Taufbücher bis hin zu mittelalterlichen Handschriften von Mönchen. Ohne Spezialisten wie Hans-Otto Kühl und Volkhart Meyer funktioniert der Umzug nach Büdelsdorf nicht.

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Mit Laptop und Gespür für alte Bücher organisiert Volkhart Meyer den Umzug des Kirchenkreisarchivs.

Quelle: Jörg Wohlfromm

Rendsburg. Volkhart Meyer ist pensionierter Marineoffizier. „Ich habe Umzugserfahrung“, sagt der 66 Jahre alte Owschlager. Vor zwölf Jahren hat er den Wechsel der technischen Marineschule von Kiel nach Stralsund geleitet. Vor sechs Wochen hat der Kirchenkreis ihn gefragt, ob er den Umzug des Archivs vom Christophorushaus in ein angemietete Gebäude in der Nachbarstadt organisiert. Meyer schlug zu. „Ich habe das als sehr spannende Aufgabe empfunden.“ Die Herausforderung: Die Bücher, Akten und Unterlagen sind im Rendsburger Christophorushaus so einzupacken, dass sie in Büdelsdorf wieder auffindbar sind, „und zwar auf Anhieb.“

Hans-Otto Kühl kennt das Archiv wie kaum ein anderer. Der 68 Jahre alte Diplom-Ingenieur hat den Überblick über die Sammlung auf Karteikarten notiert und digital auf dem Rechner. Kühl weiß, wo welche Bücher zu finden sind. Die alte Bibliothek der Herderschule ortet er unten im hintersten der neun rollbaren Stahlregale. Sie ist Teil der Gudeschen Bibliothek. Marquard Gude war Rendsburger Bürger und sammelte im 16. Jahrhundert Bücher wie kaum ein Zweiter. „Gude war Wissenschaftler.“ Werke über Alchemie, Pharmazie, Chirurgie, Pharmazie, Medizin im Allgemeinen, Brunnenbau und Waffen interessierten den Rendsburger. „Und die Juristerei.“ Kühl findet jedes Buch in der Sammlung der 998 Bände, die teils in Ziegenleder gebunden sind. Nebenher erklärt er, woher der Begriff „ein Buch aufschlagen“ kommt.

In der hintersten Regalreihe des Archivs sind schon 60 handliche Kartons gestapelt. In den Kartons liegen alte Bücher aus der Gudeschen Bibliothek, eingepackt in spezielles Packpapier. Jedes Päckchen trägt die auf den Buchrücken geklebte Katalognummer. Die fortlaufenden Nummern sind auf den handlichen Kartons notiert. Dieses System zeigt, was Volkhart Meyer meint, wenn er einen Umzugs organisiert, bei dem hinterher jedes Buch „auf Anhieb“ auffindbar ist.

Dazu gehören auch jene alten Bücher, die Metallspangen zusammenhalten. Hans-Otto Kühl schlägt mit der Faust auf den Deckel einer mittelalterlichen Schrift, und die Spangen springen auf. Daher, sagt Kühl, kommt der Begriff „ein Buch aufschlagen“.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Jensen
Holsteiner Zeitung