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Mit 80 Jahren noch auf dem Drescher

Will Gnutzmann aus Rumohr Mit 80 Jahren noch auf dem Drescher

Willi Rumohr nutzt nur eine kurze Pause auf dem Acker: Der 80-Jährige drischt sonst fleißig mit einem über 40 Jahre alten Mähdrescher der Marke Fahr M 1000 – ohne Kabine versteht sich.

Vater und Sohn sind ein eingespieltes Team: Willi Gnutzmann fährt den Mähdrescher, Dirk den Überladewagen.

Quelle: Sorka Eixmann

Rumohr. Eigentlich sollten auf dem Weizenfeld die Motoren dröhnen. Aber es ist still am Mittwochmittag. „Wir müssen nur kurz ein Lager tauschen, dann geht´s weiter“, erklärt Dirk Gnutzmann. „Das gab es 1975 noch nicht“, erzählt Gnutzmann Senior mit einem Schmunzeln. „Und das brauche ich auch nicht.“ Gegen den immensen Staub, der beim Dreschen aufgewirbelt wird, schützt er sich mit einer Staubmaske, gegen die Sonne hilft langärmelige Kleidung und eine Kappe. „Ich muss mir manchmal einiges anhören, wenn ich in der klimatisierten Kabine meines Treckers sitze und den Überladewagen fahre und mein Vater ohne Kabine unterwegs ist“, weiß auch Dirk Gnutzmann zu berichten.

Die beiden sind ein Team und zwar ein sehr gut eingespieltes. Inzwischen ist schon die dritte Generation bei der Ernte dabei: René Gnutzmann ist 17 Jahre alt, lernt Zimmermann und hilft gern. „Dafür nimmt er sich sogar Urlaub“, erzählt Mutter Martina.

30 Hektar im Nebenerwerb

Doch zurück zum Senior, der flott die Stufen zum Fahrersitz des Mähdreschers genommen hat. Das Lager des Fahr M 1000 ist repariert, das Korn kann wieder über das Rohr in die Anhänger laufen und damit kann weiter gedroschen werden. Ein kurzer Schluck aus der mit Zeitungspapier umwickelten Flasche – zwei festgeklebte Kühlakkus sorgen für Frische beim Cola-Selter-Mix – und Willi Gnutzmann startet den Drescher. 100 PS hat der Motor, zwei bis drei Stundenkilometer schafft er bei der Fahrt über den Acker, seine Schnittbreite beträgt 3,6 Meter. „In einer Stunde dreschen wir knapp einen halben Hektar“, sagt Dirk Gnutzmann. Im Jahr 2000 übergab sein Vater den Hof an ihn, seitdem bewirtschaftet er ihn im Nebenerwerb. Hauptberuflich arbeitet Dirk Gnutzmann beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR).

30 Hektar wurden in diesem Jahr abgeerntet, darunter sind Raps, Weizen, Gerste und Hafer. „Das Korn verkaufen wir, und natürlich machen wir auch Stroh und Heu für die Tiere.“ Martina Gnutzmann hat rund 30 Schafe in ihrer Hobbyzucht. Die Fitness von Willi Gnutzmann kommt nicht ganz von ungefähr. „Ich fahre jeden Tag eine Runde mit dem Rad. Auch der Mittagsschlaf ist wichtig“, so der Senior. „Er ist ein sehr positiver Mensch und hat viel Spaß an der Arbeit, das war schon immer so“, sagt sein Sohn über ihn.

Mit seiner Ruhe und mit seiner immensen Erfahrung ist er eine wichtige Stütze – und mit seinem Alter sicher eine Ausnahme auf dem Mähdrescher. Dort sitzt er, immer mit Mundschutz, bis das Feld gedroschen ist. „Ohne ihn läuft es hier nicht“, betont Dirk Gnutzmann, bevor er sich auf den Trecker setzt und seinem Vater hinterherfährt. Eben ein eingespieltes Team.

Ein Artikel von
Sorka Susann Eixmann
Holsteiner Zeitung

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